Zürich – Bryan Adams Ue 35 Sommerrockparty im Hallenstation

Für den ersten Kuss, den ersten feuchten Traum, den ersten Paartanz hatte Byran Adams in den 80ier für jede Teenagerphase die richtige Ballade. Im Hallenstaion bewies er seinen mittlerweile erwachsenen Fans mit Rock, wie er sagte, wie „Arschwackeln“ geht.

Am ersten Sommertag mit 30 Grad trug Byran Adams um acht Uhr genau das Richtige auf dem Video hinter der Bühne, nichts am Oberkörper. Zehn Minuten später flog ihm eine Fliege entgegen, die er frass und real in Sakko losrockte mit der aktuellen Single  „the ultimate love“ und spätestens mit dem dritten Song „Run to you“ hatte er das vorwiegend weibliche Publikum auf seiner Seite, auch weil der Sound extrem laut war und jedem in die Knochen fuhr.
„Hi Zürich, I m Bryan“ im schnellen zweistündigen Set im ausverkauften Station gab es wenige persönliche Worte an das Publikum, dafür Hits a gogo aus einer vierzigjährigen Karriere an verschiedenen Mikrofon auf der Bühne vorgetragen.

Im Hintergrund liefen zu jedem der unzähligen Hits neue und alte Videos, dazwischen gabs vom kanadischen Narbengesicht, das mit 15 Jahren in Montreal die Highschool schmiess, weil es einen Plan hatte, Grossaufnahmen. Die zeigten einen 58-jährigen, der mit sich im Reinen ist, viel lächelte, sich nach jedem Song verbeugte und nie den Sakko ablegte. Den Stil eines Gentlemen, der auch rocken kann, aber vorallem ein Flair für die richtigen Töne, wie man eine Frau verführt, kennt, das ist Bryan Adams.

In der ersten Reihe trug eine Frau, die wie alle Zuschauer über 30 Jahre war, ein T-Shirt mit der Schrift „You belong to me“. Ja der Kanadier, der zwar seit neun Jahren verheiratet ist, stets vegetarisch lebte, hat trotz seines Alters eine schlanke Figur und den Charme eines Zwanzigjährigen, der sagt oder besser singt: „Ich kenne in einfachen Worten deine Gefühle, ich bin dein Freund.“

Auch wenn er seit Jahren aus den Hitparaden verschwunden ist, 100 Millionen Plattenverkäufe können nicht darüber täuschen, dass er dank der Mithilfe seiner fünfköpfigen Band und seines talentierten Freundes Gitarrist Keith Scott im Hallenstationkonzert bewies, dass er immer noch ein Superstar ist, der mit solider Handarbeit und viel Spass dabei, eine Party schmeissen kann, die zwar keine neuen Ideen lieferte, aber von A bis Z Spass machte und Glückhormone produzierte.

„Everything I do, I do it for you“, Could Nr 9, Have you ever loved a woman?, waren die Höhepunkte vor einem restlos begeisterten Schweizerpublikum.
Vielleicht reist im Herbst eine davon zur neuen Musik des Frauenverstehers Bryan Adams zu seinem Musical „Pretty Woman“ oder besucht eine Ausstellung seines zweiten Berufes, Fotograf, von Frauen versteht sich.

Basel – Art Basel – Me, my Selfie and Art

Die Fussball-WM und die Art Basel, Beides am gleichen Tag eröffnet und ein internationales Messen um die Kunst am Ball, an der Staffelei und der Verführung mit Körper und Farben und Können. Ein Rundgang durch die Messehalle Basel mit 290 Galerien aus 35 Länder und über das Staunen der Zuschauer.

Kunst ist heutzutage für jedermann zugänglich und verbreitet sich via sozialen Medien rasant wie auch das Lauschen eines Gespräches im überfühlten Tram 2 vom Bahnhof zur Messe beweist, wo drei deutsche Damen sich Tipps geben für das, was das gemeine Volk anders als zu Beginn der Art Basel 1970 heute dauernd macht, sich vor einem Bild hinstellen und knipsen.
Art Basel Direktor Marc Spiegler sieht sich zwar besorgt über den Trend seit zehn Jahren, wo mehr Galerien schliessen als eröffnen, den seine jährliche Messe soll ja eine Plattform für Galerien sein. Mit 100000 Euro pro Stand sind auch dieses Jahr 290 Galerien aus 35 Ländern dabei, doch das Niveau ist bei den 4000 Künstlern moderner und zeitgenössischer Kunst sehr unterschiedlich.
Während die asiatischen Aussteller enttäuschen mit Ausdruckslosigkeit, sind die New Yorker dem Druck und Wettbewerb im Kunstbetrieb mit wuchtigen Werken, wo oft das Digitale mit der Malerei verschmilzt, besser gewappnet.

Der nackte Mann, oft war ja bisher die Frau Objekt, zeigt auch, das die Abbildung und Gleichberechtigung der Geschlechter in der Kunst wichtiger wird.
Im Unlimited-Sektor mit 72 grossformatigen Projekten ist das Spektrum gross und sehr unterschiedlich.
Mit Jürgen Klaukes „Dr. Müllers Sex Shop oder so stell ich mir die Liebe vor“

über Yoko Ono (Frau von John Lennon) mit „Mend Piece“, wo Besucher Keramik zerschlagen und mit Schnur wieder neue zusammenbinden können

bis zu Ai Weiwei Aneinanderreihung von Hunderten von Tassen und Teller  unter dem Namen „Tiger, Tiger, Tiger“  ist die Halle sehr vielfältig. Interessant bei chinesischen Konzeptkünstler aus Peking ist, dass er die Idee zur seiner Darstellung hatte, als er nach regierungskritischen Aeusserung im Gefängnis landete und bis vor drei Jahren Hausarrest hatte.

Die Art Basel will aber nicht politisch korrekt sein und übt keine Zensur aus. Sie wirkt gegen Selbstzensur und gibt dem Künstler eine Plattform zur Selbstinszenierung, die die Selfiehobbyfotografen weiterspinnen.

Kunst ist Blendwerk, eine Möglichkeit, die Welt jeden Tag durch andere Augen zu sehen. Eine Messe ist für Galerien heute oft der einzige Ort noch an Publikum zu kommen und Käufer zu finden. Und so lebt Basel bis Sonntag vom Bad in Farben, Formen und Spielereien wie tausend Kilometer weiter die Fussball-WM in Russland.

 

Riehen – Fondation Beyeler wird mit Picasso ins neue Jahr starten.

Das war ein cleverer Schachzug vom Direktor der Fondation Beyeler Sam Keller gegenüber seinem ehemaligen Arbeitgeber. Zwei Tage vor der Art Basel stellte er zusammen mit der Enkelin Diana Widmaier Picasso den Höhepunkt des nächsten Jahres vor, die Ausstellung zur blauen und rosa Periode des frühen Pablo Picasso.

Die breite lange Nase, die weit auseinander stehenden Augen, Charme und Schalk im Gespräch, der stündige Auftritt von der französischen Kunsthistorikerin Diana Widmaier Picasso im kurzen und tief ausgeschnittenen Sommerkleid war perfekt und machte neugierig auf ihren Grossvater. Obwohl sie nicht von Picasso gezeugt wurde, nur ihre Mutter hatte eine Beziehung zum Meister, trägt sie wegen dem spanischen Recht dessen Namen und gilt als Expertin seiner Skulpturen.

Diese werden in der Minderheit sein, wenn ab Februar bis Mai nächsten Jahres Tausende an die Ausstellung nach Riehen pilgern und die Frühwerke von 1901 bis 06 ausgestellt werden.

Es sei, so Sam Keller, sehr schwer gewesen, diese über die ganze Welt verstreuten Werke für die Ausstellung zu bekommen. Doch der Direktor weiss, Picassos Frühwerk ist das romantischste und durchdachteste. Später im Kubismus wird man den Eindruck nicht los, dass viel hingeworfen wurde und schnell veröffentlicht, der Markt brauchte dauernd neue Werke.

Japaner mögen Picassos Spätwerk übrigens nicht und so dürfte die Fondation Beyeler mit der kommenden Ausstellung der Frühwerke, die zum ersten Mal alle gezeigt werden, eine breite, länderübergreifende Besucherschar anziehen, nicht zuletzt weil diese Periode etwas gefällig ist und allgemeinverständlich.

In der Ausstellung wird die Farbe Blau als Symbol stehen für einen jungen Spanier der zwischen Barcelona und Paris pendelt und mit seinen Werk als junger Maler sich sucht, aber auch seine Bildthemen und Ausdrucksformen.

Der 20-jährige Picasso weiss, er will den Menschen nicht einfach abmalen, er will tiefer gehen als all die Maler vom Montmatre. Paris ist noch mehr als die katalanische Stadt Treffpunkt des mondänen Lebens. Themen wie Liebe, Sexualität, Körper von Mannen und Frauen, das Moderne und die Nachtclubs, Picasso zieht alles in sich rein und bald einmal ändert sich seine Perspektive von Rosa und der Kubismus ab 1907 nimmt seinen Anfang.

Mit der 80 Werke umfassenden Ausstellung mit Leihgaben aus aller Welt, wird ab Februar 2019 die Fondation Beyeler das Must aller Kunstliebhaber werden.

Bildlegenden

1 Nu sur fond rouge 1906

Öl auf Leinwand
81 x 54 cm
Paris, musée de l’Orangerie, collection Jean Walter et Paul Guillaume
© Succession Picasso Picasso / ProLitteris, Zürich 2018
Photo © RMN-Grand Palais (musée de l’Orangerie) / Hervé Lewandowsk

2 Diana Widmaier Picasso

3 Acrobate et jeune Arlequin 1905

Gouache auf Karton

105 x 76 cm
Privatsammlung
© Succession Picasso / ProLitteris, Zürich 2018

4 Arlequin accounde 1901

Öl auf Leinwand
83.2 x 61.3 cm
New York, Metropolitan Museum of Art, Schenkung Mr. und Mrs. John L. Loeb Gift, 1960
© Succession Picasso / ProLitteris, Zürich 2018
Foto ©The Metropolitan Museum of Art/Art Resource/Scala, Florence

Bex – das Salzbergwerk und seine Geschichte erleben

Vor 450 Jahren begannen, nachdem einem Hirten seine Ziegen dauernd an einem Stein leckten, in den Bergen von Bex die Förderung des Rohstoffes Salz. Ein zweistündiger Rundgang durch den Bergstollen zeigt nicht nur die Geschichte sondern auch die heutige Produktion.

Ob in der Küche als Gewürz, in der Medizin als Infusion oder Eisentferner im Winter, das Salz war und ist für den Menschen, der täglich rund 300 g zu sich nehmen muss, wichtig. Also besteigen wir vor dem Bahnhof Bex in der Waadt die kleine Strassenbahn, die uns in einer Viertelstunde nach Bévieux fährt. Ein 50 minütiger Marsch von dort der Strasse entlang und etwas steil im letzten Drittel führt zur Produktionsstätte, wo seit 450 Jahren das Gold der Alpen, das Salz auch heute mit 600000 Tonnen von den Mineuren abgebaut wurde und wird.
Es riecht nach abgestandener Luft und der Schacht ist nicht sehr hoch und breit als der Führer die Gruppe, von der sich jeder vorher im Internet anmelden musste, in den Stollen führt. Die Temperatur sinkt rasch auf 18 Grad, doch wie berühmte Besucher wie Napelons Frau Marie Louise nimmt der Gang ins Innere der Erde einem schnell gefangen.
Nach einem Video mit der lustigen, bereits erwähnten Entdeckung des Salzvorkommens und dem späteren Abbau und der Weiterentwicklung über die Jahrhunderte bis heute wartet eine kleine Eisenbahn, die noch weitere Kilometer tiefer in den Berg dringt zu den abgetragenen Gesteinsmassen und zurückgebliebenen Höhlen. Am Wegrand liegen die Werkzeuge der Mineure, die erahnen lassen, wie mühsam diese Arbeit ohne Tageslicht war  und ist und wie gefährlich, da sie nie wissen, wie der Berg sich verhält.
Der Führer spricht zwar nur französisch, aber es gibt Audioguides und noch wichtiger ist wohl, das Schmecken und Riechen dieses millionenalten Erdinnerns und was es für uns Menschen freigegeben hat, das Salz, die Kristalle, das Sodwasser.
Wer nachdem temporeichen, nicht immer einfach zu begehenden Gang durch die kilometerlangen Stollen Hunger bekommen hat, kann unterirdisch in einem Restaurant essen. Wer Glück hat, sieht dann zur Mittagszeit die Männer, die heute als Mineure in der Welt des Salzes arbeiten. Kräftige Männer mit schmutzigen Gesichtern und einem scheuen Blick, der das Sonnenlicht wenig kennt.

Entlebuch – die neue Napf-Herzroute nach Willisau im Test

 

54 Kilometer vom Entlebuch nach Willisau tönt auf den ersten Moment nach wenig, aber bekanntlich führt auch die Napf-Herzroute nicht dort durch, wo man zuerst denkt sondern behält mit 1600 Höhenmetern einige Ueberraschungen fürs Gemüt und den Körper bereit. Ein Erlebnisbericht.

Grün sei, so sagen Psychologen, die Farbe, die uns am stärksten beruhige, weil sie fürs Auge am meisten vorkomme. Dies trifft für den neuen Herzrouteabschnitt Napf den Nagel auf den Kopf, den nachdem wir die Flyers im Dorf beim 3 König Restaurant abgeholt haben, geht es schnell auf eine Anhöhe, von der man das fühlt, was diese Napfroute ausmacht, Ruhe. Während der Verkehr zähflüssig durchs Tal fährt, können wir bis Rosmoos den Napf und das Auf und Ab und dazwischen viel meditative Augenblicke geniessen, auch wenn momentan viele Bauern Jauche aufs Feld giessen.
Die Strecke führt besonders im ersten Teil durch soviel Grün und kaum Landwirtschaft, den irgendwo ein Haus, dass man sich manchmal fragt, wo den die 9,3 Millionen Schweizer alle hin sind?
Doch wer träumt zwischen Wald und Wiesen verpasst um ein Haar die Markierung auf den Menzberg und der Weg geht extrem steil durch den Wald. Die Unterstützung High wie auch die Wadenmuskeln leisten Höchstleistungen und ich kämpfe wie ein Bär mit der Steigung und fluche. Die Batterie geht langsam zu Neige und ich bin immer noch nicht oben.
Oben angekommen, sacke ich auf einem Bänkli neben einem Bauernhof zusammen. Die Kälber schnuppern an mir, der Bauer nimmt seinen zweijährigen Sohn an die Hand und geht mit dem Sennenhund spazieren, während ich die romantische Szene beobachtend, verschnaufe und froh bin, dass beim Landgasthof Menzberg die Akkuwechselstation ist.
Was bis Luthern kommt, ist gefährlich. Leider haben die Unwetter der letzten Tage die Naturstrasse derart in Leidenschaft gezogen, dass das Rad von einem Loch ins andere springt oder im Schotter oder Kies fast nicht mehr durchkommt. Ich werde in der nächsten halben Stunde derat durchgeschüttelt, dass ich von der Landschaft nichts mitbekomme. Erst gegen Hergiswil beruhigt sich die Situation wieder, weil es wieder eine Betonstrasse gibt und mir ein Goldgräber zuruft, ob alles gut gehe. Ich lächle und fahre noch eine Stunde nach Willisau, wo die Abgabestation des Flyers etwas weiter von Bahnhof entfernt liegt.
Entgegen der Annahme dieser Streckenabschnitt Entlebuch-Willisau der Napfroute sei leicht, muss ich am Schluss zugeben , sie war sportlich. Und wer eher ängstlich ist, wartet vielleicht noch ein, zwei Wochen bis Strassenarbeiter, die vom Unwetter in Mitleidenschaft gezogenen Abschnitte, wieder in Stand gestellt haben. Dann ist der Napf wieder eine grüne Oase bereit für Herzrouten-eBiker.