Rechthalten – David Bielmanns Roman über die Ermordung der Christina Aeby

Der Mord an der 21-jährigen Christina Aeby 1820 erschütterte die Dorfidylle von Rechthalten im Kanton Freiburg. Die Landjäger begannen mit den Ermittlungen und überführten einen Mann, doch war dieser der Mörder? Der Lehrer und Romanschreiber geht in seinem neusten Buch „Im Schatten der Linde“ dieser Frage nach.

David Bielmann, Sie leben in Rechthalten im Sensebezirk, da ist nicht viel los. Haben Sie deshalb den 1820 geschehenen Mord an der 21-jährigen Christina Aeby ausgegraben für Ihr neues Buch oder was hat Sie an diesem Fall interessiert?

In Rechthalten oder allgemein im Sensebezirk geht manchmal schon die Post ab, ich hätte also gut über etwas Aktuelleres schreiben können. Aber der Fall Christina Aeby ist in Rechthalten auch nach fast zweihundert Jahren nicht vergessen, in den Köpfen der Leute ist er nach wie vor präsent. So gesehen ist der Mord auch heute noch aktuell.
Mich hat zunächst vor allem interessiert, was damals wirklich geschehen ist. Der Roman basiert auf den Originalakten, die ich im Freiburger Staatsarchiv eingesehen habe.

 
Der Mörder der Rechthalten-Stini wurde gerädert, doch es war wohl der Falsche und auch Ihr Buch kennt den Richtigen nicht. Ist “Im Schatten der Linde” neben der Aufarbeitung der Geschichtsakten auch eine Anklage gegen die Justiz der damaligen Zeit?

Ich würde nicht behaupten, dass der Falsche gehängt worden ist. Aber ja, ich habe bewusst noch andere Verdächtige ins Spiel gebracht, um ein kritisches Licht auf die Justiz jener Zeit zu werfen – schliesslich erfolgte das Geständnis in der Folterkammer.

 

Der Sensebezirk ist ja bekannt unter vorgehaltener Hand für seine Seilschaften und dass man vieles in Eigenregie dem Frieden zuliebe regelt. Der Mord und die Verurteilung sind eine Sache, das andere war die geänderte Stimmung über Jahre in der Region gegenüber Fremden?

In der Region sind ja viele Leute auch heute skeptisch gegenüber Fremden, wie etwa die Diskussionen um das Bundesasylzentrum zeigen. Ich kann mir gut vorstellen, dass man damals einen Fremden, der kurz nach dem Mord im Dorf aufgetaucht ist, besonders kritisch betrachtete. Man kann die Szene im Buch also auch als Anspielung auf die Fremdenangst von heute lesen.

 

Sie wohnen in der Nähe des Gedenksteins zum Mord  in der Tächmatt, was sicher bei der Inspiration half. Welche Unterschiede im Schreiben des neuen Romans bemerkten Sie oder mussten Sie gar lernen zu den früher veröffentlichten Gottéronkrimis?

Zuerst einmal habe ich vor dem Schreiben ziemlich lange recherchiert: Einsicht der Akten, Transkription der Akten, Lektüre von Texten zum frühen 19. Jahrhundert … Dann musste ich mich beim Schreiben auch an diese Recherchen halten, ich durfte mir nicht alle Freiheiten nehmen wie etwa bei den Gottéron-Krimis. Auch die Sprache musste der Zeit gerecht werden. Beim Schreiben meines ersten historischen Romans habe ich also einiges gelernt.

 
Als Lehrer an der Freiburger Berufsschule unterrichten Sie in der Hoffnung auch mittelmässige Charakteren auf den sozialen Weg zu bringen. Bei Schreiben tauchen Sie dann in die Abgründe des Menschen ein. 
Unterrichten, Ehemannsein, Schreiben. Was macht der David Bielmann im schönen Sensebezirk, wenn er nicht in der Geschichte wühlt und sich erholen will?

Ich lese, höre Musik, spiele Gitarre, mache und verfolge Sport. Und ich verreise auch mal gerne für ein paar Tage.
 
Alle Fotos copyright Fabienne Bielmann, Dimorph.ch
 
 
Weitere Informationen zu David Bielmann hier
 
Das Buch Im Schatten der Linde erschien im Zytglogge Verlag. Bestellung hier

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