Zermatt – Wenn Sophie Hunger dem Passenger zeigt, was ein Gig ist

Durch Tag kann der Besucher am Zermatt unplugged neue Talente an der Sonne an Orten mit mehr oder weniger Schnee geniessen, abends trifft er oft auf alte Bekannte auf der Bühne und kann beim Zuhören testen, wer noch Saft hat und wer am Verwelken ist.

Der 34-jährige Michael David Rosenberg aus Brighton war sichtlich überrascht, gelang es ihm doch sieben Jahre nach seinem einzigen Hit „Let her go“ nicht wieder dort zu landen, wo er vorher war als Strassenmusiker sondern im Zelt am Zermatt unplugged und das war am ersten Abend ausverkauft. Und unplugged war das Konzert im wahrsten Sinn des Wortes, nur er und die Gitarre und Folkssongs für 90 Minuten. Im Publikum sassen vorallem Frauen und Paare, die die leisen, intimen Songs mit 2000 anderen teilten. Seelenfutter und kalte Füsse, das Zelt war nicht geheizt, von einem Singer/Songwriter, der weiss, dass seine beste Zeit um ist, aber den Humor nicht verloren hat. So animierte ihn der „schweizerische Scotsch – Apfelsaft “ gleich zu einer neuen Nummer und in den minutenlangen Ansagen zwischen den Liedern erfuhr der Walliser auch Persönliches. So sei seine Grossmutter Polin und der Grossvater Deutschjude gewesen, die beim Weltkriegsausbruch in die Schweiz flohen und später auf amerikanischen Boden eine Hühnerfarm gründeten, wo er Jahre später gezeugt wurde und danach mit seinen Eltern nach England übersiedelte.

 

Da nicht wenige das Konzert frühzeitig verliessen, während andere wie wild klatschten und mitsangen dürften die Meinungen, ob das nun ein Konzert oder ein Strassenmusikergig war für teures Geld weit auseinandergehen.
Eine viertel Stunde nach seinem Konzert hatte der Passenger bei Minusgraden die Bahnhofstrasse mit den teuren Läden zum Alex überquert, wollte er zusammen mit einem Mann doch das Konzert von Sophie Hunger und einer 4 Mann Band nicht verpassen. Sie zeigte ihm, wie das geht, um 22.45 Uhr schnell zur Decke schauen und dann das „Todenmüggerli“ ohne Instrumente anzustimmen.  Bis um Mitternacht hing das Publikum an den Lippen der Berner Ausnahmemusikerin und zwischen den mehrsprachigen Liedern war es so andächtig still, weil jeder jede Note, jeden Klang, jedes Wort aufsauen wollte dieses sehr abwechslungsreichen Gigs voller Ideenreichtum. Zehn Jahre nach dem Hype auch bei unseren deutschen Nachbaren ist Sophie Hunger immer noch eine Entdeckung für Ohr. Sie lebt Musik und ist Musik und das Publikum war restlos begeistert.
Weitere Informationen zum Zermatt unplugged hier 
Alle Fotos copyright George Eberle

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