Bern – Ueber den Kanonenschuss auf den Elefanten von Murten

Der Sohn des Metzgers soll 1866 in Murten die drei Kilogramm schwere Kugel aus der Kanone auf den wildgewordenen Zirkuselefanten abgefeuert haben, so will es der Schreiber Uwe Lützen des Theaterstücks „der Elefant von Murten“, das momentan im Theater Bern unter der Regie von Jonathan Loosli/Mathias Künzler zu sehen ist. Ist die Fiktion um den afrikanischen Elefanten auch spannend oder nicht?

Als Kind aus der Seebezirk des Kantons Freiburgs gab es mit dem Gang an die Sekundarschule Murten einmal im Jahr einen Anlass, die Solennität am 21.Juni, wo die Kinder und die Stadt der Schlacht bei Murten 1476 mit einem Umzug gedachten und der begann mit einem Kanonenschuss. Diesen Krach, war das letzte, was am 29. Juni 1866 der Zirkuselefant hörte, nachdem er zuvor seinen Chef den Zirkusdirektor getötet hatte und Verwüstungen im Städtchen angerichtet hatte.

In diese Kleinbürgerwelt eingebettet zwischen Mont Vully und Murtensee führt auf Berndeutsch Clown Marco Morelli als Alter Jeremias im Theaterstück „der Elefant von Murten“ auf Berndeutsch ein. Weil ein Bandscheibenvorfall seine Clownkarriere beendet hat, tritt Morelli nun als Erzähler auf und die Kulisse aus kleinen Blechhäusern, Wasserrad und Ringmauern versprechen viel. Enttäuscht wird der Zuschauer, sobald die Schauspieler der Truppe VorOrt als Bevölkerung Murtens den Mund aufmachen, sie sprechen Hochdeutsch.

Der Basler David Berger, einziges Mitglied des freien Theatertruppe VorOrt, mit Stadttheaterausstrahlung, bekommt als junger Jeremias Frey von seinem Vater, dem Metzger Walther Frey (Stéphane Maeder) viele Schläge ab, weil er das Handwerk des Fleischschneidens einfach nicht erlernen will sondern an die Zukunft und seinen Weg aus der Enge der Provinz als Flugzeugbauer dauernd denkt und heimlich bastelt.

Als der Wanderzirkus Murten heimsucht, verliebt er sich in die Artistin Miranda (toll gespielt von Sonja Riesen), die spanische Wilde, die immer noch haderte mit der Zwangsarbeit beim Zirkus, lieber frei sein möchte.
Bis zur Pause also fast Dreiviertel des Stücks sind es die Begegnungen zwischen der Bevölkerung Murtens und den Zirkusleuten, die das Theaterstück mehr schlecht als recht vorantreiben. Hier hätte Stückeschreiber Uwe Lützen mehr straffen sollen.

Die letzte halbe Stunde rettet das Stück, das an der zweiten Vorstellung mittelmässig besucht war.
 Sieben Schauspieler, Bürger und Zirkusleute, sprechen im Chor die letzten Lebeminuten des Elefanten, der wohl durch das zunehmende aggressive Aufeinandertreffen der Freiburger mit den Zirkusleuten seine Ruhe und Fassung verlor und zuerst den Zirkusdirektor tötete, dann einen Transporter zerstörte und eine Gasse im Städtchen verwüstete bis der Metzger die Idee hatte, eine Kanone aufzustellen, da Gewehrkugeln wohl nicht durch die dicke Haut dringen würden. Jeremias Frey entsagt der Liebe zu Miranda, beugt sich dem Druck des Vaters und der Bevölkerung Murtens und feuert den Schuss ab, den der Elefanten zur Strecke bringt, die Murtner von der Angst befreit und die Ruhe wieder ins Städtchen bringt.
Am Schluss erzählt der Alte Jeremias (Marco Morelli)  von seiner Reise an die Weltausstellung in Paris, dem technischen Fortschritt,  der erfolglosen Suche nach Miranda in den Gassen und spielt am Gelände die Handorgel während die Murtner nach dem Verzehr des Elefantenfleisches wieder zur Tagesordnung übergehen und die Tötung des Tieres als Fussnote abtun. Doch das einzige Foto (Titelbild) und das Skelett des Elefanten im Naturhistorischen Museum Bern und jetzt die Fiktion im Stadtheater Bern erzählen die Geschichte von Auge um Auge, Zahn um Zahn Mensch gegen einen Zirkuselefanten immer wieder neu.

Weitere Informationen zum Stück hier 

Video zum Theaterstück

Ein Gedanke zu “Bern – Ueber den Kanonenschuss auf den Elefanten von Murten

  1. Eva

    Ich konnte mit dem Stück nichts anfangen. Es hat mir auch nicht sehr viel gesagt. Ich fand sogar die Geschichte irgendwie langweilig, deshalb finde ich es schade, dass das Theater das Stück rauf und runter spielt. Jetzt bin ich wieder etwas schlauer und um eine Geschichte reicher.

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