Kino – Die grüne Lüge oder warum Nachhaltigkeit nur das schlechte Gewissen beruhigt

Ob im Supermarkt, beim Autohändler oder Ferienort – die Oekosiegel werben für Nachhaltigkeit zum Wohle der Natur. Doch der Film „Die grüne Lüge“ vom Oesterreicher Regisseur Werner Boote zeigt auf, dass diese scheinbare Umweltfreundlichkeit namens Nachhaltigkeit ein Schwindel ist und die Zerstörung der Natur weitergeht und unsere Zivilisation bedroht.

Werner Boote, was haben Sie im Namen der Nachhaltigkeit gekauft, bevor Sie gemerkt haben, dass Nachhaltigkeit eine Lüge ist und sich dran gemacht haben einen Film darüber zu drehen?

Ich kaufte Produkte mit den Aufschriften „nachhaltig“ und „fair“.

2010 beim Filmfestival in Berlin schlug mir ein Prüf- und Gütesiegelanbieter vor, einen Kinofilm mit dem Prädikat `CO2 neutral´ zu zertifizieren. Die vielen Flugmeilen zu den Drehorten waren ihm dabei völlig egal. Für 3.000,- Euro hätte ich das Siegel verwenden können.

Das Geschäft mit der „Nachhaltigkeit“ ist ein Milliardengeschäft. Konzerne erfinden Siegel und Slogans nach Belieben.

Heute weiß ich, dass ich mit einem „bewussten“ Konsum nur die Konzerne rettete. Aber sicher nicht die Welt.

Sie reisten zu den Friedhöfen der Umweltzerstörung von BP, RWE usw. von Europa, Amerika und Asien. Welche Vorkehrung musste der Michael Moore des Naturschutzes, wie ich Sie mal nenne, treffen, damit Sie als Schnüffler auf den Firmengeländen drehen durften?

Für `Die grüne Lüge´ beobachteten mein Team und ich Unternehmen über viele Jahre und warteten geeignete Momente ab. Manchmal ist es auch einfacher als man denkt: Der deutsche Energiekonzern RWE rühmt sich mit einigen Windrädern immer „grüner“ zu werden. Ich wollte aber den riesigen Braunkohle-Tagebau filmen und zeigen, dass RWE zu wenig für erneuerbare Energie macht. Als wir um Drehgenehmigung im Tagebau ansuchten, erhielten wir die Antwort, dass ich den nur filmen darf, wenn ich die umstehenden fünf Windräder im Film präsentiere. Das habe ich dann gerne gemacht.

Gab es ein Drehbuch mit den Rollen, die Sie als zwar wissender Mann, aber auch dem schnellen Auto nicht Abgeneigter und Kathrin Hartmann als zu kopflastige Vernunftsperson zugunsten des Naturschutzes festlegte oder ist es ein Film wie Sie auch privat sind?

Ein Drehbuch war nicht notwendig. Kathrin und ich sind im Film genau so wie im täglichen Leben. Wir ließen die Kameras laufen und warfen uns Gefühle und Fragen an den Kopf, die jeder kennt. Auf diese Weise behandeln wir das globale Wirtschaftssystem, das Phänomen Greenwashing und auch unser aller Bequemlichkeit und Unwissenheit in Sachen Konsum. Unsere Gespräche sind für das Publikum unterhaltend, informativ und nachvollziehbar.

Es gibt viele traurige Bilder im Film wie der abgebrannte Urwals von Sumatra, wo Sie über die verkohlten Baumstämme gehen und es kein Leben mehr gibt und erkennen müssen, dass im Namen des Profits Menschen und Natur nichts gelten, weggeräumt werden. Mir kam der Magen hoch und wie ist es Ihnen vor Ort ergangen als sie sahen, es gibt kein gute Zukunft?

Durch meine Arbeit als Filmemacher sah ich schon viel Verwüstung und Leid. Aber noch nie erschütterte mich ein Drehort so dermaßen. Zuerst war ich fassungslos, dass ein Mensch so viele Tiere und Pflanzen brutal in Brand stecken konnte. Doch hinter all diesen Verbrechen steht immer unser profitorientiertes Wirtschaftssystem! Ich hoffe, dass immer mehr Menschen die zerstörerischen Mechanismen der Konzerne und des deregulierten Kapitalismus verstehen, damit es uns einmal gelingt, ein System zu schaffen, das keine grünen Lügen duldet.

Ist das Unwort Nachhaltigkeit nicht auch ein Vorwand für die bisher in der Geschichte der Menschheit nie so reich dagestandene Mittelschicht und ihrem Unvermögen auf Verzicht zu verzichten und Demut vor der Natur zu zeigen?

Produkte, für die Menschenrechte missachtet werden und systematische Umweltzerstörung betrieben wird, dürfen ganz einfach nicht hergestellt werden. Man kann dabei auch nicht von Verzicht sprechen. Denn Menschen das Trinkwasser zu stehlen, das Land zu rauben oder gar das Leben zu nehmen, steht einfach niemandem zu. Wir sind Teil der globalen Gemeinschaft und es ist an der Zeit, das zu schützen, was wir am meisten brauchen: das Recht der Menschen und die Rechte der Natur. Eine andere Wahl haben wir nicht.

Weitere Informationen zum Film „Die grüne Lüge“ hier

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