Lipperswil – Ferien im Golfpanorama ohne Golf zu spielen, geht das?

Die Golfszene hat sich seit den neunziger Jahren eine eigene Welt geschaffen mit ihren Spielfeldern und Hotels. Das man die Golfhotels auch zum Entspannen und Entdecken gebrauchen kann, zeigt der Selbstversuch im 4 Sterne Golfpanorama Lipperswil, Kanton Thurgau.

 

Gleich neben dem Geleise des Bahnhofes Weinfelden besteige ich das Postauto, das mich nach 12 Minuten zwei Station oberhalb des Connylands in Hattenhausen-Golfpanorama auslädt. Mit dem ersten Schritt aus dem Wagen stehe ich wie so oft in den nächsten Tagen im Gras und der Natur dieser Gegend unweit des Bodensees und Grün so weit das Auge reicht begleitet mich auf dem Feldweg zu den Fahnen des Hotels, wo vor dem Haus ein Wasserfall hinter Glas den Lärm der parkierenden Mercedes aus der Ostschweiz und dem angrenzenden deutschen Raum übertönt.

Design, Freundlichkeit, die Zimmer, das Essen

Wenn Grün schon in so grosser Menge vor dem Haus herrscht, dann wählen wir Dunkelbraun und manchmal etwas Gold für die Innendekoration, mag sich der Designer des Golfhotels wohl gesagt haben. Zusammen mit den Grossmutterzungen, eher dunklen Pflanzen, die nicht viel Licht brauchen, wirkt das Braun in allen Räumen und Zimmern doch sehr langweilig und wenn es draussen nicht hell ist, ist es drinnen trotz Neonlichter wie im November das ganze Jahr über. Einen Farbtupfer geben die Apfelschalen überall im Haus, wir sind im Apfelkanton Thurgau.
Die Freundlichkeit ist gross, wenn es Einheimische sind, die deutschen Mitarbeiter wirken zu distanziert und etwas arbeitsfaul beim Frühstück. Dieses wird mit Blick auf die offene Küche, wo der Koch aus Sri Lanka gerne ein Rührei zubereitet, als Buffet in für ein 4 Sterne Hotel eher bescheidenen Grösse serviert.
Die Zimmer sind gross, fast wie eine 1-Zimmerwohnung und das Bad mit Dusche hat keine Wc-Türe.
Leider sind die Zimmer trotz ihrer guten Isolation gegenüber Nachbaren auch wieder sehr dunkel und sehr heiss. Es gibt keine Storen und keine Belüftung, aber Heizung. Ab einer gewissen Aussentemperatur ist das Schlafen ohne die Fenster offen zu lassen unmöglich.
In der Halbpension ab 18 Uhr gibt es ein 4 Gang Menu, das lecker schmeckt bis auf die Suppen, die der asiatische Koche nicht so beherrscht.
Es empfiehlt sich früh zu erscheinen, schon 15 Minuten nach Beginn muss man trotz einer Handvoll Serviertöchter recht lange Warten auf die Speisen.

Das Spa, Fitness, Kurse, Umgebung

Viele verheiratete Golfspielende Männer machen es so, dass sie während sie auf dem Feld sind, ihre Frauen in den Spa schicken. Das Hallenbad ist gross und das Wasser lauwarm, ein Sprudelbad ist draussen und die Liegen aus Rattan gibt es sowohl draussen wie drinnen wieder im Dunkelbraun.
Neben den Massageräumen hat es auch einen für Gruppenkurse, die aber sehr spärlich über die Woche angeboten werden und ausser dem Yoga, wohl von den Masseuren geführt werden, die leider wie beim besuchten Rückenfit nicht sehr fachgerecht unterrichten.
Ein gut ausgestatteter Fitnessraum im dritten Stock ist auch wieder sehr warm.
Der Saunaraum mit drei verschiedenen Räumen und Ruheraum ist gross und sicher ein Besuch wert.
Die Umgebung ist der Hammer. Wald, Grün, gute Wanderweg und Sehenswürdigkeiten wie die Napoleonvilla, Stein am Rhein, der Ottoberg etc. sind Oasen der Entspannung und Entschleunigung wie auch alle Zimmer des Golfspanorama, die sehr ruhig sind, da dieses Hotel an keiner Strasse liegt und keine Nachbaren hat ausser die Natur.

Fazit

Wer wegen des Golfs ins Golfpanorama kommt, hat wie auch jener der nicht deswegen kommt, viel Grün, unverbaute Natur und Ruhe um sich. Für einen stolzen Preis lässt es sich im Hotel Spa und Sport machen und die Umgebung erkunden. Allerdings ist das Hotel vom Design her eher an ältere Leute gerichtet und auch von diesen besucht und auf ein Abendprogramm muss verzichtet werden.

Solothurn – Donat Blums neue Rolle an den Literaturtagen

 

An den 41. Solothurner Literaturtagen vom 31. Mai bis 2. Juni hat es neben bekannten Namen auch Platz für zwei schwule Autoren. Neben Martin Frank zeigt sich der Schaffhauser Donat Blum zum ersten Mal mit seinem Debut „Opoe“ einem interessierten Publikum, obwohl er eigentlich schon lange in Solothurn präsent war.

 

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Am 31.5./1.6. lesen Sie zum ersten Mal als Autor an den solothruner Literaturtagen, obwohl Sie als Moderator der Diskussionsrunde „Skriptor»  das Festtival schon kennen. Schon nervös und was kann der Zuhörer erwarten?
 

Die diesjährigen Literaturtage werden intensiv. Ich werde sieben Veranstaltungen bestreiten, zwei davon sind Lesungen aus Opoe. Ich freue mich sehr darauf. Ich mag Literatur leidenschaftlich und ich hoffe, dass ich diesen Funken auch in den beiden Lesungen springen lassen kann.

Sie wurden 1986 in Schaffhausen geboren, wohnten in Bern, Biel und Berlin und jetzt Zürich. Brauchte es diesen Wegzug aus der Provinz, um sich in den Grossstädten zu finden oder den Mut zu fassen zu schreiben?

Ich bin gerne unterwegs. Ich brauche die Distanz, einerseits um auf die Dinge schauen zu können, die mir nahe sind und andererseits, weil ich immer ein wenig fürchte, in zu starren Mustern einzurosten.

Opoe ihr Debutroman ist die Auseinandersetzung mit der Geschichte ihrer Grossmutter und sich selbst. Ersteres ist eher ungewöhnlich für Ihre Generation, die gerne ihre Wurzeln vergisst. Was war das ausschlaggebende Erlebnis für das Schreiben des Debuts?
Ist das ungewöhnlich? Ich denke gerade die Auseinandersetzung mit den Grosseltern ist bei jüngeren Leute viel üblicher als bei älteren: aus dem einfachen Grund, dass sie ihre Grosseltern viel öfter auch noch als Erwachsene erleben. Die Grosseltern meiner Eltern beispielsweise sind alle gestorben als sie selber noch Kinder oder Jugendliche waren.
Sie sind Mitherausgeber der queeren Literaturzeitschrift „Glitter“. Mit welchen Schwierigkeiten hatten Sie zu kämpfen von der kurzen zu langen Form des literarischen Schreibens?
Glitter ist eine queere Literaturzeitschrift. Das heisst sie beschäftigt sich nicht mit einer singulären sexuellen Orientierung, sondern mit gesamtgesellschaftlichen Normen und dem Hinterfragen von diesen.
Je länger der Text, desto mehr Zuversicht braucht es beim Schreiben, dass der Text dann schon irgendwann irgendwie gut kommt. Mit der Zuversicht kämpfte ich manchmal, wobei das erstaunlich git ging. Mit der Geduld kämpfte ich öfter.
Im Gegensatz zu vielen Neuvorstellungen in Solothurn ist Ihr Buch schon älter. Welche Erfahrungen haben Sie gemacht als neuer Autor, dem plötzlich Leute und Medien, die Oeffentlichkeit zu hört und sich ein Urteil bildet?
Opoe ist im August 2018 erschienen. Das Buch ist noch kein Jahr alt. Aber ich durfte viel rumreisen und lesen. Etwas das ich ausserodentlich gerne mache, weil es jedes Mal von neuem spannend ist, wie das Publikum reagiert, weil die positiven Reaktionen natürlich super schön und motivierend sind, aber auch weil ich dabei sehr viel über mich, das Schreiben und immer wieder von neuem über den text und seine Wirkung lerne.

 

Vor und nach dem Interview und nach Solothurn schreiben Sie am zweiten Buch im Stillen. Wenn diese intensive Phase mit sich und der Kreativität vorbei ist, was macht ein Donat Blum in seiner Freizeit?
Sagt man hier jetzt «lesen»? 😉 Mein Alltag ist ziemlich unorthodox gegliedert. Eine scharfe Trennung zwischen Arbeit und Freizeit gibt es eigentlich – und manchmal auch zu meinem Leidwesen – nicht. Am ehesten empfinde ich diejenige Zeit als Freizeit, in der ich nichts muss und schreiben kann, wann immer es mir danach ist. Ich reise aber auch viel herum, ich gehe gerne tanzen, ich liebe meine Freunde.

 

Weitere Informationen zu den Solothurner Literaturtagen hier


                                                              Weitere Informationen zu Donat Blum hier

 
      Fotos 1, 2, 3, 5 copyright Marvin Zilm

Pfeffingen – Marco Agostinis Kampf für einen sauberen Wald

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Ohne Mühlmänner gäbe es keine Zivilisation. Die besten Beweise dafür sind die Strassenränder, Parks und Wälder, wo Schweizer ihre gute Kinderstube vermissen und den Abfall liegen lassen. Dies schmerzte den Baselbieter Marco Agostini besonders in der grünen Lunge des Planeten und er handelte nach dem Motto: Es gibt nichts Gutes, ausser Man(n) tut es.

 

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Obwohl es mit dem Frühlingswetter nicht so will, bald fängt wieder die Grillsaison am Waldrand an. Sammeln Sie darum Mühl im Wald, damit es sauber aussieht oder was war der Ursprung Ihrer Aktion?

Der Ursprung war, dass mit Abfall im Wald generell stört. Wenn mich was stört oder wenn irgendwo ein Problem besteht, dann packe ich es gerne an. Mir ist sehr bewusst, dass immer wieder Abfall in den Wald und in die Natur generell geworfen wird, aber das ist kein Grund für mich aufzuhören oder zu pausieren. Im Gegenteil, es beweist, dass auch heute noch viel Müll in die Natur gelangt. Bei uns in der Schweiz und nicht irgendwo in anderen Ländern.

Was ja als spontane Aktion begonnen hat, wird seit der Veröffentlichung auf Facebook auch von anderen Leuten begleitet. Wie wählen Sie ein Gebiet aus zum säubern und wie rüsten Sie sich aus?

Es war tatsächlich eine spontane Aktion nach dem Biken. Ich lief mit einem Plastiksack zurück zur Stelle wo ich mehrere Flaschen und Dosen gesichtet hatte und nahm sie mit. „Leider“ entdeckte ich noch mehr Müll und musste am nächsten Tag wieder hin und füllte innert 1 Stunde 2 grossen Einkaufstaschen. So hat es seinen Lauf genommen. Ich wähle die Gebiete eigentlich nicht speziell aus, sondern gehe einfach dorthin, wo die Nase zeigt. Manchmal zu Fuss und immer öfters mit dem Velo. Finde ich grössere Mengen Abfall, dann merke ich mir die Stelle und gehe einige Tage später dort hin und sammle den Abfall ein. Ausrüstung braucht es nichts Spezielle. Gute Schuhe, alte Kleider, Säcke und jetzt im Sommer leider auch Zeckenspray.

Hatten Sie schon immer eine spezielle zum Wald und Naturschutz oder war es auch ein wenig Verzweiflung über die Wegwerfmentalität der Schweizer, das sie antreibt?

Ich war schon immer ein Natur- und Tierschützer, aber speziell mich dafür zu engagieren erst seit ich rund 25 Jahre alt war. In den letzten Jahren hat das zugenommen, weil ich bei der Grünen Partei politisiere und mich noch mehr für die Tier und Natur einsetzen will. Ich denke, dass es eigentlich jeder und jede in sich hat, aber es wird oft verdrängt und vergessen. Ich wünsche mir, dass alle Menschen ihren Beitrag für den Erhalt der Natur und für den Schutz der Tiere leisten. Es braucht oft nicht viel.

Im Dreck wühlen hat auch was Spannendes. Was haben Sie an Gegenständen gefunden, wo Sie sich eine Geschichte dazu gedacht haben? 

Anfang 2018 habe ich ein Zelt mit mehreren Schlafsäcken und Decken im Wald gefunden. Es war alles durchnässt und schmutzig. Ich habe es dann da gelassen und 2-3 Wochen später war es immer noch da. Ich bin nicht sicher aber es könnte sich um Flüchtlingen oder sogar um Diebe handeln, die auf der Flucht dort geschlafen haben und dann wieder weg sind. Dazu habe ich auch andere Personen und auch einen Polizisten befragt und die haben diese Theorie bestätig. Es sei kein Einzelfall und immer wieder werden solche Stellen im Wald gefunden. Ich denke auch heute noch wer das war und was diese Personen dort gemacht haben.

Nachdem der Dreck im Wald gesammelt ist, helfen die Gemeinden mit beim Entsorgen oder müssen Sie das auch noch selber zahlen?

Die Gemeinden helfen immer mit und bieten mir Hand an. Wenn nötig stellen sie Sammelsäcke oder auch Mulden zur Verfügung. Eine Gemeinde gab uns auch einmal einige Sammelzangen mit. Heute nehme ich den Müll oft gleich mit, sortiere es nach PET, Glas, Metall und Alu und bringe das ganze Material zur Firma EZB in Aesch, wo ich das gratis entsorgen bzw. recyclen kann.

Wie kann der Leser Sie unterstützen, damit Sie den Mut, die Zeit und das Engagement nicht verlieren zum Wald säubern?

Nun selber zu sammeln ist immer noch das Einfachste und Effizienteste, aber wir sind natürlich auch froh darüber, wenn jemand bei uns Mitglied wird oder einen Gönnerbeitrag dazu beisteuern kann. Mein Ziel ist es junge Menschen, Schulen und Klassen zu motivieren und mobilisieren und ich möchte denen z.B. auch etwas in die Klassenkasse geben oder ihnen ein gemeinsames Grillieren anbieten, wo wir nach dem Sammeln etwas essen können. Auch möchte ich unserem jungen Vizepräsident Lucio Sansano etwas für die viele administrative Arbeit geben.

Weitere Informationen zum Suubere Wald hier 

 

Mallorca – Ist das Tui Blue Rocador sein Geld wert?

Eingebettet zwischen dem öffentlichen Strand auf der einen Seite und auf der anderen dem öffentlichen Leben liegt das 4 Sterne Hotel Rocador nur für Erwachsene. Hält das Tui Blue Hotel in der Bucht von Cala Gran Mallorca, was es verspricht? Ein subjektiver Test.

Die Lage, der Sport, das Essen

Nach einer rund 90 minütigen Fahrt vom Flughafen Palma erreicht der Kleinbus das Rocador und im schicken Innendesgin des vor zwei Jahren aus zwei ehemaligen Hotels renovierten und unter dem Label Tui Blue entstanden 4 Stern Hotels, verlangt die Empfangsdame sofort die Touristentaxe und erklärt, dass ich mit der Tui Blue App die Möglichkeit habe, Sportangebote im Haus zu buchen und sonst noch so sehe, was in der grossen Anlage passiert. Es werden also vorwiegend Hotelferien, den der Ort Cala Gran hat ausser drei kleinen Stränden und den üblichen Touristenlokalen nichts zu bieten.
Sport von Yoga, Pilates, Aerobic, Schwimmen, Sauna bis Gym, ab 8 Uhr morgen bis abends ist immer was los und zwei Trainerinnen geben Kurse oder spielen mit den Gästen Dart, Tischtennis.
Das Essen ist zum einen ein Riesenbuffet oder zum anderen ein a la carte Restaurant. Beide haben auch Veganes und Vegetarisches zu bieten. Interessant ist auch die Ecke mit regionalen Spezialitäten.

 

Die Zimmer, Unterhaltung, Gäste

Schick ist der erste Eindruck des Zimmers, das ich beim ersten Mal nur mit Hilfe der Empfangsdame, die wie andere oft nur Englisch spricht, gefunden habe. Zum Garten hin ist die beste Lage, da die Meeressicht doch tags arg gestört wird, durch den öffentlichen Strand Cala d ‚ or gleich unter dem Hotel.  Jene zur Eingangsseite müssen mit zwei Strassen und Restaurants fertig werden. Modernes Design und ein grosses Bett wie auch das Bad, ansonsten ist der Stauraum klein und es hat keine Storen.
Jeden Abend findet vor dem Aussenpool ein Konzert mit unbekannten Sängern, die bekannte Lieder interpretieren, statt.
Die Gäste sind international, ab 35 Jahren und oft Paare, die unter sich bleiben, einen Austausch findet nur oberflächlich statt.

Die Umgebung, die Guides und das Negative

Mit den Bussen ist Palma und ein Naturschutzgebiet zu erreichen. Bei Tui gibt es Ausflüge mit langen Ausflugszeiten zu buchen.
Die Fragen der Gäste beantwortet nicht nur der Empfang sondern alle Mitarbeiter, sogenannte Guides, die einen blauen Bändel um den Hals tragen und so quasi auf der Treppe, bei Essen für Rede und Antwort und einen Spass mit den Gästen zu Verfügung stehen.
Einen 4 Sterne Aufenthalt in einer der reichsten Gegenden Mallorcas, wo auch der Regisseur Pietro Aldovar sein Haus hat, ist teuer und sicher für Sportbegeisterte, kulinarisch Interessierte geeignet, die, sofern sie kein Auto mieten, mit einem Tagesprogramm im Hotel oder Faulenzen am Pool und Garten Ferien geniessen können. Für Singles ist das Hotel nur bedingt geeignet, da die Paar sehr unter sich bleiben. Auch negativ aufgefallen ist mir, dass viele Speisen trotz Wärmelampe, die halt nur einen Teil abdeckt, kalt statt warm sind. Die Getränke am Abend werden an den Tisch gebracht und das dauert zu lange, da ist der erste Teller schon leer. Der Spa und der Innenpool fallen in der Ausstattung ab und an der Decke hat es Rost. Nur mit Deutsch kommt man nicht durch.
Die Anlage ist gross, nur bedingt rollstuhlgängig und das Reinigungspersonal ist zwar effektiv aber es dauert sehr lange bis sie durch sind.

 

Das Fazit

Das Label Tui Blue ist modern und richtet sich an die Gäste, die ihren gehobenen Lebensstandort von Hause auch im Urlaub haben wollen. Tui deckt innerhalb der Hotelanlage alles ab, was den Urlaub angenehm macht für Junggebliebene. Der Ort rund um das Rocador ist mit seinen Villen und den kleinen sauberen Stränden schön, aber auch nicht mehr, es gibt keine Uferpromenade. Ruhe ist nur bedingt wegen der Lage des Hotels und der grossen Anzahl Zimmer möglich, aber wer Abwechslung vor der Zimmertüre sucht, der findet sie und das Ganze mit Luxus und Stil.

Die Golfszene hat sich seit den neunziger Jahren eine eigene Welt geschaffen mit ihren Spielfeldern und Hotels. Das man die Golfhotels auch zum Entspannen und Entdecken gebrauchen kann, zeigt der Selbstversuch im 4 Sterne Golfpanorama Lipperswil, Kanton Thurgau.

 

Gleich neben dem Geleise des Bahnhofes Weinfelden besteige ich das Postauto, das mich nach 12 Minuten zwei Station oberhalb des Connylands in Hattenhausen-Golfpanorama auslädt. Mit dem ersten Schritt aus dem Wagen stehe ich wie so oft in den nächsten Tagen im Gras und der Natur dieser Gegend unweit des Bodensees und Grün so weit das Auge reicht begleitet mich auf dem Feldweg zu den Fahnen des Hotels, wo vor dem Haus ein Wasserfall hinter Glas den Lärm der parkierenden Mercedes aus der Ostschweiz und dem angrenzenden deutschen Raum übertönt.

Design, Freundlichkeit, die Zimmer, das Essen

Wenn Grün schon in so grosser Menge vor dem Haus herrscht, dann wählen wir Dunkelbraun und manchmal etwas Gold für die Innendekoration, mag sich der Designer des Golfhotels wohl gesagt haben. Zusammen mit den Grossmutterzungen, eher dunklen Pflanzen, die nicht viel Licht brauchen, wirkt das Braun in allen Räumen und Zimmern doch sehr langweilig und wenn es draussen nicht hell ist, ist es drinnen trotz Neonlichter wie im November das ganze Jahr über. Einen Farbtupfer geben die Apfelschalen überall im Haus, wir sind im Apfelkanton Thurgau.
Die Freundlichkeit ist gross, wenn es Einheimische sind, die deutschen Mitarbeiter wirken zu distanziert und etwas arbeitsfaul beim Frühstück. Dieses wird mit Blick auf die offene Küche, wo der Koch aus Sri Lanka gerne ein Rührei zubereitet, als Buffet in für ein 4 Sterne Hotel eher bescheidenen Grösse serviert.
Die Zimmer sind gross, fast wie eine 1-Zimmerwohnung und das Bad mit Dusche hat keine Wc-Türe.
Leider sind die Zimmer trotz ihrer guten Isolation gegenüber Nachbaren auch wieder sehr dunkel und sehr heiss. Es gibt keine Storen und keine Belüftung, aber Heizung. Ab einer gewissen Aussentemperatur ist das Schlafen ohne die Fenster offen zu lassen unmöglich.
In der Halbpension ab 18 Uhr gibt es ein 4 Gang Menu, das lecker schmeckt bis auf die Suppen, die der asiatische Koche nicht so beherrscht.
Es empfiehlt sich früh zu erscheinen, schon 15 Minuten nach Beginn muss man trotz einer Handvoll Serviertöchter recht lange Warten auf die Speisen.

Das Spa, Fitness, Kurse, Umgebung

Viele verheiratete Golfspielende Männer machen es so, dass sie während sie auf dem Feld sind, ihre Frauen in den Spa schicken. Das Hallenbad ist gross und das Wasser lauwarm, ein Sprudelbad ist draussen und die Liegen aus Rattan gibt es sowohl draussen wie drinnen wieder im Dunkelbraun.
Neben den Massageräumen hat es auch einen für Gruppenkurse, die aber sehr spärlich über die Woche angeboten werden und ausser dem Yoga, wohl von den Masseuren geführt werden, die leider wie beim besuchten Rückenfit nicht sehr fachgerecht unterrichten.
Ein gut ausgestatteter Fitnessraum im dritten Stock ist auch wieder sehr warm.
Der Saunaraum mit drei verschiedenen Räumen und Ruheraum ist gross und sicher ein Besuch wert.
Die Umgebung ist der Hammer. Wald, Grün, gute Wanderweg und Sehenswürdigkeiten wie die Napoleonvilla, Stein am Rhein, der Ottoberg etc. sind Oasen der Entspannung und Entschleunigung wie auch alle Zimmer des Golfspanorama, die sehr ruhig sind, da dieses Hotel an keiner Strasse liegt und keine Nachbaren hat ausser die Natur.

Fazit

Wer wegen des Golfs ins Golfpanorama kommt, hat wie auch jener der nicht deswegen kommt, viel Grün, unverbaute Natur und Ruhe um sich. Für einen stolzen Preis lässt es sich im Hotel Spa und Sport machen und die Umgebung erkunden. Allerdings ist das Hotel vom Design her eher an ältere Leute gerichtet und auch von diesen besucht und auf ein Abendprogramm muss verzichtet werden.

Solothurn – Donat Blums neue Rolle an den Literaturtagen

An den 41. Solothurner Literaturtagen vom 31. Mai bis 2. Juni hat es neben bekannten Namen auch Platz für zwei schwule Autoren. Neben Martin Frank zeigt sich der Schaffhauser Donat Blum zum ersten Mal mit seinem Debut „Opoe“ einem interessierten Publikum, obwohl er eigentlich schon lange in Solothurn präsent war.

 

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Am 31.5./1.6. lesen Sie zum ersten Mal als Autor an den solothruner Literaturtagen, obwohl Sie als Moderator der Diskussionsrunde „Skriptor»  das Festtival schon kennen. Schon nervös und was kann der Zuhörer erwarten?
 

Die diesjährigen Literaturtage werden intensiv. Ich werde sieben Veranstaltungen bestreiten, zwei davon sind Lesungen aus Opoe. Ich freue mich sehr darauf. Ich mag Literatur leidenschaftlich und ich hoffe, dass ich diesen Funken auch in den beiden Lesungen springen lassen kann.

Sie wurden 1986 in Schaffhausen geboren, wohnten in Bern, Biel und Berlin und jetzt Zürich. Brauchte es diesen Wegzug aus der Provinz, um sich in den Grossstädten zu finden oder den Mut zu fassen zu schreiben?

Ich bin gerne unterwegs. Ich brauche die Distanz, einerseits um auf die Dinge schauen zu können, die mir nahe sind und andererseits, weil ich immer ein wenig fürchte, in zu starren Mustern einzurosten.

Opoe ihr Debutroman ist die Auseinandersetzung mit der Geschichte ihrer Grossmutter und sich selbst. Ersteres ist eher ungewöhnlich für Ihre Generation, die gerne ihre Wurzeln vergisst. Was war das ausschlaggebende Erlebnis für das Schreiben des Debuts?
Ist das ungewöhnlich? Ich denke gerade die Auseinandersetzung mit den Grosseltern ist bei jüngeren Leute viel üblicher als bei älteren: aus dem einfachen Grund, dass sie ihre Grosseltern viel öfter auch noch als Erwachsene erleben. Die Grosseltern meiner Eltern beispielsweise sind alle gestorben als sie selber noch Kinder oder Jugendliche waren.
Sie sind Mitherausgeber der queeren Literaturzeitschrift „Glitter“. Mit welchen Schwierigkeiten hatten Sie zu kämpfen von der kurzen zu langen Form des literarischen Schreibens?
Glitter ist eine queere Literaturzeitschrift. Das heisst sie beschäftigt sich nicht mit einer singulären sexuellen Orientierung, sondern mit gesamtgesellschaftlichen Normen und dem Hinterfragen von diesen.
Je länger der Text, desto mehr Zuversicht braucht es beim Schreiben, dass der Text dann schon irgendwann irgendwie gut kommt. Mit der Zuversicht kämpfte ich manchmal, wobei das erstaunlich git ging. Mit der Geduld kämpfte ich öfter.
Im Gegensatz zu vielen Neuvorstellungen in Solothurn ist Ihr Buch schon älter. Welche Erfahrungen haben Sie gemacht als neuer Autor, dem plötzlich Leute und Medien, die Oeffentlichkeit zu hört und sich ein Urteil bildet?
Opoe ist im August 2018 erschienen. Das Buch ist noch kein Jahr alt. Aber ich durfte viel rumreisen und lesen. Etwas das ich ausserodentlich gerne mache, weil es jedes Mal von neuem spannend ist, wie das Publikum reagiert, weil die positiven Reaktionen natürlich super schön und motivierend sind, aber auch weil ich dabei sehr viel über mich, das Schreiben und immer wieder von neuem über den text und seine Wirkung lerne.

 

Vor und nach dem Interview und nach Solothurn schreiben Sie am zweiten Buch im Stillen. Wenn diese intensive Phase mit sich und der Kreativität vorbei ist, was macht ein Donat Blum in seiner Freizeit?
Sagt man hier jetzt «lesen»? 😉 Mein Alltag ist ziemlich unorthodox gegliedert. Eine scharfe Trennung zwischen Arbeit und Freizeit gibt es eigentlich – und manchmal auch zu meinem Leidwesen – nicht. Am ehesten empfinde ich diejenige Zeit als Freizeit, in der ich nichts muss und schreiben kann, wann immer es mir danach ist. Ich reise aber auch viel herum, ich gehe gerne tanzen, ich liebe meine Freunde.

 

Weitere Informationen zu den Solothurner Literaturtagen hier


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      Fotos 1, 2, 3, 5 copyright Marvin Zilm