Zug – Warum schrieb Ex-Staatsanwalt Lorenz Müller einen Krimi?

In „Endstation Gotthard“ verschwindet ein Mann und wird Monate später im Tessin tot aufgefunden. Statt der Polizei sucht der Bruder des Toten den Mörder und kommt in der Leventina dem Gegner in die Quere. Auf einem Streifzug durch die Schauplätze des Krimis in Zug verrät Autor Lorenz Müller mehr über seine Lust am Schreiben.

 

 

Lorenz Müller, Sie waren Schwyzer Staatsanwalt, nun sind Sie Jurist bei einer Versicherung. Ist Ihr Debut die Verarbeitung des Erlebten beim Staat, wo Sie in die Abgründe der menschlichen Existenz schauten oder ist es Ihnen bei der Versicherung zu langweilig und Sie begannen zu schreiben?

(Er lacht). Es ist am momentanen Arbeitsplatz sicher nicht langweilig. Ich habe mal einen Schreibkurs besucht, doch erst nach der Arbeit als Staatsanwalt fand ich die Zeit zum schreiben. Wobei ich keinen konkreten Fall beschreibe sondern eher das Erlebte aus der Berufswelt in die Geschichte mit einfliessen lasse.



Endstation Gotthard spielt zwischen Zug und der Leventina und ist fiktiv? Wieviel von Ihrer Leidenschaft für die Berge und die beiden Kantone ist drin und woher holten Sie die Inspiration?

Die Inspiration kommt aus dem Leben und dem Lesen eines Zeitungsartikels.Selbst als Ex-Staatsanwalt, der vieles gesehen hat, beschäftigen mich manche Artikel nach dem Lesen noch weiter.  Aber auch die beiden Welten, Zug als Boomstadt und der Nordtessin, der oft vergessen wird und dies es auch spürt, wenn man dort ist, waren interessante Inspirationsquellen. Ja, ich liebe die Berge sehr und gehe gern an Orte, wo ich Ruhe habe.


Sie haben ein Gespür für Spannungsbögen und rasanten Szenenwechsel, aber die Figuren bleiben über weite Strecken farblos und Dialoge sind nicht Ihre Stärke. War von Anfang an klar, dass Sie Belletristik schreiben wollten und gab es gar den Gedanken an ein Sachbuch?

Dass es ein Krimi mit Bezug zur Schweiz oder zur Region Zug werden sollte, war von Beginn weg klar. Ich verbinde Zug und die Leventina, weil mir beide Regionen wichtig sind.Sachbücher gibt es schon genug, Zuger Krimis dagegen viel zu wenige. Mich interessierte, wie Figuren sich verhalten, wenn sich die äusseren Umstände ändern und wenn sie in die Enge getrieben werden.Es ging mir dabei nicht um den „klassischen Krimi“, in dem der „Detektiv“ herausfinden will, wieso jemand gestorben ist und wer der „Böse“ ist. Mich hat es gereizt, zu sehen, was passiert, wenn man im Plot Menschen eines gewissen Schlages respektive Charaktere aufeinander los lässt. Mit ihren unterschiedlichen Verhaltensweisen und den verschiedenen Arten zu denken: Wie verhalten Sie sich in welchen Situationen? Das war für mich der Reiz.

 
Daniel Garvey, Betreiber einer Sicherheitsfirma, macht sich auf die Suche nach dem Mörder seines Bruders im Tessin, der bald ein Held wider Willen wird und Probleme bewältigen muss, mit denen er eigentlich nichts zu tun hat.Ist die Moral des Buches, das niemand böse geboren wird sondern jeder jeden Tag zwischen Gut und Böse nicht immer wählen kann?

Das ist sicher so. Keiner ist einfach nur böse oder schlecht. Im Buch hat denn auch ganz bewusst keiner eine blütenweisse Weste. Ich habe bei meiner Arbeit in der Strafverfolgung den Eindruck gewonnen, dass auch Menschen, die mit dem Gesetz arg in Konflikt geraten sind, auch eine andere Seite haben können. Menschen kann man nicht einfach in „gut“ und „böse“ unterteilen. Wir alle sind dafür viel zu komplex strukturiert. „Endstation Gotthard“ zeigt, dass man in Situationen geraten kann, in denen man Zwängen unterliegt. Plötzlich ist die vermeintliche Freiheit zu wählen, wie man handeln will, durch äussere Umstände geprägt. Dann ist der Mensch in seinen Entscheiden auf einen Schlag nicht mehr ganz so frei.


 
Garvey hat einen irischen Namen, sein Bruder ist das Gegenteil als Person. Als Jurist bei der Versicherung wissen Sie, dass wohl die meisten Betrügereien und Verbrechen gemacht werden, weil jemand das Gegenteil seiner Person in der Gesellschaft nicht aushält, Floss dieser Gedanke ins Schreiben ein?
Nun, genau diese Gegensätze sind es, die mich gereizt haben, aber meiner Meinung nach jeden spannenden Krimi ausmachen. Gut gegen Böse, klar, das sind die wichtigsten Gegenpole im Krimi oder Thriller. Aber in „Endstation Gotthard“ waren mir eben nicht nur die Unterschiede zwischen den beiden Garvey-Brüdern wichtig. Auch die Regionen Zug und Leventina könnten nicht gegensätzlicher sein. Dennoch hat beides seinen Reiz, beide Regionen sind eigentlich wunderschön, beide Garvey-Brüder haben irgendwie ihren Reiz.

Endstation Gotthard könnte der Beginn einer Reihe Zugerkrimis sein.Verziehen Sie sich in den kommenden Wintermonaten ins stille Kämmerlein zum Schreiben oder was macht Lorenz Müller in der Freizeit?

Zwar hat sogar mein Chef gesagt, dieses Buch schreie nach einer Fortsetzung, doch nun kommt die besinnliche Adventszeit und da möchte ich auch zur Ruhe kommen und liebe es bei Nebel wie heute am Zugersee spazieren zu gehen. Aber mein Hobby schreiben, werde ich sicher weiterpflegen und den Gedanken an ein neue Geschichte mit einem Teil der Figuren weiterverfolgen.

Weitere Informationen  zu Lorenz Müller und Bestellmöglichkeit hier 

 




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