Immensee – Zu Besuch bei Feuerring-Designer Andreas Reichlin

 

Die Rigi zu rechten Seite, die Glarner Alpen im Weitblick und den Zugersee zum morgendlichen Schwimmen vor der Haustür, so wohnt der Erfinder des indirekten Grillierens mit dem skulpturalen Design, Feuerring genannt, Andreas Reichlin in Immensee. Ein Interview mit dem Schwyzer über seinen Lebensweg und Sinnfragen.

Andreas, erinnerst Du Dich noch an den Augenblick, wo Du Dir sagtest, dass Du Künstler wirst und welchen Einfluss spielte die Region um die Rigi und Zugersee dabei?
 
Bereits in der ersten Klasse wusste ich in dieser Wohnung, die meinem Onkle gehörte, dass ich Holzbildhauer werden möchte. Er war Holzbildhauer und schnitzte Wurzeln, was mich wie die Arbeiten aus der Werkstatt eines Freundes von meinem Vater faszinierten. Ich mache eine vierjährige Lehre als Holzbildhauer, dann ginge ich in die Bildhauerschule nach Mühlheim, Kanton Thurgau und lernte zu arbeiten mit dem, was in mir innen schlummert.
Ich wuchs am Sonnenfels, ein traumhafter Ort am Immensee, den sogar Goethe auf seinen Reisen erwähnte, auf
Ich war ein Einzelgänger in der Kindheit und oft alleine im Wald, segelte und surfte, suchte Pilze, war ein naturverbundenes Kind.
Neben dem Feuerring bist Du ja auch bekannt für Deine Stahlplastiken. Welches Stilmittel wählst Du, um welches Gefühl auszudrücken?
 
Nach der Bildhauerschule ging ich nach Paris und lernte Aktzeichnen, welches wichtig ist für die Proportionen, die sich nach dem Menschen richten, was Gross und Klein ist. Ohne diese beiden Ausbildungen würde der Feuerring nicht so skulptural dastehen wie er nun ist.
Reduktion auf das Wesentliche ist das Stichwort für Deine Arbeit. Ist das für Dich auch ein Weg Dich vom Alltagsmüll zu befreien und zu Dir selbst vorzustossen?
 
Von dem Moment an, wo man Kunst macht, ist man ganz klar bei sich selbst. Kunst ist etwas sehr Persönliches. Mich interessierte immer, mit Wenig Viel auszusagen. Ich bin auch nicht im privaten Rahmen der grosse Redner. Ich bin ein Eigenbrötler und mag das, wie auch einige aus meiner Familie es sind und waren. Würde ich mich besser mit Worten ausdrücken können, wäre ich Schriftsteller geworden, so wurde ich Bildhauer.
Wie wichtig ist es für Dich mit Deiner Kunst etwas für die Nachwelt zu hinterlassen?
 
Wenn Du die Kunst ansprichst, war das Hinterlassen für mich bis dahin in der Bildhauerei. Mit dem Feuerring definiere ich mich nun als Designer. Der Feuerring wird schon von Hand gemacht, aber halt als Serie. In der Kunst hast du Unikate. Mit dem Feuerring haben wir eine Vision und wir arbeiten daran ein Klassiker zu werden. Früher konnte ich schlecht nein sagen, seit ich die Vision des Feuerring habe, gehe ich einen Weg und nichts rechts und links bringt mich davon ab. Es ist für eine Herausforderung, dass jedes der 15 Modelle in sich stimmig ist. Ich habe zwei Patente auf dem Feuerring, die ihn europaweit schützen. Der Feuerring wird auch in 300 Jahr gesellschaftlich noch funktionieren.
Ja und ich weiss, wie meine Urne mal aussehen wird. (lacht)
Auf dem Weg vom Bahnhof Rotkreuz nach Immensee sahen wir, wie die Natur sich in Stille  gestaltet mit Blühen im Frühling. Wie wichtig ist für Dich nach den Beziehungen zu Kunden im Arbeitstag Stille?
 
Das ist noch spannend, was Du sagst. Ein englischer Filmstudent, der einen Film über mich drehte, sagte, dass der Arbeitsprozess eines Bildhauers unheimlich laut sei, aber meine Formen dann still dastehen. Auch der Feuerring, indem nun auf dem Balkon ein Feuer brennt, ist in sich still, weil er so reduziert ist in seiner Form.
Ich liebe Stille. Ich liebe das leise Rauschen der Bäume hier am See und kann auch die Balkonfenster der Wohnung schliessen und nur die Aussicht auf den See geniessen. Leider komme ich im Moment wenig dazu.
 
Was macht der Andreas Reichlin, wenn er nicht Künstler oder Designer ist?
 
Ich mache ein Feuer. Flammen haben für mich etwas sehr Entspannendes. Ich gehe auch gerne aufs Wasser. Ich habe ein Ruderboot und lasse mich auf dem Zugersee treiben.
 

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