Jegenstorf – Wer war der ermordete Vincent River?

Nachdem Davey auf einer Bahnhofstoilette im Londoner East End Sex mit Vincent River hatte, wird dieser dort vor seinen Augen von Schwulenhassern ermordet. Nun trifft er auf seine Mutter. Die Remise Bühne Jegenstorf zeigt dieses Kammerspiel von Philip Ridley unter der Regie von Renate Adam bis zum 24. November.

Zwei Klapperstühle, einige Kisten, zwei Koffern, ein Campingbett, viel ist nicht in der Wohnung von Anita (Daniéle Themis) als der 17-jährige Davey (Simon Burkhalter) die Mutter des ermordeten Vincent aufsucht, um zu lügen. Er hätte ihren Sohn per Zufall in der kaputten Bahnhofstoilette gefunden, als er mit seiner Verlobten draussen war und unbedingt pissen musste. Doch Anita ist eine aus East End, dem Ghetto Londons, wo der Ton rau und das Ueberleben hart ist und Frauen, die 53 Jahren alt sind und ihren unehelichen Sohn durch Schwulenhasser verloren haben, trinken. Sie glaubt ihm kein Wort.

In den ersten 40 Minuten versucht Anita anhand eines kalten, rasanten Frage Antwort Spiel, das herauszufinden von Davey, was die Polizei bisher nicht schaffte, Informationen zu den Mördern ihres Sohnes. Dazwischen gibt sie viel preis über das kaputte Leben Vincents und die Mutter Sohn Beziehung, die keine war, weil sie sein Schwulsein nie richtig akzeptieren konnte.
Stückeschreiber Phlilip Ridley wartet nicht lange, wirft dem Zuschauer von der ersten Minute an viele Informationen über die sozialen Status und die Gefühlswelt der zwei Darsteller und des Toten um die Ohren. Der Rhythmus der Sprache ist sehr schnell, Slang der  Grossstadt halt und der Zuschauer muss dauernd aufpassen nicht etwas zu verpassen in dieser Aufarbeitung eines Mordes.  Das wirkt recht ermüdend und bald fragt man sich: Spricht eine gebrochene Mutter derart schnell, aggressiv und kalt? Wo bleiben die Gefühle?
Endlich nach einer Stunde fliesen die ersten Tränen und Davey übernimmt das Zepter in diesem Zweipersonenstück und erzählt wie er Vincent im Spital, wo seine Mutter wegen Krebs behandelt wurde, kennen gelernt hat. Noch bevor er minuziös den ersten Sex auf den Pissoir mit Vincent mit Anita durchspielt, rauchen sie zusammen einen Joint, kommen sich Liebhaber des Sohnes und Mutter sehr nah. Doch Anita erwacht aus dem Hoch der Droge und will wissen, wie ihr Sohn an diesem Ort, wo er für einen Fick Liebe fand, von drei Schwulenhassern getötet wurde? Davey sagt es ihr und lässt sie alleine zurück.
Während im ersten Teil von „Vincent River“ Daniéle Themis als Mutter viel, aber nicht immer klar verständlich spricht und den Bühnenraum mit grossen Gesten in Besitz nimmt, ist es der 25-jährige Simon Burkhalter, der mit Einsatz von Sprache und Körper dem Stück, seinem Spielvorschlag für die Remise Jegenstorf, Tiefgang verleiht. Der Schauspieler aus dem Emmental, der momentan Gesang studiert, ist selber schwul. Er hatte das Glück weder von den Eltern noch der Gesellschaft mit Schwulenhass beleidigt worden zu sein und fand am Bühnenstück von Philip Ridley die Klarheit in den Dialogen beeindruckend als er es vor fünf Jahren zu ersten Mal las. Nun hat er mit der Remise Jegenstorf und Regisseurin Renate Adam zwei gefunden, die den Mut haben, diese Geschichte über Aussenseiter in der Gesellschaft als Lehrstück, Sittengemälde und Psychodrama in der Provinz aufzuführen.

Weitere Informationen und Kartenbestellung hier 

Fotos wurden zur Verfügung gestellt.

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