Wabern – Faber oder Marius Bear – wer war besser am Gurtenfestival?

 

Es gab Zeiten, da waren internationale Stars am Gurtenfestival. Mit Patent Ochsner und Lo & Leduc als Hauptact ist es dieses Jahr nicht so. Aber der Donnerstag zeigte, dass die Schweiz männlichen Nachwuchs hat mit internationalem Format.

 

Das ging aber schnell. Vor drei Jahren noch am Zermatt unplugged in einem kleinen Bergrestaurant als unbekannter Neuling und nun auf der Hauptbühne des Gurtenfestivals. Vielleicht geht bei Julian Pollina wie Faber mit bürgerlichem Namen heisst, alles schneller weil sein Vater der Liedermacher Pippo ist und dem Sohn alles mitgegeben hat, um über Deutschland auch in der Schweiz ein Grosser zu werden. Bei unserem Nachbaren war Faber öfters auf Tournee und der Ruf, dass hier ein Sänger sich bei jedem Konzert auskotzt und bis zum Umfallen sich verausgibt, ist ihm jeweils vorausgeeilt.
Mit einem Glas Weisswein und hoffentlicht von der Sonne rotem Kopf betrat Faber im Beisein seiner vierköpfigen Band die Bühne und nahm lange vom Publikum keine Notiz. Doch das war eher Ablenkung von der Nervosität, den Familie und viele Zürcher Freunde waren im Publikum. Hochdeutsche Texte mit Tiefgang einem Publikum schmackhaft zu machen, dass eigentlich nicht Denken und Hören will sondern feiern und vergessen, ist eine schwierige Aufgabe. Aber Faber hat ja nicht nur Texte von Bedeutung, die eher in eine Kneipe den ein Openair passen würden sondern er hat auch Rhythmus. Und so rettete der Bossa Nova die Stimmung, wenn die Schwermut im Text auf die Stimmung drückte. Mit viel Inbrunst, totaler Hingabe an den Moment und stets mit bierernster Mine – Faber war gross, intelligent, eigen und ganz sich selbst, das gab viel Applaus und die Erkenntnis „a Star is born“.

 

In der Schule im Appenzell sagten die Mitschüler zu Marius Bär, wie er mit bürgerlichem Namen heisst, dass er aussehe wie ein Bär, esse wie einer und singe wie einer. Als er vor dem Berner  Waldbühneauftritt noch in Arosa auftrat, ging er als erstes in den dortigen Bärenpark und machte ein Foto von seinem Namenvetter. Vielleicht hätte er auch eines vom Bärenpark machen sollen.
Nun am Donnerstagabend war neben ihm noch jemand nervös. Der Vater ging sicher ein Dutzend Mal vor und unter die Bühne, den er ist Berner und einige Verwandte waren im Publikum, dass vor allem aus Frauen bestand, den die mögen Kerle mit dunkler Stimme. Nicht wie Joe Cocker sondern wie Rag n Bone Man tönt es, wenn Marius den Mund öffnet, da bleibt manchem der Mund offen stehen. Ein gewaltiges Organ, das erst mit 20 Jahren den Mut fasste, sich dem Publikum zu zeigen. Doch zum Klang einer Stimme gehören auch gute Songs und die ersten vier waren Mist und langweilig. Sie seien erst neulich entstanden, sagte Marius, der bis heute die erste aufgenommene LP in New York verschrotten liess, weil sie schlecht war und die zweite in London aufgenommen nur als EP rausgibt. Nur ein Song konnte das Publikum während des ganzen Auftrittes zum Tanzen animieren, der Rest war sehr episch, romantisch und zu langsam, dass sich bald Langeweile breit machte.
Als Marius Bear sich die Gitarre schnappte, an der er wirklich ein Könner ist und sich an die zwei Jahre als Strassenmusiker mit einem Berndeutschenlied erinnerte, war auf ein Mal so was wie Wahrhaftigkeit da.
Schade, Marius Baer hatte eine einmalig grosse Stimme aber kein Talent als Songschreiber in Englisch  und die 4-köpfige Band hilft ihm auch nicht weiter. Es scheint als hätte sich der Bär im (Musik)Wald verlaufen oder noch nicht gefunden. Hoffentlich endete der erste Appenzeller Popsänger nicht wieder als Strassensänger in Herisau.

Weitere Informationen zum Gurtenfestival hier

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