Basel – John Legend und Nicole Bernegger an der Baloise session

Mit zwei ausverkauften Konzerten konnte der Amerikaner John Legend an der Baloise session beweisen, dass er mehr als „all of me“ ist , doch eine Stimme aus Baselland machte ihm stimmliche Konkurrenz.
Nicole Berrnegger gehört zu den Frauen, die Rapper Stress für einen Moment mundtot gemacht haben und dazu gehört viel oder eben ihr Markenzeichen die Hammerstimme, mit der sie auch 2013 The Voice of Switzerland gewann und mit der sie auch an der Baloise session das Publikum von der ersten Minute in Bann zog. Nachdem sich die Jurymitglieder und ihr Mentor Stress nach dem Sieg abgewendet hatten, bliebt der kommerzielle Erfolg aus, doch die dreifache Mutter hatte ja schon jahrelange Bühnenerfahrung mit ihrer Band Kitchenettes vor dem Sieg und so besann sie sich wieder auf das, mit dem man in der Deutschschweiz und Sixties Soul überleben kann, kleine Bühnenkonzerte.
In Basel trat Nicole Bernegger mit einer achtköpfigen Band auf und schenkte dem Publikum in 50 Minuten vollen Einsatz. Von der geschilderten Nervosität spürte der Zuhörer nichts, aber von der Leidenschaft voll abzudrücken wie es Musiker unter sich nennen, was heisst die Stimme bis zum Aeussersten zu strapazieren durch alle Höhen- und Tiefenlagen.
 Mit einer Träne im Auge sang sie die einzige Ballade des Sets „Homesick“, weil sie diesen Song nach einem Telefonanruf von Studioaufnahmen in London nach Hause geschrieben habe, wo ihr erzählt wurde, dass die jüngste Tochter gerade die ersten Schritte gemacht habe.
 Die Birsfelderin hat Opfer gebracht in ihrem Leben, weil sie bis heute Mutter sein und Sängerin sein unter einen Hut bringen muss. Das ihr das gut gelingt, hat der energiegeladene Gig an der Baloise session gezeigt, den das Publikum mit Standing Ovation sowohl nach dem Konzert als auch nach der Zugabe belohnt hat. Wann gibt schon sowas?
Ein Mann, ein Piano, eine Stimme – so wenig “ Material“  hatte der Organisator noch nie auf die Baloise session Bühne gesehen, aber für John Legend aus Ohio war es in seiner ersten Zeit in New York City Alltag, wenn er nach dem Bürojob morgens um vier Uhr in irgendeiner Bar auftrat, wo oft nur wenige zuhörten neben seinem Cousin Kayne West, die beide auf einen Plattenvertrag warteten. Das Allroundtalent erhielt den Vertrag und einen Oscar, Grammy und Tony-awards für seine RnB Musik, die aber mit der letzten Platte „Darkness and Light“ einen Flop landete, der so gross ist, dass er nächste Woche eine Weihnachtsplatte rausbringen muss, um den finanziellen Schaden wieder wettzumachen.
Am zweiten Baloise session Konzert reduzierte der Amerikaner, der übrigens nur ein Jahr jünger ist als Nicole Bernegger, seine 22 Songs auf die Melodie, den Text und die Stimme. Ein klassisches Unplugged Set also mit einer grossen Herausforderung an den  Künstler, ein Publikum, das nicht englischsprachig ist und nicht alles versteht, 90 Minuten bei Laune zu halten.
Geholfen hat ihm dabei seine Fingerfertigkeiten von den Klavierstunden bei Grossmutter ab drei Jahren und das Singen im Gospelchor in der Kirche seines Grossvaters, der Pator war.
Ohne Noten- und Textblatt sang John Legend, der immer quer zum Publikum sass, einen Querschnitt aus seinem Schaffen und auch zwei Coverversionen von denen „Bridge over troubled water“ der Höhepunkt des Abends war, der wie viele andere Lieder, viele im Saal glücklich gemacht hat mit leisen Tönen, einer Intimität wie man sie selten erlebt und der Botschaft „Mache die Welt mit Liebe zu einem besseren Platz zum leben“.
Weitere Informationen zur Baloisesession hier 

Murten – Ein Stadtbummel mit Schriftsteller Peter Beutler und seinem Krimi Lucens-Gau

Im Januar vor fünfzig Jahren explodierte gegen 17 Uhr der Versuchsatomreaktor in Lucens. Im Kriminalroman von Peter Beutler „Lucens-Gau“ verschwindet der Kernphysiker, der nun in Murten als Leiche ausgegraben wird. Staatsanwalt Stulz untersucht den Unfall im AKW und findet Unfassbares heraus.

AKWs werden abgeschafft, hat die Politik beschlossen. Warum kommen Sie in Ihrem neuen Roman auf den Unfall im AKW Lucens vom 21.1.69 zu sprechen?

Lucens war das erste Kernkraftwerk der Schweiz, das aber aus rein militärischen Gründen gebaut wurde, was natürlich nicht gesagt wurde und es dann zu einer Kernschmelze kam als allererstes Land der Welt lange bevor Tschernobyl. Gebaut wurde das AKW zur Gewinnung von Plutonium, der Brennstoff der Atombombe. Die Schweiz wollte diese bauen und scheiterte.

Murten, wo wir unsere Fotos machen, ist zwar eine schöne historische Stadt, aber seit der Schlacht gegen Karl den Kühnen 1476 ist hier nicht viel los. Haben Sie deshalb die Leiche des ETH-Kernphysikers hier vergraben oder gibt es noch einen anderen Grund?

Lucens liegt im Broye-Vully Distrikt nahe Payerne und der Fluss, mit dessen Wasser das AKW gekühlt wurde, fliesst in den Murtensee und war sicher nach dem Unfall verstrahlt. Bis heute werden Strahlungen gemessen und nie wurden Erhebungen gemacht wurden, ob und wer an Tumoren daran starb. Murten ist allen auch wegen der Geschichte bekannt.

Sie waren Chemiker und Lehrer. War das Schreiben Ihres achten Krimis eine Beschäftigung im Ruhestand oder verfolgen Sie mit Ihren Büchern mehr als nur Unterhaltung?

Es ist der neunte Krimi und ich nehme in meinen Bücher Sachen auf, die nie ganz aufgeklärt wurden und ich fiktiv ergänzen muss, damit man es als Ganze verstehen kann. Reine Unterhaltung ist es nicht. Beim AKW Lucens Unfall wurde sicher viel unter den Tisch gekehrt und besonders der Grund, dass das AKW nur zum Vorwand als Energielieferant benutzt werden sollte, wiegt schwer.

Mit welchen Schwierigkeiten hatten Sie bei Lucens-Gau, der als Krimi ja Kernphysik, Politik und Polizeiarbeit verbindet, zu kämpfen?

Das war eine Herausforderung, auch die Recherche war nicht so leicht, den ich schreibe immer mit Bezug zur Wirklichkeit. Ich habe das Gebiet Kernphysik studiert und kann mich darin bewegen. Das Buch kann man auch als Seitenhieb gegen das Militär bezeichnen werden, obwohl ich mich nicht als Pazifist sehe, da ich auch Militärdienst gemacht habe. Das AKW Lucens steht auch für Geldverschwendung, ohne sich hinterfragen, was es bringt und wie die Gefahren für die Bevölkerung sind. Das AKW entstand aus Angst vor den Russen.

Sind Sie mit dem Vorgang zum Ausstieg aus den AKWs zufrieden oder sehen Sie schon wieder unlösbare Probleme mit Entsorgung der Reaktoren und dem Umstieg auf Solartechniken?

Würden wir in der Schweiz die Solartechnik konsequenter anwenden, hätten wir mehr Energie von der Sonne als von den AKWs. Die Solartechnik ist ungefährlich. Die Entsorgung der AKWs wie Mühleberg ist ein Problem, man weiss nicht wohin mit den Brennstäben usw. Auch beim AKW Lucens strahlt es ja weiter.
Sie sind in Zwieselberg aufgewachsen und wohnen mit ihrer Frau am Thunersee. Was macht ein Peter Beutler in seiner Freizeit neben dem Schreiben?

Ich wohne im Beatenberg, die längste Siedlung von Europa, wo ich noch bis Ende Jahr Gemeinderat bin. Bin politisch Sozialdemokrat und verantwortlich für Kultur, Wirtschaft und Tourismus. Als 76-jähriger koche ich gerne.
 
Weitere Informationen zu Peter Beutler hier 

 

Das Buch Lucens-Gau erschien im Emons Verlag 

Zürich – Kim Wilde laute Alienshow im Volkshaus

Auch mit 58 Jahren rockte Kim Wilde auf ihrer „Here comes the Alien“-Tour das Volkshaus Zürich.Trotz leidenschaftlichem Einsatz kam aber nur bei den 80ier Hits Stimmung auf. Lag es an der Band?

Als Kim Wilde vor 38 Jahren in ihrem Zimmer auf dem Bett im Süden Londons ihren Bruder Ricky bat, er solle ihr eine Nummer schreiben, ahnte sie nicht, dass die zweite Zugabe in Zürich und der erste Hit „Kids in America“ fortan ihre Arbeit, ihren Lebenssinn und die Weiterführung des Erbes ihres Vaters, der in den 60ier ein Sänger war, sein würde.
Die Popprinzessin, wie sie oft genannt wird, war in der ersten halben Stunde des Konzertes eher eine Rocklady. In Lederkluft gings mit zwei Drummer, drei Gitarristen, Synthie und Backgroundsängerin rockig und laut, ja so laut zur Sache, dass selbst eine Männergruppe in Ozzy Osborne T-Shirts einander zu brüllten: Mensch, die knallt einem ja was um die Ohren und gibt Gas“.
Das Set war mit wenigen Unterbrüchen atemlos und eben laut wie in einem Station, so dass Kims Stimme darunter litt. Erst mit „Cambodia“ nach einer halben Stunde warf das ausverkaufte Volkshauspublikum die Hände in Luft und tat dies erst eine Stunde später wieder. Dazwischen kamen unzählige drei Minuten Nummern aus den 14. Studioalben, die selbst Fans nicht mehr so genau kannten.
Zum Glücks gabs ein kurzes unplugged Set mit Bruder Ricky fürs Gefühl und zum Glücks gabs ab neun Uhr die Hits bei der 80ier 20 Minuten Party fürs Tanzbein, sonst wäre die Kim Wilde trotz immer noch guter Stimme langweilig gewesen über weite Strecken.
2009 habe sie bei den Gartenarbeiten – sie war, als die Hits ausblieben, vorallem im englischen Fernsehen als Gärtnerin mit eigener Show bekannt – ein grelles Licht gesehen, das am Himmel tanzte, erzählte sie und griff zur Laserpistole, um gegen die Aliens zu kämpfen. Mit dem Titelsong des aktuellen Album und einer flotten „Popmusic“ Nummer verabschiedete sich das Sexsymbol aller Buben in den 80ier und kam für zwei Zugaben zurück, da waren ein Viertel schon gegangen, der Rest war aber zufrieden mit der Kim, die immer noch auf wild machte.