Murten – Ein Stadtbummel mit Schriftsteller Peter Beutler und seinem Krimi Lucens-Gau

Im Januar vor fünfzig Jahren explodierte gegen 17 Uhr der Versuchsatomreaktor in Lucens. Im Kriminalroman von Peter Beutler „Lucens-Gau“ verschwindet der Kernphysiker, der nun in Murten als Leiche ausgegraben wird. Staatsanwalt Stulz untersucht den Unfall im AKW und findet Unfassbares heraus.

AKWs werden abgeschafft, hat die Politik beschlossen. Warum kommen Sie in Ihrem neuen Roman auf den Unfall im AKW Lucens vom 21.1.69 zu sprechen?

Lucens war das erste Kernkraftwerk der Schweiz, das aber aus rein militärischen Gründen gebaut wurde, was natürlich nicht gesagt wurde und es dann zu einer Kernschmelze kam als allererstes Land der Welt lange bevor Tschernobyl. Gebaut wurde das AKW zur Gewinnung von Plutonium, der Brennstoff der Atombombe. Die Schweiz wollte diese bauen und scheiterte.

Murten, wo wir unsere Fotos machen, ist zwar eine schöne historische Stadt, aber seit der Schlacht gegen Karl den Kühnen 1476 ist hier nicht viel los. Haben Sie deshalb die Leiche des ETH-Kernphysikers hier vergraben oder gibt es noch einen anderen Grund?

Lucens liegt im Broye-Vully Distrikt nahe Payerne und der Fluss, mit dessen Wasser das AKW gekühlt wurde, fliesst in den Murtensee und war sicher nach dem Unfall verstrahlt. Bis heute werden Strahlungen gemessen und nie wurden Erhebungen gemacht wurden, ob und wer an Tumoren daran starb. Murten ist allen auch wegen der Geschichte bekannt.

Sie waren Chemiker und Lehrer. War das Schreiben Ihres achten Krimis eine Beschäftigung im Ruhestand oder verfolgen Sie mit Ihren Büchern mehr als nur Unterhaltung?

Es ist der neunte Krimi und ich nehme in meinen Bücher Sachen auf, die nie ganz aufgeklärt wurden und ich fiktiv ergänzen muss, damit man es als Ganze verstehen kann. Reine Unterhaltung ist es nicht. Beim AKW Lucens Unfall wurde sicher viel unter den Tisch gekehrt und besonders der Grund, dass das AKW nur zum Vorwand als Energielieferant benutzt werden sollte, wiegt schwer.

Mit welchen Schwierigkeiten hatten Sie bei Lucens-Gau, der als Krimi ja Kernphysik, Politik und Polizeiarbeit verbindet, zu kämpfen?

Das war eine Herausforderung, auch die Recherche war nicht so leicht, den ich schreibe immer mit Bezug zur Wirklichkeit. Ich habe das Gebiet Kernphysik studiert und kann mich darin bewegen. Das Buch kann man auch als Seitenhieb gegen das Militär bezeichnen werden, obwohl ich mich nicht als Pazifist sehe, da ich auch Militärdienst gemacht habe. Das AKW Lucens steht auch für Geldverschwendung, ohne sich hinterfragen, was es bringt und wie die Gefahren für die Bevölkerung sind. Das AKW entstand aus Angst vor den Russen.

Sind Sie mit dem Vorgang zum Ausstieg aus den AKWs zufrieden oder sehen Sie schon wieder unlösbare Probleme mit Entsorgung der Reaktoren und dem Umstieg auf Solartechniken?

Würden wir in der Schweiz die Solartechnik konsequenter anwenden, hätten wir mehr Energie von der Sonne als von den AKWs. Die Solartechnik ist ungefährlich. Die Entsorgung der AKWs wie Mühleberg ist ein Problem, man weiss nicht wohin mit den Brennstäben usw. Auch beim AKW Lucens strahlt es ja weiter.
Sie sind in Zwieselberg aufgewachsen und wohnen mit ihrer Frau am Thunersee. Was macht ein Peter Beutler in seiner Freizeit neben dem Schreiben?

Ich wohne im Beatenberg, die längste Siedlung von Europa, wo ich noch bis Ende Jahr Gemeinderat bin. Bin politisch Sozialdemokrat und verantwortlich für Kultur, Wirtschaft und Tourismus. Als 76-jähriger koche ich gerne.
 
Weitere Informationen zu Peter Beutler hier 

 

Das Buch Lucens-Gau erschien im Emons Verlag 

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