Montreux – Van Morrison und Steve Winwood am Jazz Festival – Zurück in die Zukunft

 

Auch die 52. Ausgabe des Montreux Jazz Festival hatte im Budget von 28 Millionen eine Programmmischung aus Frischlingen und alten Hasen. Letztere wie Billy Idol, Van Morrison oder Steve Winwood gehören zum Trend 80ier Helden wieder hochleben zu lassen. Doch bringen sie noch ihre Leistung?

Wer seit 1974 in Montreux Gast ist, weiss mit 72 Jahren Schweizer Konzerte am Genfersee fangen pünktlich um acht Uhr an. Mit schwarzer Brille, Hut, Kravate und Anzug trat Van Morrison mit seiner sechsköpfigen Band ohne Begrüssung ans Mikrofon. Professionelle Musiker wie er und seine Band machen ihr Ding, das heisst hier Rhythm and Blues und nehmen wenig Notiz vom vollen Saal. Das Set war schnell, der Gesang oft monoton, aber die Stimmung stets ausgezeichnet unter den über 40jährigen im Publikum, das von Anfang an heftig klatschte. Der Ire sang mit geschlossenen Augen Material aus seiner 40jährigen Karriere und lieferte mit seinem Sound die Musik für den lauen Sommerabend bis zum letzten Drittel. Da verlor der Auftritt an Fahrt und etliche Zuschauer verliessen den Saal, vielleicht auch deswegen, weil im Eingangsbereich der Stravinsiki Hall der Fussballhalbfinal auf einem grossen Bildschirm übertragen wurde und spannender war.
Rang 33 als weltbester Sänger zu belegen, ist eine Marke, doch das war in den 80ier Jahren als Steve Winwood „Higher love“ sang und in den Hitparaden war. Heute war ab zehn Uhr von dieser markanten Stimme nicht mehr die Kraft von Früher zu hören, aber das Talent als Multiinstrumentalist. Gleich zu Beginn des 90 minütigen Konzertes gaben Kongos den Rhythmus an und wenig später kam eine Flöte dazu. Sonderbare Mischung, aber das ist eben Steve Winwood. Ein Mann, dem das Talent in die Wiege gelegt wurde, verschiedene Instrumente zu spielen und ein absolutes Gehör zu haben. Die 4 köpfige Männer Band gab sich viel Mühe, den vielfältigen Sound rüber zubringen, aber es war zu laut. So dass bald einmal ein zwar sehr tanzbarer Funk und Blues die Beine der Zuschauer in der halbleeren Halle drang, aber die Nuancen durch den schlechten Mix verloren gingen. Mit einem roten Teppich unter den Füssen und Gitarre hörten die Zuschauer im reifen Alter Steve Winwood zu, dessen Talent ohne Frage ist, aber keine Ideen mehr hat für neue Songs.
Somit war dieser Abend einer zum Zuhören von alten Herren, die ihre Leidenschaft die Musik nicht verloren haben und auch mit über 60 Jahren Spass vermittlen können.

Fotos Lionel Flusin

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