Bern – Miriam Cahn – Ich als Mensch – Nacktes, Verstörendes, Eigenes im Kunstmuseum Bern

Was muss eine Künstlerin mitbringen, um schon zu Lebzeiten als wichtigste Vertreterin ihrer Generation, ja des Landes zu gelten? Bis zum 16.6. zeigt das Kunstmuseum Bern mit „Miriam Cahn – Ich als Mensch“ die Antwort.

Die männlichen Gymnasiasten kichern, einige machen Fotos als sie die Räume des Erdgeschosses betreten und männliche und weibliche Geschlechtsteile, den Akt, eine Muslima nackt zu sehen gibt.
Zwei Jahre nach ihrer Teilnahme an der documenta 14 in Athen stellt die 1949 in Basel geborene Miriam Cahn in Bern ihren Weg und ihre Sicht in Oelpastell mit sondernbaren Titel, stets kleingeschrieben, die da lauten: scharfer hund, tier laut, meine wiege, tauertuch, popstar -freddy mercury gestern im tv gesehen usw. aus. Die Titel sind Programm und die Kunst sperrig, an die eigene Persönlichkeit und Familie angelehnt. Miriam Cahn hat ein politisch geprägtes Bewusstsein und reflektiert wie für eine Frau üblich viel. Die nicht umrahmten Bilder, stets auf Augenhöhe des Betrachters sind besonders bei den Menschenbildern sexualisiert. Der erregte Penis, ein Blowjob oder nur einzelne Teile des Körpers oder Gesichts ausgearbeitet, jedes Bild hat etwas Provokatives und Betörendes.

Der Ausstellungstitel „Ich als Mensch“ ist einerseits eine feministische Kampfansage anderseits kreist er um die Frage, was den Menschen heute ausmacht. Die Baslerin beschäftigt sich mit Krieg, dem Geschlechterverhältnis, Liebe, Schönheit und der Natur. Sichtbar macht sie es in einem einzigartigen Stil, den man gesehen haben muss und der sich nur schlecht beschreiben lässt.

Die Ausstellung ist nicht für Kinder geeignet.

 

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Bildlegenden.

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Miriam Cahn lachen, 27.03.2003+12.11.+03.12.2017, 2017 Öl, Kreide und Pastell auf Holz, 48 x 24 cm Fotograf: Stefan Jeske Copyright: Miriam Cahn Courtesy the artist and Meyer Riegger, Berlin/Karlsruhe

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Miriam Cahn Portrait Copyright: Courtesy the artist

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Miriam Cahn o.t., 18.04.2017, 2017 Aquarell auf Papier, 27,5 x 25,5 cm Fotograf: Stefan Jeske Copyright: Miriam Cahn

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Miriam Cahn o.t., 14.12.2017, 2017 Aquarell auf Papier, 34 x 44 cm Fotograf: Stefan Jeske Copyright: Miriam Cahn Courtesy the artist and Meyer Riegger, Berlin/Karlsruhe

Parpan – Thomas Zwahlen und warum er mit seiner Familie im Himalaya lebte

Der Himalaya erstreckt sich 3000 km von Pakistan bis Myanmar in Burma und zehn der vierzehn Berge sind mehr als 8000 Meter hoch. Für den Bündner Thomas Zwahlen kein Hindernis seit zwanzig Jahren dieses Hochgebirge zu besuchen und dort zu leben. Ueber seine Erlebnisse erzählt er vom 24.2. bis 17.3. auf der Explora-Vortragsreihe durch die Deutschschweiz und vorher in diesem Interview.

Vor rund zwanzig Jahren reisten Sie das erste Mal in den Himalaya. Können Sie sich noch an ersten Schritte im Himalaya als Bündner aus Parpan bei Churwalden erinnern und was war Ihre Motivation in dieses Riesenhochgebirge zu gehen?
Da kann ich mich noch sehr gut erinnern. Wir sind direkt aus dem Winter in Graubünden nach Delhi gereist, welches zu dieser Zeit eine Temperatur von 48 Grad hatte….und für uns ein rechter Klimaschock war. Eine sehr abenteuerliche Busfahrt, welche viele Tage dauerte, brachte uns über hohe Strassenpässe nach Ladakh. Unterwegs sind wir auf einem der Pässe ausgestiegen und in ein kleines Dorf gewandert, welches auf fast 4000 Meter Höhe liegt. Wir haben uns dabei gefühlt wie in einer Szene aus «Sieben Jahre in Tibet» von Heinrich Harrer. Ein tausendjähriges Kloster, welches über dem kleinen Dorf mit den weissgetünchten Lehmhäusern thront, Ziegen und Yaks in den engen Gassen, spielende Kinder auf den Feldern und die erwachsenen Einwohner, welche uns mit einem freundlichen Dschullee (ladakhischer Gruss) empfingen und uns zum Buttertee einluden. Es sind die liebenswerten Bewohner und die grosse Gastfreundschaft, welche mir am besten in Erinnerungen sind und dies zieht mich auch jedes Jahr zurück in den Himalaya. Auslöser für die Reise war übrigens das erwähnte Buch «Sieben Jahre in Tibet», welches meine liebste Lektüre war und ich war seit jeher am liebsten in den Bergen und an den Felswänden unterwegs….so war eine Reise in den Himalaya naheliegend.
Geht Ihr Vortrag mit Explora auch auf die politischen und sozialen Veränderungen innerhalb der Jahrzehnte ein oder zeigen Sie nur schöne Naturaufnahmen?
Der Vortrag soll ein Querschnitt durch meine insgesamt über sieben Jahre Aufenthalt im Himalaya sein. Neben meinen eindrücklichsten persönlichen Erlebnissen möchte ich einen umfassenden Überblick über die verschiedenen Länder im Himalaya sowie deren Kultur, Religion und Geschichte geben. Es wird nicht nur schöne Bilder haben, sondern auch unschöne Ereignisse wie die grossen Überschwemmungen und Zerstörungen in Ladakh im Jahr 2010 finden Platz im Vortrag. Die sozialen Veränderungen zeige ich anhand vom Leben der Nomaden. In den letzten 20 Jahren habe ich viele Monate und Jahre bei verschiedenen Nomadengruppen im Himalaya verbracht und gerade bei den Nomaden waren die Veränderungen am grössten. Obwohl es kein politischer Vortrag sein soll, gehe ich natürlich auf die immer noch schwierige politische Situation in Tibet ein.
Im Gegensatz zu früher reisten und lebten Sie in jüngster Vergangenheit auch mit Ihrer Frau und den Kindern im Himalaya. Ging das problemlos vor sich (auch bei Krankheit)  oder ist da immer ein Spitzel in der Nähe?

Vor unserer ersten Reise mit den Kindern in den Himalaya, haben wir allfällige gesundheitliche und höhenmedizinische Fragen mit Spezialisten gründlich abgeklärt. Die Reisen mit den Kindern gehen wir mit viel mehr «Sicherheitsmarge» an. Das heisst, wir rechnen mit viel mehr Zeit zu Beginn der Reise für die Höhenakklimatisation ein, haben eine umfangreiche Apotheke und auch sonstige Sicherheitsausrüstung mit dabei.  Jede Reise mit den Kindern gehen wir zudem mit dem Gedanken an, diese jederzeit abbrechen zu können, sollte sich jemand von uns nicht genügend an die Höhe akklimatisieren können, krank werden oder einen Unfall haben. In der Vergangenheit hatten wir keine Probleme bei unseren Familienreisen, auch keine gesundheitlichen, ausgenommen von Husten oder kleinen Wehwehchen, wie dies auch zuhause vorkommt. Im Gegenteil, die Reisen waren für uns und die Kinder immer sehr bereichernd und im «kinderliebenden» Asien hat uns unser Nachwuchs immer wieder Türen geöffnet, welche sonst für Auswärtige oftmals geschlossen bleiben. Die meisten Regionen im Himalaya sind frei zu bereisen und ohne Bespitzelung oder ähnlichem. Eine Ausnahme ist die Autonome Region Tibet, wo wir zwar nicht aktiv bespitzelt wurden, aber die Reisefreiheit doch stark eingeschränkt ist.
 
Als Schweizer leben Sie einen gewissen Luxus, in Asien wohl nicht oder verdrängt dort das Internet, TV, Handy auch schon die Tradition und die Jungen kleiden sich westlich?
 
Im Himalaya leben wir oftmals unter sehr einfachen Umständen, gerade wenn wir für ein paar Wochen oder Monate mit Nomaden unterwegs sind. Wir haben uns daran gewöhnt, uns während dieser Zeit hauptsächlich von Tsampa und Buttertee zu ernähren und auch hygienisch haben wir keine hohen Ansprüche. Flöhe und Wanzen hatten wir immer wieder mal, das ist aber auch nicht so schlimm, wie es sich anhören mag. Die Veränderungen im Himalaya kommen mit Riesenschritten. Ein Smartphone hat mittlerweile praktisch jeder Himalayabewohner und der rasch voranschreitende Strassenbau bringt grosse Veränderungen in die ehemals entlegenen Regionen. Vielen Junge interessieren sich nicht mehr allzu sehr für die alten Traditionen, sondern kleiden sich westlich und träumen vom neusten Smartphonemodell. Die Entwicklung ist sehr ähnlich zu jener bei uns, nur findet sie im Himalaya im Eilzugstempo statt.
Was haben Sie von den Leuten im Himalaya als Mann für sich gelernt und was geht Ihnen am meisten auf den Wecker, wenn Sie am Flughafen Zürich wieder landen und die gestressten Schweizer sehen?
 
Auch wenn es abgedroschen klingen mag, aber ich habe vor allem gelernt, dass es zum Zufriedensein keine materiellen Güter braucht. Dazu schwöre ich mir bei jeder Reise, mir eine Scheibe abzuschneiden von der immens grossen Gastfreundschaft, welche ich im Himalaya immer wieder erfahren darf. Die (materiell) ärmsten Leute teilen überaus grosszügig das Wenige, welches sie haben. Ebenso bewundere ich die Gelassenheit, mit welcher die Einheimischen den teils grossen Schicksalsschlägen begegnen und probiere, einen Teil dieser Gelassenheit mit in die Schweiz zu nehmen. Das sind da auch die Dinge, welche mir in der Schweiz in Zürich am Flughafen als erstes auffallen. Die Katastrophe, wenn der Zug 5 Minuten Verspätung hat, die Fülle an Luxusgütern in den Schaufensterauslagen und das allgemeine, oftmals rücksichtslose Gehetze überall.
Bis zum 17.3 sind Sie noch auf Vortragstournee und was macht der Thomas Zwahlen dann das ganze Jahr?

Der Himalaya ist für mich von einer Leidenschaft zum Beruf geworden und ich beschäftige mich den Grossteil des Jahres damit. Während den letzten Monate habe ich an meinem ersten Bildband über den Himalaya gearbeitet, welcher soeben erschienen ist. Dazu habe ich mir vor über 10 Jahren selbstständig gemacht und organisiere mit meinem Unternehmen Trekking-, Wander- und Kulturreisen in den Himalaya. Dadurch bin ich selber auch pro Jahr 2-3 Mal im Himalaya. In der Schweiz wohne ich mit meiner Familie und den 3 Kindern in Parpan in den Bündner Bergen. Zu Fuss, mit dem Mountainbike oder mit den Skiern sind wir viel in den Bergen in der Umgebung anzutreffen.
Weitere Informationen zum Explora Vortrag und Kartenverkauf hier

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Bern – Timo Platte – Homosexuelle Christen sollen nicht mehr schweigen

Die LGBT Bewegung hat wie keine andere über die letzten Jahrzehnte Erfolge in der gesellschaftlichen Anerkennung errungen. Doch queere Christen haben immer noch Mühe ihre Persönlichkeit ohne Angst auf Ablehnung auszuleben. Am 10.3. liest Timo Platte in Bern aus seinem Buch „Nicht mehr schweigen“ über Menschen, die sexuell anderes empfinden und trotzdem aufrecht gehen wollen in einem schwierigen Umfeld.

Bevor wir auf das Buch zu sprechen kommen, verraten Sie doch Ihren Schweizer und Berner Zuhörer und Leser wer Sie sind und was Sie so im Leben machen?

Ich komme aus Deutschland und bin Baujahr ’72. Nach meinem Zivildienst habe ich mich viele Jahre in der Straffälligenhilfe engagiert und arbeite seit 2006 als Grafikdesigner in der Nähe von Köln. Als Herausgeber und Mitautor des Buches „Nicht mehr schweigen“ möchte ich Menschen herausfordern, sich ergebnisoffen mit Homosexualität und Transidentität auseinanderzusetzen.
 
 Brachte Sie jemandes Geschichte dazu, das Buch “Nicht mehr schweigen” zu schreiben oder hatten Sie negative Erfahrungen gemacht?

Mein persönliches Coming-out erlebte ich 2012. Dass ich so lange mit dem Thema gerungen habe, liegt einerseits an meiner christlichen Prägung aber auch daran, dass ich niemanden in meinem sehr konservativen Umfeld kannte, der so empfand wie ich und mit dem ich offen über meine Gefühle hätte sprechen können. Dass ich nicht der einzige bin und dass es Menschen gibt, die ihre sexuelle Orientierung für sich angenommen haben und trotzdem ihren christlichen Glauben nicht an den Nagel gehängt haben, habe ich lange nicht für möglich gehalten. Diese persönlichen Begegnungen haben mich sehr ermutigt. Mit meinem Buch möchte ich dem oft sehr theoretischen Thema ein Gesicht geben und die Lebensberichte anderen Menschen zugänglich zu machen.
 
 Im Buch erzählen 25 Menschen aus dem christlichen Umfeld aus Deutschland und der Schweiz Ihre Erfahrungen. Wie kamen Sie an die ran?

Durch die Initiative Zwischenraum e.V., in der ich mich seit einigen Jahren engagiere, habe ich Menschen kennengelernt, die bereit waren, ihre Lebenserfahrungen zu Papier zu bringen. Dazu kam eine Dokumentation der Schweizer Autorin Damaris Kofmehl, die mich durch ihr Engagement für LGBT-Menschen ermutigte, dieses Buch-Projekt in Angriff zu nehmen. Zwischenraum e.V. bietet Menschen, die die Erfahrung der uneingeschränkten Liebe Gottes suchen – gleich welcher sexueller Orientierung oder geschlechtlichen Identität – einen Schutzraum und Freiraum. Einen Raum von größtmöglicher Diskretion, frei von Einschüchterung, Bedrohung, Manipulation, moralischen Forderungen oder gar spirituellem Missbrauch.
Gibt es Unterschiede zwischen Schweizer und Deutschen Christen und ihren Erfahrungen im Umfeld?

Die Lebensberichte der Autorinnen und Autoren sind sehr individuell. Jedoch wiederholen sich leidvolle Erfahrungen wie Ablehnung, Ausgrenzung und Diskriminierung, die Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung machen, immer wieder – auch im Jahr 2019. Das ist nicht länderspezifisch, sondern liegt eher im gesellschaftlichen und religiösen Kontext begründet.
Nachdem die Geschichten der Menschen veröffentlicht wurden, welche Reaktionen hatten die und welche gab es von Seiten der Leser?

Das Buch ist erst seit Januar 2019 im Buchhandel erhältlich. Doch schon die Entstehung des Buches ist erstaunlich: Das sehr erfolgreiche Crowdfunding, durch das das Buch in kürzester Zeit finanziert und verwirklicht werden konnte, spricht für sich – und dafür, dass das Anliegen des Buches einen Nerv bei den Menschen trifft. Es ist nicht in erster Linie ein theologisches Buch, sondern beschreibt sehr eindrücklich, was Theologie mit Menschen macht. Viele LeserInnen schreiben mir, dass ihnen das Buch hilft, einen anderen Zugang zu dem „Thema“ zu bekommen. Sehr persönliche Rückmeldungen kommen auch von Menschen, die sich in den Geschichten selbst wiederfinden und dadurch Mut schöpfen, weil sie merken: sie sind nicht allein.
Gestalten Sie Ihre Lesung in Bern klassisch oder hat der Timo Platte noch was Spezielles vorbereitet?
 
Gern komme ich im Anschluss an die eigentliche Lesung mit den BesucherInnen ins Gespräch und hoffe auf einen wertschätzenden, offenen Diskurs. Eingeladen sie alle, die mit homosexuellen und transidenten Menschen zu tun haben. Alle, die in Kirchen und Gemeinden Verantwortung für Menschen übernehmen. Alle, die sexuell anders empfinden als die Mehrheit. Alle, die aufrichtig mit der Thematik ringen. Und alle, die ihre queren Mitmenschen darin unterstützen wollen, zu sich zu stehen.
Die Lesung findet am 10.3.19 14.00 Uhr
 bei der EMK Bern
Evangelisch-methodistische Kirche Bern 
Nägeligasse 4 statt. Eintritt frei.
 
 
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Zürich – Walliser Trumpf bei Art on Ice 2019

 

Unter dem Motto „Time to Time – eine Reise zurück in die Zukunft “ vereint auch die diesjährige Produktion Musiker und Eiskunstläufer, die ihren Höhepunkt hinter sich haben, aber dank der gegenseitigen Hilfe und Vermischung auf dem Eis das Publikum des ausverkauften Hallenstation begeistern konnten. Mit Standing ovation für Stéphane Lambiel und Stefanie Heizmann waren die Walliser die Lieblinge des Abends. Konnte da James Blunt aus Verbier mithalten?

Zu Beginn der Show läuft alles nach Plan. Die Art on Ice Skaters und Dancers tanzen zu einem Pink Floyd Medly und die Hauptfigur der Show Bühnenchef Ashley ist zufrieden, doch schon Minuten später gibt es eine Panne und eine Stimme sagt ihm, dass die Show in eine andere Zeit und Dimension katapultiert worden sei. Nun ist der Phantasie keine Grenzen gesetzt und Riesenvelos mit Motoren sausen auf dem Eis während Chan, der Kanadier und Bislin, der Schweizer als Duo Momento mit Violine und Elektrosound Hits von Imagine Dragons und Justin Bieber neu interpretieren und Läufer Misha Ge mit Witz und Fantasie seine Kurven fährt.
Sexy High heels und durchsichtiger Dress statt Jeans, Stefanie Heizmann überrascht visuell und liefert dann mit der besten Stimme der Schweiz auch zehn Jahre nach ihrem Sieg in Stefan Raabs Castingshow ein druckvolles Set ab, das sehr laut die neuste Zusammenarbeit mit einem deutschen DJ ( Build a House) und mit Hits aus der Vergangenheit „My man is a mean Man in neuem Arrangement und natürlich mit „Digging in the Dirt“ die Halle zum Tanzen brachte. Dazwischen ein paar Walliserdeutsche Worte und einen Seitenhieb an Bühnenchef Ashley (i cha jetzt nicht dir zu lose, jetzt chunt a Walliser“) als der Olympiasieger und zweifacher Weltmeister aus Saxon Stéphane Lambiel kam.
Wenn eine Frau mit Band derart strahlt, gehen zweifelslos die Eiskunftläufer etwas verloren. Auch nervte im ersten Teil der Show das Hin und Her der Offstimme und derjenigen Ashleys.
Die Eiskunstläufer kamen mehrheitlich aus Russland, einige aus Kanada und James Blunt hatte nach der Pause einen Spicker unter dem Mikrofon, damit er ihre Namen aussprechen konnte.
Neun Monate nach seinem abendfüllenden Konzert im Hallenstation setzte sich der Brite, der ein Haus und ein Restaurant in Verbier hat, also quasi ein Halbwalliser ist, ans Klavier und es folgten zehn seiner grössten Hits. Zuerst gingen noch die Handylichter als Feuerzeugersatz an, doch bald war James Blunt mit seiner Band nur noch die musikalische Untermalung der Eiskunstläufer, die im zweiten Teil der Show deutlich mehr Raum einnahmen und Stéphane Lambiel Standing ovation bei „Goodbye my lover“ bescherte. James Blunt sang zwar mit grosser Stimme, aber ging halt nicht so auf das Publikum ein wie die Heizmann und deshalb war sein Auftritt blasser.
Art on Ice findet in Zürich, Davos Basel, Lausanne statt. 
 
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St. Gallen – Christoph Tänzer und seine Liebe zu den Tieren Afrikas

 

In der Hitze und Wildnis Afrikas harrt Christoph Tänzer stundenlang aus, um Löwen, Elefanten, Geparde und andere Raubtiere nahe an sich heranzulassen, bevor er mit seiner Kamera das Bild schiessen kann, das eine Geschichte erzählt. Ein Interview über den Mann aus St. Gallen, der den Nervenkitzel für die Fotokunst suchte und viel über sich dabei herausfand.

Bis 2017 waren Sie IT Mitarbeiter in St. Gallen. Kam die Lust am Fotografieren von wilden Tieren mit der Liebe zu Ihrer Frau und den Besuchen in Ihrer Heimat Sambia oder waren Sie als Deutscher schon vorher Afrika-Fan?
 
Die Faszination für den Kontinent Afrika und dessen Tierwelt besteht bereits seit meiner Kindheit. Mich haben damals die deutschen Tierfilmer Bernhard Grzimek und Heinz Sielmann mit ihren Sendungen sehr beeinflusst. Meine Frau habe ich in Europa, nach meinen ersten Reisen nach Afrika kennengelernt.
Können Sie sich noch an die Gefühle und Ängste für den neuen Lebensabschnitt in den letzten Minuten in Ihrem Beruf erinnern, als sie zur Tür hinausgingen und wie ging es dann weiter?
 
Ja, daran kann ich mich noch sehr genau erinnern. Es war ein gutes Gefühl. Natürlich gab es aber auch einige Momente, in denen ich überlegt habe, ob die Entscheidung richtig war. Ich bin schliesslich ein Risiko eingegangen. Aber ich wusste, es ist nun Zeit meiner Passion nachzugehen. Ich habe mich gleich weiter in meine Arbeit gestürzt. Zum einen habe ich angefangen meine erste Ausstellung «Jäger –Momentaufnahmen afrikanischer Raubkatzen» zu planen, konzipieren und zu organisieren, zum anderen habe ich mein Gesamtkonzept weiterentwickelt.
 
Zusammen mit Ihrem Freund Lucky waren Sie wochenlang in der Wildnis unterwegs für das richtige Bild der Raubkatzen. Wie haben Sie die Veränderungen an sich vom Manager in der Zivilisation zum Fotograf unter Extremen wahrgenommen?
 
Ich bin immer jemand gewesen, der seine Komfortzone verlässt und Herausforderungen sucht. Afrika und seine Wildnis haben mich aber sehr verändert. Ich habe immer mehr hinterfragt was und warum ich das tue, was ich mache und wie es für mich weitergehen soll. Vor allem aber habe ich es positiv wahrgenommen, denn die Wunder dieses grossartigen Kontinents zu sehen, aber auch die Kulturen kennenzulernen und mich plötzlich mit extremen Situationen konfrontiert zu sehen, die teilweise Lebensbedrohlich sind, hat mich sehr geerdet und gelassener gemacht. Und ich schätze die kleinen Dinge um so mehr.
Sie sagen, ein Bild von einem wilden Tier erzähle eine Geschichte. Fotografien Sie, weil Sie ein Mann sind, der lieber ohne Worte spricht?
 
Nein, natürlich erzähle ich auch gerne von meinen Fine Art Fotografien und meinen Erlebnissen. Mit der Fotografie kann ich aber die Klarheit und Erhabenheit dieser Tiere wiedergeben, und auch gleichzeitig meine Faszination für sie in einem Moment festhalten.
Es gibt so viele kleine Details, die während der wochenlangen Beobachtungen oder auch während den Situationen der Aufnahmen hervortreten, die mit Worten, glaube ich, niemals so viel Kraft haben wie in meinen Fotografien.
 
Warum machen Sie keine Bücher, verkaufen nur Serien und Einzelstücke?
 
Der Plan ein Buch zu veröffentlichen existiert natürlich, aber ich gehe gerne Schritt für Schritt voran. Ich nehme mir gerne Zeit für die Konzepte, wenn ich die Möglichkeit dazu habe.
Ihr neustes Projekt sind ja die Raubkatzenfotos. Wann und Wo kann man die anschauen gehen?
 
Wir sind gerade dabei Ideen für eine weitere Ausstellung zusammenzutragen und zu entwickeln. Aber auch hier möchte ich nicht einfach irgendetwas machen, die nächste Ausstellung soll in einem passenden Rahmen und in einer passenden Umgebung stattfinden. Im Moment steht ausserdem noch die Frage im Raum, ob wir wieder in der Schweiz ausstellen oder international. Das braucht ein wenig Zeit.
 
Weitere Informationen zu der Fine Art Fotografie 
von Christoph Tänzer hier 

Riehen – Blaue und rosa Periode Picassos in der Fondation Beyeler

Bis zum 26. Mai ist die ganze Fondation Beyeler in Riehen dem Jahrhundertgenie Pablo Picasso und seiner sechs Jahre dauernden blauen und rosa Periode gewidmet, mit der er mit 25. Jahren zur Spitze der Avantgarde Europas aufstieg.

Vier Jahre Vorbereitung, vier Milliarden Versicherungsumme und sieben Millionen Ausstellungskosten – die zwei schwarzen Augen des Jungen aus Malaga und was sie sahen, ist auch über vierzig Jahre nach seinem Tod ein Garant für eine Ausstellung, von der auch sein Sohn David Picasso, der an der Pressekonferenz anwesend war, überzeugt ist, dass sie den Höhepunkt des Kulturfrühlings sein wird und Museumsdirektor Sam Keller und den Kurator Raphael Bouvier angesichts der hohen Summen schlecht schlafen lässt.
Die blaue Phase beginnt mit dem Selbstmord des Freundes Carles Casagemas. In Malaga waren die Beiden Ende des 19. Jahrhundert am Anfang ihrer Künstlerlaufbahnen. Pablo hielt sich damals noch mit Frauengeschichten zurück, reiste nach Madrid und Paris während sich sein Freund unglücklich verliebte und daran zerbrach. Die Farbe Blau als Ausdruck einer schwermütigen wie spirituellen Atmosphäre war bis 1904 in seinen Bildern, die oft Bettler, Behinderte, Huren und Gefangene zeigten vorherrschend. Aber auch Tod und Schicksale malte Pablo als Reaktion und Verarbeitung auf den Tod seines Freundes.
Nachdem Umzug nach Paris ins Atelierhaus Beteau-Lavoir 1904 lernt Pablo die Frau und spätere Muse Fernande Olivier kennen und das Blau wechselt zu Rosa oder Ocker, aber die schwermütige Grundstimmung bleibt. Gaukler, Artisten und Akrobaten, Pablo ging bis dreimal pro Woche in den Zirkus, finden Einzug in seine Motive als Symbol für das antibürgerliche Leben. Nachdem er zu Geld mit einer Ausstellung gekommen ist, geht er ins katalanische Bergdorf Gosol für einige Zeit. Es ist nicht nur der Beginn seiner Liebe zu der Provinz Katalonien und Barcelona sondern auch der Beginn vom Malen von Menschen in idyllischen, ursprünglichen Szenen und der Beschäftigung erster figürlicher Reduktion und Einfachheit, welches spätestens ab 1907 unter dem Einfluss afrikanischer und ozeanischer Kunst in den Kubismus sich verändert und den Grundstein legt für Pablo Picasso, das Jahrhundertgenie. Oder wie der Spanier es sagte: Ich wollte Maler sein und bin Picasso geworden.“
Neben den über 110 Werken der blauen und rosa Periode sind im Picasso Panorama auch noch 40 Werke vom Frühkubismus bis zum Spätwerk zu sehen. Im Untergeschoss wurde das Cafe Parisien eingerichtet, wo der Besucher essen, trinken kann und jeweils mittwochs verwandelt sich das Cafe in ein Varietétheater mit Darbietungen.
Weitere Informationen zur Ausstellung hier 
Bildlegenden:
1

PABLO PICASSO, FAMILLE DE SALTIMBANQUES AVEC UN SINGE, 1905

Gouache, Aquarell und Tusche auf Karton, 104 x 75 cm
Göteborg Konstmuseum, Ankauf, 1922
© Succession Picasso / 2018, ProLitteris, Zürich
Foto: © Göteborg Konstmuseum
2

PABLO PICASSO, ANONYM

Pablo Picasso auf der Place Ravignan, Montmartre, Paris, 1904
Silbergelatineabzug auf Papier, 12 x 8,9 cm
Musée national Picasso-Paris
3

PABLO PICASSO, LA VIE, 1903

Öl auf Leinwand, 197 x 127,3 cm
The Cleveland Museum of Art, Schenkung Hanna Fund
© Succession Picasso / 2018, ProLitteris, Zürich
Foto: © The Cleveland Museum of Art
4

PABLO PICASSO, ARLEQUIN ASSIS SUR FOND ROUGE, 1905

Aquarell und Tusche auf Karton, 57,5 x 41.2 cm
Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie, Museum Berggruen
© Succession Picasso / 2018 ProLitteris, Zürich 2018
Foto: bpk / Nationalgalerie, SMB, Museum Berggruen / Jens Ziehe
5

PABLO PICASSO, ACROBATE ET JEUNE ARLEQUIN, 1905

Gouache auf Karton, 105 x 76 cm
Privatsammlung
© Succession Picasso / 2018, ProLitteris, Zürich
6

PABLO PICASSO, YO PICASSO, 1901

Öl auf Leinwand, 73,5 x 60 cm
Privatsammlung
© Succession Picasso / 2018, ProLitteris, Zürich