Bern – Standing ovation für die Magie des Knie Musicals

 

Würden die Berner fast exakt hundert Jahre nach der Premiere des Schweizer Nationalzirkus vor der Reitschule die Geschichte der Dynastie Knie als Musical auch mögen? Regisseur und Autor des Tanztheaters Rolf Knie war sichtlich  nervös vor der Premiere. 2,5 Stunden später applaudierte das Publikum im Zelt vor dem Nationalen Pferdezentrum minutenlang und der bekennende YB Fan war sichtlich gerührt.

Erinnern Sie sich noch an damals als sie Kind waren? Wochen bevor die Elefanten vom Bahnhof werbewirksam zum Zirkuszelt durch die Strassen liefen, hingen an den Wänden Werbeplakate mit gemalte Sujets von Dimitri, Emil oder einem Seehund, die auf die Nachmittagsvorstellung des Knies aufmerksam machten, die einem als Schüler ein Lachen ins Gesicht zauberte.
Ein Lachen zaubern und das Herz erwärmen statt Medizinwissen büffeln, das wollte auch Friedrich Knie als er seinem Vater, Leibarzt der Kaiserin Oesterreichs, nervös mitteilte, dass er fortan mit Gauklern nach dem Motto “ alles ist Zirkus, Zirkus ist alles“ mit seiner Arena Knie durchs Land ziehen wolle.
Das war Geburtsstunde der Dynastie Knie und in einem Mix aus einigen Zeilen Text zur Geschichte und sofort folgender Musik und Gesang werden die Geschehnisse der ersten Generation Knie im Musical abgehackt. Das hat derart ein hohes Tempo, das kein Platz für vertiefte Gefühle bleibt bis fast bis zum Schluss des ersten Aktes, wo am Abend nachdem Friedrich Knie vom Kaiser eine Ehrenmedaille verliehen wurde, er in den Armen seines Vaters an Herzversagen stirbt.
Zwar ist die Bühne des Zirkus ein Ort für Aussenseiter der Gesellschaft wie Clowns, Kleinwüchsige, Jongleure, wo sie in Demut vor dem Publikum eine Heimat und Broterwerb finden, aber Knie war auch immer politischen Wirren, sei es nun die von Napoleon oder Hitlers, ausgesetzt.
So ist neben dem farbenfrohen Treiben und Aufarbeiten der persönlichen Geschichten der Knies auch diese Thematik ein Thema des Musicals.
 Besonders im zweiten Teil nach der Pause wird es ernster. Die Einbürgerung der Oesterreicher in Rapperswil gestaltet sich schwieriger als vermutet, ein Sohn Knies Eugen verfällt dem Alkohol, die Brüder verkrachen sich, die Nazis machen den Knies das Leben schwer.
 Doch Rolf Knies Musical zeigt, dass das Geschäft der Unterhaltung unter dem Zirkuszelt heisst, immer wieder als Familie aufzustehen und sich den gesellschaftlichen Veränderungen stellen mit Phantasie und Poesie.
Der 1949 in Bern geborene und in Belp zur Schule gegangene Rolf Knie hat die wichtigsten Stationen der seit acht Generationen bestehenden Zirkusdynastie dank seinem Gespür für Farben und Wissen als ehemaliger Clown mit Witz, Phantasie zu einem familientauglichen Musiktheater verpackt, bei dem keine Minute Langeweile entsteht. Das Bühnenbild ist stets opulent und Zirkuskunst und Geschichte befruchten sich gegenseitig. Abstriche gibt es bei der Musik. Die Melodien tragen zwar die Geschichte weiter, aber nicht mehr. Kein Song bleibt im Ohr hängen und summt als Ohrwurm noch tagelang weiter wie man das von anderen internationalen Musicals kennt. Auch sind die Texte oft holprig.
Trotzdem ist „Knie – das  Circus Musical“ beste Unterhaltung über 100 Jahre Nationalzirkus und 200 Jahre Knie und wohl so etwas wie das Vermächtnis des Rolf Knie.

Musical – Vorstellungen noch bis zum 6. Juli in Bern

 und weitere Informationen hier 

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