Aarau – die Surrealisten der Schweiz erstmals vereint im Kunsthaus Aargau

„Bi dänne spinnts im Kopf“ mussten sich viele Schweizer Surrealisten über die letzten hundert Jahre oft anhören. Doch wer waren diese Künstler? Bis zum 2. Januar gibt das Kunsthaus Aargau mit 400 Werken den 60 Künstlern in neun Räumen erstmals ein Gesicht.

Beim Eintritt in die Ausstellung steht ein nackter Mann vor Bildern aus dem konservativen Klima der Schweiz der 30 er bis 50 er Jahre, die eher der künstlerischen Landesverteiligung als des  persönlichen Ausdrucks einzuordnen sind. Das sollte sich bald ändern.

 Bereits in Basel nehmen Kreative in den zwanziger Jahren wahr, was 1924 von André Breton in Paris gegründet wurde, der Surrealismus. Die Basler Fasnacht mit ihren grotesken Larven, die die Obrigkeit und ihre Machenschaften, die sich in den Augen und den Gesichter abzeichnet, lächerlich machen, sind eigentlich nichts anders als der Versuch, dass was bildende Künstler auch am Rhein gemacht haben. Die nicht überprüfbare Innenwelt nach Aussen bringen.
Im Raum 3 tauchen dann die Namen auf, die sich mit der abstrakten Sicht auf die Welt und dem Wunsch die konservative Abbildung zu verlassen einen bis heute klingenden Namen gemacht haben wie Paul Klee, Meret Oppenheim, Alberto Giaccometti. Sie sind die Vorläufer einer Bewegung, die vor allem bis in die fünfziger Jahre als reiner Surrealismus angesehen werden kann.

Während Paul Klee die freie Linie entdeckte, wählten andere Maler die Themen der Strömung wie Träume, Fantasien, die Seele und die eigene Persönlichkeit, die oft eine schwierige war und im Innern ungeordnet.

Die schonungslose Offenlegung des eigenen Ich und seiner Abgründe in den Bildern stiess vielerorts im Land auf Ablehnung.

Nachdem Krieg flachte der Surrealismus ab, doch er starb nie bis heute aus sondern schlich sich quasi in andere Stilrichtungen ein und brachte sicher mit seiner Art, vieles im Entstehungsprozess dem Zufall zu überlassen, einen Star hervor, Jean Tinquely. Der Freiburger war bis zu seinem Tod das Beispiel eines Surrealisten, der die Kunst, man denke an seine Brunnen, zum Volk bringen wollte und auf die Strasse, wo das tägliche Leben spielt.
Thomas Hirschborn und Pipilotti Rist sind die Künstler von heute, die das Surreale in ihr Werk integrieren, doch die Ausstellung mit 400 Werke zeigt, dass auch Kantone wie Schaffhausen oder das Tessin durchaus wache Zeitgenossen zu jeder Epoche hatten, die die inneren Spannungen und das was nicht Offensichtlich ist, wussten mit Farben, Collagen oder Skulpturen umzusetzen.
Nach dem Grosserfolg mit der Popart der Schweiz legt das Kunsthaus Aargau mit den Surrealismus im grossen Stil nach. 400 Werke in neun Räumen sind allerdings zu viele und das enge beieinander Hängen ermüdet das Auge. Deshalb sollte man sich für diese Ausstellung von Gastkurator Peter Fischer und Kokuratorin Julia Schallberger Zeit nehmen.
Zur Ausstellung gibt es auch Expertengespräche unter anderem mit dem Schriftsteller und Kunsthistoriker  Paul Nizon oder Isolde Schaad oder Jeanette Fischer, einer Psychoanalytikerin.
Weitere Informationen zur Ausstellung hier

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