Parpan – Thomas Zwahlen und warum er mit seiner Familie im Himalaya lebte

Der Himalaya erstreckt sich 3000 km von Pakistan bis Myanmar in Burma und zehn der vierzehn Berge sind mehr als 8000 Meter hoch. Für den Bündner Thomas Zwahlen kein Hindernis seit zwanzig Jahren dieses Hochgebirge zu besuchen und dort zu leben. Ueber seine Erlebnisse erzählt er vom 24.2. bis 17.3. auf der Explora-Vortragsreihe durch die Deutschschweiz und vorher in diesem Interview.

Vor rund zwanzig Jahren reisten Sie das erste Mal in den Himalaya. Können Sie sich noch an ersten Schritte im Himalaya als Bündner aus Parpan bei Churwalden erinnern und was war Ihre Motivation in dieses Riesenhochgebirge zu gehen?
Da kann ich mich noch sehr gut erinnern. Wir sind direkt aus dem Winter in Graubünden nach Delhi gereist, welches zu dieser Zeit eine Temperatur von 48 Grad hatte….und für uns ein rechter Klimaschock war. Eine sehr abenteuerliche Busfahrt, welche viele Tage dauerte, brachte uns über hohe Strassenpässe nach Ladakh. Unterwegs sind wir auf einem der Pässe ausgestiegen und in ein kleines Dorf gewandert, welches auf fast 4000 Meter Höhe liegt. Wir haben uns dabei gefühlt wie in einer Szene aus «Sieben Jahre in Tibet» von Heinrich Harrer. Ein tausendjähriges Kloster, welches über dem kleinen Dorf mit den weissgetünchten Lehmhäusern thront, Ziegen und Yaks in den engen Gassen, spielende Kinder auf den Feldern und die erwachsenen Einwohner, welche uns mit einem freundlichen Dschullee (ladakhischer Gruss) empfingen und uns zum Buttertee einluden. Es sind die liebenswerten Bewohner und die grosse Gastfreundschaft, welche mir am besten in Erinnerungen sind und dies zieht mich auch jedes Jahr zurück in den Himalaya. Auslöser für die Reise war übrigens das erwähnte Buch «Sieben Jahre in Tibet», welches meine liebste Lektüre war und ich war seit jeher am liebsten in den Bergen und an den Felswänden unterwegs….so war eine Reise in den Himalaya naheliegend.
Geht Ihr Vortrag mit Explora auch auf die politischen und sozialen Veränderungen innerhalb der Jahrzehnte ein oder zeigen Sie nur schöne Naturaufnahmen?
Der Vortrag soll ein Querschnitt durch meine insgesamt über sieben Jahre Aufenthalt im Himalaya sein. Neben meinen eindrücklichsten persönlichen Erlebnissen möchte ich einen umfassenden Überblick über die verschiedenen Länder im Himalaya sowie deren Kultur, Religion und Geschichte geben. Es wird nicht nur schöne Bilder haben, sondern auch unschöne Ereignisse wie die grossen Überschwemmungen und Zerstörungen in Ladakh im Jahr 2010 finden Platz im Vortrag. Die sozialen Veränderungen zeige ich anhand vom Leben der Nomaden. In den letzten 20 Jahren habe ich viele Monate und Jahre bei verschiedenen Nomadengruppen im Himalaya verbracht und gerade bei den Nomaden waren die Veränderungen am grössten. Obwohl es kein politischer Vortrag sein soll, gehe ich natürlich auf die immer noch schwierige politische Situation in Tibet ein.
Im Gegensatz zu früher reisten und lebten Sie in jüngster Vergangenheit auch mit Ihrer Frau und den Kindern im Himalaya. Ging das problemlos vor sich (auch bei Krankheit)  oder ist da immer ein Spitzel in der Nähe?

Vor unserer ersten Reise mit den Kindern in den Himalaya, haben wir allfällige gesundheitliche und höhenmedizinische Fragen mit Spezialisten gründlich abgeklärt. Die Reisen mit den Kindern gehen wir mit viel mehr «Sicherheitsmarge» an. Das heisst, wir rechnen mit viel mehr Zeit zu Beginn der Reise für die Höhenakklimatisation ein, haben eine umfangreiche Apotheke und auch sonstige Sicherheitsausrüstung mit dabei.  Jede Reise mit den Kindern gehen wir zudem mit dem Gedanken an, diese jederzeit abbrechen zu können, sollte sich jemand von uns nicht genügend an die Höhe akklimatisieren können, krank werden oder einen Unfall haben. In der Vergangenheit hatten wir keine Probleme bei unseren Familienreisen, auch keine gesundheitlichen, ausgenommen von Husten oder kleinen Wehwehchen, wie dies auch zuhause vorkommt. Im Gegenteil, die Reisen waren für uns und die Kinder immer sehr bereichernd und im «kinderliebenden» Asien hat uns unser Nachwuchs immer wieder Türen geöffnet, welche sonst für Auswärtige oftmals geschlossen bleiben. Die meisten Regionen im Himalaya sind frei zu bereisen und ohne Bespitzelung oder ähnlichem. Eine Ausnahme ist die Autonome Region Tibet, wo wir zwar nicht aktiv bespitzelt wurden, aber die Reisefreiheit doch stark eingeschränkt ist.
 
Als Schweizer leben Sie einen gewissen Luxus, in Asien wohl nicht oder verdrängt dort das Internet, TV, Handy auch schon die Tradition und die Jungen kleiden sich westlich?
 
Im Himalaya leben wir oftmals unter sehr einfachen Umständen, gerade wenn wir für ein paar Wochen oder Monate mit Nomaden unterwegs sind. Wir haben uns daran gewöhnt, uns während dieser Zeit hauptsächlich von Tsampa und Buttertee zu ernähren und auch hygienisch haben wir keine hohen Ansprüche. Flöhe und Wanzen hatten wir immer wieder mal, das ist aber auch nicht so schlimm, wie es sich anhören mag. Die Veränderungen im Himalaya kommen mit Riesenschritten. Ein Smartphone hat mittlerweile praktisch jeder Himalayabewohner und der rasch voranschreitende Strassenbau bringt grosse Veränderungen in die ehemals entlegenen Regionen. Vielen Junge interessieren sich nicht mehr allzu sehr für die alten Traditionen, sondern kleiden sich westlich und träumen vom neusten Smartphonemodell. Die Entwicklung ist sehr ähnlich zu jener bei uns, nur findet sie im Himalaya im Eilzugstempo statt.
Was haben Sie von den Leuten im Himalaya als Mann für sich gelernt und was geht Ihnen am meisten auf den Wecker, wenn Sie am Flughafen Zürich wieder landen und die gestressten Schweizer sehen?
 
Auch wenn es abgedroschen klingen mag, aber ich habe vor allem gelernt, dass es zum Zufriedensein keine materiellen Güter braucht. Dazu schwöre ich mir bei jeder Reise, mir eine Scheibe abzuschneiden von der immens grossen Gastfreundschaft, welche ich im Himalaya immer wieder erfahren darf. Die (materiell) ärmsten Leute teilen überaus grosszügig das Wenige, welches sie haben. Ebenso bewundere ich die Gelassenheit, mit welcher die Einheimischen den teils grossen Schicksalsschlägen begegnen und probiere, einen Teil dieser Gelassenheit mit in die Schweiz zu nehmen. Das sind da auch die Dinge, welche mir in der Schweiz in Zürich am Flughafen als erstes auffallen. Die Katastrophe, wenn der Zug 5 Minuten Verspätung hat, die Fülle an Luxusgütern in den Schaufensterauslagen und das allgemeine, oftmals rücksichtslose Gehetze überall.
Bis zum 17.3 sind Sie noch auf Vortragstournee und was macht der Thomas Zwahlen dann das ganze Jahr?

Der Himalaya ist für mich von einer Leidenschaft zum Beruf geworden und ich beschäftige mich den Grossteil des Jahres damit. Während den letzten Monate habe ich an meinem ersten Bildband über den Himalaya gearbeitet, welcher soeben erschienen ist. Dazu habe ich mir vor über 10 Jahren selbstständig gemacht und organisiere mit meinem Unternehmen Trekking-, Wander- und Kulturreisen in den Himalaya. Dadurch bin ich selber auch pro Jahr 2-3 Mal im Himalaya. In der Schweiz wohne ich mit meiner Familie und den 3 Kindern in Parpan in den Bündner Bergen. Zu Fuss, mit dem Mountainbike oder mit den Skiern sind wir viel in den Bergen in der Umgebung anzutreffen.
Weitere Informationen zum Explora Vortrag und Kartenverkauf hier

Weitere Informationen zu Thomas Zwahlen und Himalayatours hier 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s