Zürich – Zugvögel und ihr Leben mit der Aktion Spring alive kennen lernen

Amsel, Drossel, Fink und Star heisst es, seien die Frühlingsboten, doch die Organisation Birdlife will mit ihrer Aktion „Spring alive“ die Bevölkerung dazu aufrufen, weitere sechs Arten in ihrer Umgebung bis zum 21. Juni zu zählen und melden. Was geschieht mit den Daten und wie geht es den Zugvögeln heute? Doktor Eva Inderwildi, Spring-alive Koordinatorin, weiss mehr dazu.

Bei Spring alive soll der Interessierte Zugvögel zählen, doch die sind bekanntlich schnell und scheu. Haben Sie mir eine Hilfe zum Erkennen?
Kann man eine Rauchschwalbe, die im Stall in der Nähe des Landwirts brütet wirklich als scheu bezeichnen? Auch der Weissstorch brütet auf Dächern mitten im Dorf. Mauersegler mit uns Menschen unter einem Dach. So leben einige Zugvögel in unmittelbarer Nähe zu uns Menschen. Bei der Bestimmung der 6 für die Aktion Spring Alive gesuchten Arten helfen Faktenblätter, die auf den Internetseiten  zu finden sind.
Nach dem Ende der Aktion machen Sie eine Statistik. Bleiben diese bei Birdlife oder fragen Behörden, der Bund an, wo es welche Beobachtungen gegeben hat, damit nicht wie in der Nordsee ein EU Architekt Windmühlen in die falsche Richtung aufstellt und die Zugvögel fliegen massenhaft rein und sterben? 
In einigen Fällen kommt es vor, dass Behörden fragen, wo welche (Zug)vogelarten vorkommen und durch Bauprojekte besonders gefährdet werden könnten. In vielen Fällen ist es aber so, dass BirdLife Schweiz und andere Naturschutzorganisationen selber ein Auge auf Bauprojekte halten müssen und die Anliegen der Vögel und der Natur dort einbringen müssen, weil sie sonst vergessen gehen.
Die Vorboten eines heissen Sommers sind da und die Feld mit den Insekten werden wieder braun sein. Können sich Zugvögel eigentlich erinnern oder spüren, wie die Saison wird oder sind die Opfer ihrer Natur und denken im März ab in die Schweiz?
Zugvögel, die in Südafrika überwintern (Langstreckenzieher), können dort nicht wissen, wie das Wetter in Europa gerade aussieht. Sie werden zu einem bestimmten Zeitpunkt losziehen. Erst auf dem Weg werden sie dann je nach Wetter schneller oder langsamer weiterziehen und dann zu einem anderen Zeitpunkt in der Schweiz ankommen. Schlechtwetterperioden in Europa führen zu sogennanten Zugstaus: die Zugvögel sind dann am Weiterflug verhindert und bleiben erst mal da wo sie gerade sind, bevor sie weiter nach Norden ziehen. Zugvögel, die weniger weit weg von ihren Brutgebieten überwintern, z.B. im Mittelmeerraum (Kurzstreckenzieher), können leichter auf einen früheren Frühlingsanfang reagieren.
Mir ist aufgefallen, dass Schwalben nicht mehr so oft zu sehen sind, was sicher auch mit der Abnahme der Bauernhöfe, wo sie unter dem Dach ihre Nester haben zu tun hat. Was kann der Hauseigentümer oder sogar Mieter mit etwas Grün oder Balkon für die Zugvögel machen?
Zugvögel, die an oder in Gebäuden brüten wie z.B. Rauchschwalbe, Mehlschwalbe und Mauersegler, sind darauf angewiesen, dass wir Menschen sie an unseren Häusern willkommen heissen und die Nester nicht zerstören. Wir können ihnen auch künstliche Nisthilfen anbieten. Nahrung brauchen die Vögel auch, entweder in Form von Beeren oder Insekten. Da können wir helfen, indem wir einheimische Pflanzen setzen, sei es im Garten oder auf dem Balkonkistchen. Im Gegensatz zu exotischen Pflanzen von fremden Kontinenten, bieten einheimische Pflanzen viel mehr Insekten und Vögeln Nahrung. Mehr Informationen wie man den Vögeln rund ums Haus helfen kann unter unter dem Link Garten bei Birdlife.
Städte und Vororte sind Tag und Nacht hell. Schlafen eigentlich Zugvögel oder sind sie dauernd im Stress weil sie etwas wegen der Ueberbevölkerung stört?
Studien haben nachgewiesen, dass die künstliche Beleuchtung in der Nacht zumindest bei manchen Vogelarten zu einer Verkürzung der Ruhephasen führt. Ein anderes Problem der nächtlichen Beleuchtung für Zugvögel ist aber noch weitaus schlimmer: bei schlechten Wetterverhältnissen, wenn nachts ziehende Zugvögel sich nicht an Mond und Sternen orientieren können, werden sie von künstlichem Licht angezogen. Sie kommen vom Kurs ab, kreisen Stundenlang um die Beleuchtung, verlieren Zeit und Energie auf dem Zug. In vielen Fällen kollidieren sie tödlich mit den beleuchteten Strukturen (Hochhäuser, Fernsehantennen, usw.). Bei einer Untersuchung kamen so an einem einzigen Gebäude in Deutschland  in einem Jahr 151 Vögel um.
Klar, es gibt viel zu Klagen in Sachen Umweltschutz, Insektensterben etc.  Aber gibt es auch Positives zu berichten über Zugvögel in der Schweiz?
 
Dank der Arbeit von BirdLife Schweiz und Partnern gehen die Bestände des Kiebitz, eine Zugvogelart und Vogel des Jahres 2019 von BirdLife Schweiz, wieder aufwärts. Zusammen mit Landwirten werden die Bruten in den Feldern geschützt. Auch beim Gartenrotschwanz, einer weiteren Zugvogelart, gehen die Zahlen in den Projektgebieten dank dem Einsatz von BirdLife Schweiz, seinen Kantonalverbänden, lokalen Sektionen und vielen weiteren Partnern wieder aufwärts.
Mehr Informationen zum Kiebitz und Gartenrotschwanz auf unserer Internetseite.


Weitere Informationen zu Spring aliv hier 

Weitere Informationen zu Birdlife hier
 
 
 
 
Bildlegenden:
 
Bild 1: Weissstörche bauen ihre Nester in der Nähe der Menschen z.B. auf Hausdächern. © Michael Gerber
Bild 2: Eva Inderwildi, Koordinatorin von Spring Alive bei BirdLife Schweiz.© BirdLife Schweiz
Bild 3: BirdLife Schweiz bringt die Anliegen der Vögel bei Windenergieprojekten ein. © BirdLife Schweiz
Bild 4: Dank Förderprojekten von BirdLife Schweiz und Partnern kann der Kiebitz wieder vermehrt in der Schweiz brüten. © Michael Gerber
Bild 5: Rauchschwalben fliegen jedes Jahr Tausende von Kilometern zwischen Winterquartier und Brutgebiet. © Michael Gerber
Bild 6: Mit Nisthilfen kann man den Vögeln einen Brutplatz im Garten bieten. © BirdLife Schweiz
Bild 7: Die Rückkehr der Rauchschwalben wird beim Projekt Spring Alive beobachtet. © Michael Gerber

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