Bern – Emil Nolde im Paul Klee Museum

 

In der dunklen Winterzeit fürchten sich manche Menschen vor den fantastischen Wesen, mythischen Gestalten und grotesk dämonischen Figuren, die scheinbar hinter jeder Ecke lauern und nichts anderes sind als eine andere Form vom Selbst. Eigenbrötler Emil Nolde hat sie zu Papier gebracht und das Paul Klee Museum zeigt sie bis zum 3. März 2019.

Paul Klee und Emil Nolde waren Freunde, obwohl der Deutsche ein Hitlerverehrer war und sehr erdhaft malte im Gegensatz zu Klee. Die 150 Werke der Ausstellung bis zum 3. März im Klee Museum sind das Resultat einer Suche Noldes nach einer neuen Bildsprache zu Beginn des 20. Jahrhunderts und einer Sicht auf den Menschen und die Welt, die den einen oder anderen verunsichert.
Beim ersten Gang durch die Ausstellung könnte man meinen Emil Nolde habe zuviele Fantasyromane gelesen, den das Groteske, Fantastische und Exotische ist allgegenwärtig. Reduziert auf wenige konkrete Details bewegen sich Figuren, die weder ganz Mensch noch Gestalten der Unterwelt sind. Farbenfroh und stets in Bewegung haben sie durch den Verfremdungseffekt etwas von Fabelwesen und Uebernatürlichem.
Als Emil Nolde in St. Galten als Zeichnungslehrer tätig war, ging er in den Appenzeller Bergen wandern. Doch einer wie Nolde sieht nicht kantige, spitzige Gesteinsmassen, er sieht „Bergriesen“, so der Titel eines Oelgemäldes. Sein Bezug zu einem konkreten Gegenstand oder Menschen hat auch was, was Kleinkinder sehen, der Blick in die Parallelwelt, die Erwachsenen mit Vernunft oft verwehrt bleibt.
Zwar ist Emil Nolde kein guter Zeichner, aber die grossen, maskenhaften, wie afrikanischen Stammesfiguren ähnlichen Sujets können beim Gang durch die Ausstellung auch dazu anregen, die Sphären des Bekannten zu verlassen und das Unbekannte als Emil Noldes Experiment mit der Andersartigkeit anzusehen.

Weiterer Informationen zur Ausstellung hier

Bildlegenden
1
Emil Nolde «Teufel und Gelehrter», 1919 Öl auf Leinwand, 100,5 x 73,5 cm Nolde Stiftung Seebüll  © Nolde Stiftung Seebüll Foto: Fotowerkstatt Elke Walford und Dirk Dunkelberg
2
Emil Nolde «Selbstbildnis», 1917 Öl auf Sperrholz, 83 x 65 cm Nolde Stiftung Seebüll  © Nolde Stiftung Seebüll Foto: Fotowerkstatt Elke Walford und Dirk Dunkelberg
3
Emil Nolde «Exotische Figuren I (Fetische)», 1911 Öl auf Leinwand, 64,5 x 78 cm Privatbesitz  © Nolde Stiftung Seebüll Foto: Antje Zeis-Loi, Medienzentrum Wuppertal
4
Emil Nolde «Bergriesen», 1895 – 1896 Öl auf Leinwand, 93,5 x 151,5 cm Nolde Stiftung Seebüll © Nolde Stiftung Seebüll Foto: Fotowerkstatt Elke Walford und Dirk Dunkelberg
5
Emil Nolde «Mann, Frau und Katze», 1912 Öl auf Leinwand, 67 x 53 cm Nolde Stiftung Seebüll  © Nolde Stiftung Seebüll Foto: Fotowerkstatt Elke Walford und Dirk Dunkelberg

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