Wil – Mister Musical Martin Tscharner über seine 20 Jahre Erfahrungen mit dem Musiktheater

Musicals – diese Kunstform, die alle Ausdrucksformen ins sich vereint, sind bei den Schweizern auch in den Boomjahren nach „Cats und Co.“ weiterhin beliebt. Martin Tscharner organisiert seit 20 Jahren Schweizer Auftritte bekannter Broadwayproduktionen wie „Footlose oder Simply the best – das Tina Turner Muscial „.

 
Martin Tscharner, als Veranstalter und Gründer von Nice Time Productions haben Sie mit Footloose und Simply the Best, zwei  Musicals in die Schweiz gebracht. Wie schaffen Sie es immer wieder, solche Projekte an Land zu ziehen?
 
Was im Ausland gut läuft, kann auch auf dem Schweizer Markt funktionieren. Das muss man immer gut abschätzen können. Was ich nach meiner langjährigen Erfahrung sagen kann ist, dass Geschichten von Musikern wie Elvis Presley oder Tina Turner immer sehr gut funktionieren. Die Zuschauer schwelgen gerne in Erinnerungen.
Was sind Ihre Aufgaben während und um die Shows herum?
 
Musical-Veranstalter zu sein ist ein 24/7-Job. Ich kümmere mich um alles von A-Z. Da wir ein Verein sind und nicht vom Bund unterstützt werden, muss ich mich erst um die Vorfinanzierung kümmern. Wenn das klappt, kann die Organisation und die Jobverteilung beginnen. Ich suche vom Bühnen- bis zum Lichttechniker gute Partner aus. Während der Tour ist es ganz wichtig, dass man den Überblick behält und stets einen Plan B bereit hat. Bei den einzelnen Shows bin ich immer unter den Leuten – Networking ist wichtig.
Nach dem ganzen Stress – Wann ist der Moment in dem Sie merken, dass sich die ganze Arbeit gelohnt hat?
 
Nach dem ersten Song kommt bereits etwas Erleichterung in mir auf. Wenn dann nach der Show Standing Ovations gibt, was bei den letzten Shows immer der Fall war, bin ich sehr stolz. Ein Musical zu organisieren, ist eine grosse Sache und es passieren immer wieder ungeplante Dinge. Ich finde es auch toll im Team zu arbeiten, neue Leute kennen zu lernen und Freundschaften zu schliessen. Vor dem Musical helfen viele Freiwillige mit, einfach weil sie das gerne machen. Dieser Einsatz ist unglaublich.
Wie viele Mitarbeiter haben Sie bei Nice Time Production oder ist es eine One-Man-Show?
 
Wir sind alle freiwillige Mitarbeiter, die daneben noch einen Vollzeitjob haben. Insgesamt sind es aber etwa drei Personen in der Organisation – je nach Aufwand. Wir sehen das Ganze als eine Art Hobby, auch wenn es ein sehr aufwändiges ist (lacht). Wir erhalten oft die Rückmeldung von den Besuchern, dass jeder Rappen des Ticketpreises genau richtig investiert wurde. Mir ist es wichtig, dass ich alle Beteiligten während der Tour fair entlohnen kann, da jeder unermüdlich und mit viel Herzblut arbeitet.
Wie lange machen Sie diesen Job schon und was ist Ihre Motivation dahinter?
 
Uns gibt es seit dem 8. August 1997. Ich habe schon in der Primarschule gefallen daran gefunden, Anlässe zu organisieren. Damals habe ich das noch in der Pfadi gemacht. Irgendwann wollte ich dann mein eigenes Ding machen und siehe da – schon seit über 20 Jahren toure ich durch die Schweiz. Es macht mir sehr viel Spass und erfüllt mich mit Freude, wenn ich unserem Publikum eine tolle Zeit verschaffen kann.
 
Sie haben vorhin erwähnt, dass nicht immer alles nach Plan läuft. Können Sie uns ein Beispiel nennen?
 
Einmal haben sich die ungarischen Techniker etwas mit den Preisen in der Schweiz verschätzt. Das heisst, sie hatten schlicht und einfach zu wenig Geld dabei. Also haben wir sie eingeladen mit uns zu essen und im Tourbus zu übernachten. Ein anderes Mal ist auf dem Weg nach Chur der Sattelschlepper im Schnee steckengeblieben. Das ganze Team hat mitgeholfen, ihn wieder freizuschaufeln. Nach zwei Stunden konnten wir endlich weiterfahren.
 
Sie sind eine grosser Musical-Fan? Was sind Ihre Favoriten?
 
Mein absolutes Lieblingsmusical ist das von der Geschichte der “Bee Gees”. Ich erinnere mich noch gut: drei italienische Brüder haben die Band im Musical verkörpert. Drei der Original-Bandmitglieder der Bee Gees waren sogar Teil der Musikproduktion.
Tina Turner war persönlich zu ihrem Musical “Simply the Best” in London und Hamburg dabei– hatten Sie auch Kontakt mit ihr?
 
An einem Samstagabend klingelte das Telefon. Die Stimme war mir irgendwie bekannt, ich konnte sie jedoch nicht zuordnen. Die Person am anderen Ende begann Englisch zu sprechen, konnte aber auch gebrochen Deutsch. Immer wieder hat die Frau betont, dass sie das Musical sehen möchte. Als ich nach ihrem Namen fragte, hat sie davon abgelenkt. Ein lustiges Telefonat war das! Erst als ich ins Auto stieg und Tina Turners CD gehört habe, merkte ich, dass die Stimme zu Tina Turner höchstpersönlich gehört hat!
Welche neue Projekte haben Sie als nächstes in Aussicht?
 
Jedes Projekt hat etwa eineinhalb Jahre Vorbereitungszeit. Da ich momentan noch ein Nachdiplomstudium als Onlinemarketing-Experte mache, muss ich mein Hobby in der nächsten Zeit etwas zurückstecken. Im neuen Jahr, ab dem 8. Januar 2020, wollen wir nochmals mit “Rhythm of the Dance” auf Tour gehen.
Weitere Informationen zu Nice Time Productions hier 

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