Zermatt unplugged – Vernonica Fusaro und Emeli Sandé in Höchstform

Zermatt unplugged heisst für Newcomer auch bei sechs Grad auf die Aussenbühne des Alex. Die singende Thuner Soziologiestudentin Veronica Fusaro liess sich davon nicht abschrecken und verzauberte die Zuschauer. Und welche Stimmung verbreitete die schottische Soul Sängerin Emeli Sandé abends im Zelt?

Ihr Kellerzimmer habe nur ein kleines Guckloch in Thun, wo sie ihre Songs am Computer, Gitarre oder Keyboard komponiere, erklärte Veronica Fusaro die Gäste an den Tischen auf der Terrasse des Alex auf. Eigentlich war Mittag und Zeit zum Essen, doch die rund sechzig Zuhörer älteren Alters rührten oft keine Gabel und zückten kein Handy, so sehr hingen sie aufmerksam an den Lippen der Thunerin.Vor wenigen Wochen bei den Music Awards mit dem Newcomerpreis ausgezeichnet und seither an jeder Musikveranstaltung dabei, ist die Singer/Songwriterin die Musikerin des Jahres, die mit ihren sehr minialistischen Songs, einer immer gleichen Stimmlage, mit Brille und Jeans unsere Nora Jones der Schweiz ist und gefällt. So sehr, dass sogar viele Balkontüren aus der Umgebung des Alex aufgingen und Senioren zuhörten und begeistert klatschten, den eines muss man  Vernonica Fusaro mit ihrer auf den ersten Blick kühlen Ausstrahlung lassen, ihr Englisch ist trotz italienisch-schweizerischen Wurzeln astrein.

 

 

Die 31jährige Emeli Sandé hat einen ungewöhnlichen Familiennamen in Sunderland Schottland weil ihr Vater aus Sambia stammt. Sie trägt gerne auffällig gefärbte Haare, die sie von ihrem Schatten unterscheidet. Obwohl beide das gleiche Stimmvolumen haben, gewann Adele bisher den nie ausgesprochenen Wettbewerb. Als Emeli Sandé 2011 mit „Our Vison of Events“ überall auch in der Schweiz Gold gewann, hatte nicht nur England eine neue Soulstimme und Star, doch dann kam Adele und hat alles gewonnen, was es im Musikgeschäft zu gewinnen gab. Sandé backte fortan kleinere Brötchen und wartete fünf Jahre mit der nächsten Plattenveröffentlichung bis Adele in Pause ging. Zu spät. „Long live the Angels“ hat auf dem Festland keine grossen Spuren hinterlassen. Nun müssen es die Liveauftritte wie bei Art on Ice oder Zermatt unplugged richten, damit die Karriere weitergeht.
Das ausverkaufte Konzert war ein Triumph, weil Emeli Sandé die 90 Minuten von der ersten Minute an mit ihrer Stimme, in der immer die Geschichte ihres schwarzen Vaters mitschwang, nutzte, um mittels des intelligenten Pops Botschaften über die Worte, für die sie sich immer sehr viel Zeit nimmt, zu transportieren. Freiheit, ob innerliche oder äusserliche war oft das Thema und die Walliser kamen auch in den Genuss einer Weltpremiere. Weil Emeli  zwischen Konzerten der aktuellen Tournee Zeit hatte, besuchte sie das Konzentrationslager Dachau und schreib „Free as a bird“, das sie nun auf der Zeltbühne zum ersten Mal sang.
Der warmherzige Gig, der stets etwas von einer Predigt in der Kirche hatte, bewegte die Zuschauer sehr. So fielen beim letzten Song Paar einander in die Arme, küssten sich, Fremde lachten einander an und ein alter Mann, der schon seit Jahren ans Zermatt unplugged kommt, nahm sein Taschentuch hervor und wischte sich eine Träne aus den Augen und flüsterte seiner Frau ins Ohr: Das war das beste Konzert, das ich je gesehen habe. Recht hat er.
Fotos von Emeli Sand von Nick Lobeck und Mauro Pinterowitsch

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