Riehen – Edward Hopper und Wim Wenders in der Fondation Beyeler

Edward Hopper hat über die Malerei von Landschaftsbildern, der amerikanischen Landschaft und wie der Mensch sie prägte mit Häusern, Eisenbahnen, Industrie sich selbst und das Licht gesucht. Bei Ex-Präsident Obama hingt er im Weissen Haus und der deutsche Regiesseur Wim Wenders ist auch Fan von ihm. Warum bloss? Dies zeigt er und die Frühlingsausstellung bis zum 17.Mai in der Fondation Beyeler in Riehen.

Nachdem die Fondation im letzten Jahr dank der Picassoausstellung ihr erfolgreichstes hatte, kommt nun der 1882 in Nyack ( State New York), einer Kleinstadt nahe des Hudson River, geborene Edward Hopper mit 65 Werken als ebenfalls wie Picasso sehr wichtigen Künstler des 20. Jahrhunderts an die Reihe.
Doch im Gegensatz zum Spanier ist der Mensch hier zweitrangig. In seinen Landschaftsbildern, Aquarellen, Zeichnungen ist zum einen die Dünenlandschaft, die wenig besiedelt ist und zum anderen die ersten Anzeichen der modernen Zivilisation im Hinterland zu sehen. Der gelernte Illustrator hat sich mit der amerikanischen Landschaft auseinandergesetzt. Landschaft zum einen mit der Natur, die einem ständigen Wandel durch Ausseneinflüssen unterworfen ist und Landschaft, als Ort, der vom Menschen gestaltet wird.
Eigentlich nichts Aufregendes, es passiert nicht viel auf den Bildern und weil er etliche Details weglässt, ist fast alles kitschig. Doch warum ist der Maler in Amerika Kult? Dies findet man erst nach längerem Hinschauen raus. Es ist zum einem das Licht, die Aesthetik und ein Flair für Symbole aus dem Unbewusstsein. Der Wald kommt oft vor. Dort könnte doch mehr geschehen? Und sind die Bilder nicht nur Ausschnitte aus einem Film, der im Zuschauer zu laufen beginnt, sobald er sie sieht?
Erinnerungen an „Psycho oder Twin Peaks“ kommen hoch.
Edward Hopper hat nur etwas über 300 Bilder sein ganzes Leben gemalt, den Rest der Zeit hat er im Kino verbracht. Kreuz und Quer schaute er sich alles an und war wie heute die Jungen ein Junkie von bewegten Bildern, weil er so schüchtern und grossgewachsen war. Er malte auch viel aus dem Auto raus, lebte zurückgezogen.
Der Düsseldorfer Wim Wenders war ein Kind, das seine Eltern ins Museum mitnahm und nicht umgekehrt, weil die Gemälde seine Fantasie beflügelten für seine spätere Laufbahn als Regisseur, wie er an der Pressekonferenz schilderte. Von Edward Hopper hat er wie andere Europärer im Gegensatz zu Pollak erst in New York erfahren und seither ist es um ihn geschehen, weil man bei Hopper nie sagen könne, was zuerst war, der Film oder die Malerei, meint Wenders.
Für die aktuelle Ausstellung in der Fondation Beyeler hat er nun den 3D Kurzfilm mit dem Titel „Two or Three Things I know about Edward Hopper“ gedreht. Wenders reiste durch die USA auf der Suche nach dem „Hopper Spirit“ und filmte Schauplätze, die verdeutlichen das dieser Maler auch das Kino und Fotografie beeinflusst hat.

Weitere Informationen zur Ausstellung hier 

Bildlegenden:

1

Öl auf Leinwand
86.7 x 102.3 cm
Smithsonian American Art Museum, Gift of the Sara Roby Foundation
© Heirs of Josephine Hopper / 2019, ProLitteris, Zürich
Foto: Smithsonian American Art Museum, Gene Young

2

Öl auf Leinwand
73.8 x 102.2 cm
Dallas Museum of Art, Schenkung Mr. und Mrs. Maurice Purnell
© Heirs of Josephine Hopper / 2019, ProLitteris, Zürich
Foto: Dallas Museum of Art, Photo by Brad Flowers

3

Öl auf Leinwand
66 x 101.6 cm
Fine Arts Museums of San Francisco, Schenkung Jerrold und June Kingsley
© Heirs of Josephine Hopper / 2019, ProLitteris, Zürich
Foto: Randy Dodson, The Fine Arts Museums of San Francisco

4

Öl auf Leinwand
66.7 x 102.2 cm
The Museum of Modern Art, New York, Mrs. Simon Guggenheim Fund
© Heirs of Josephine Hopper / 2019, ProLitteris, Zurich
© 2019 Digital image, The Museum of Modern Art, New York / Scala, Florence

Bern – Les trois suisses über die neue Tournee und ihr Verhältnis zu einander

Seit 25 Jahren kennen sich Pascal Dussex und Res Burri privat und auf der Bühne als „les trois Suisses“ Zum Jubiläum gehen die beiden auf Tournee mit einer Kombination aus Musik und Comedy und feieren mit „Vagabund“ am 11. März Premiere im Casino Bern.

Erinnerten Sie sich beim Schreiben des neuen Programms „Vagabund“ an Ihre Anfänge?

Ja, das neue Programm hat etwas autobiographisches, da wir mit „Les trois Suisses“ mit Strassenmusik angefangen haben.
 
 
Wenn Sie ein neues Stück schreiben, ist das ein laufender Progress oder kommt jeder mit seinen Entwürfen, die er selber geschrieben hat und dann sucht  Ihr die perfekte Mischung oder wie geht Ihr vor?

Resli und ich bringen immer einen Sack voller Ideen mit, den wir dann ausleeren und zusammen mit Paul Steinmann, unserem Regisseur, ausmisten, ordnen, ausbauen und umschreiben.

 
Ihr kennt euch ein halbes Leben lang. Gibt es in dieser Männerfreundschaft auch Probleme oder hat jeder dem anderen seine Marotten verziehen?

Wir pflegen eine gute Psychohygiene in unserem Duo. Beide sind recht robust im Kritik einstecken, aber auch stark genug um über anstehende oder schwelende Probleme zu reden. Wenn es gar nicht geht, gehen wir zusammen in den Ausgang und alles renkt sich ein.

Auch Euer Leben kennt Schattenseiten. Wie motiviert Ihr Euch, wenn während der Tournee das Schicksal wieder zugeschlagen hat?
Privates gehört nicht auf die Bühne. Beide können sehr gut ihre persönlichen Sorgen aussen vor lassen.
 
25 Jahre auf der Bühne, da kennt man jeden Trick für einen Lacher. Wurde “Vagabund” bereits bei einem Publikum getestet oder springt Ihr jedes Mal ins kalte Wasser?
Wir testen ein neues Programm immer drei oder vier Mal vor einem Tryout-Publikum. Bei aller Erfahrung, kann man nie genau wissen, was dem Publikum besonders gefällt und oft ist man im Nachhinein erstaunt darüber, was ankommt und was weniger.
 
 
 
 Les trois Suisses sind bekannt und beliebt. Trotzdem ist auch Euer Künstlerleben ein Kampf um Aufmerksamkeit im Haifischbecken Kultur. Was macht Ihr, wenn die Vagabundtournee fertig ist?
Dann gehen wir mal wieder in den Ausgang zusammen um darüber zu sinnieren, was wir als nächstes verbrechen werden. Wenn wir weiterhin Freude haben, wird „Les trois Suisses“ wohl noch etwas weiterleben.

Tourneedaten und weitere Informationen hier

Reckingen – Boozägschichtä und andere Sagen aus dem Goms

Bernhard Schmid und Tony Lagger haben in zweijähriger Arbeit Sagen und Gedichte aus dem Oberwallis und speziell dem Goms zusammengetragen und im Band „Hinä gää mär z Aabäsizz“ veröffentlicht. Damit auch „Ausserschweizer“ das Walliserdeutsch verstehen, gibt es die Möglichkeit mittels QR-Code die schauderhaften Erzählungen anzuhören.

 

Bernhard Schmid, im Buch hat es zwanzig Sagen. Welche hat Ihnen als Kind aus Brig Angst gemacht und bei welche fröstelt es Sie heute als Erwachsener noch und um was geht es darin?

Am meisten Angst haben mir immer die Geschichten von den armen Seelen, den Totenprozessionen gemacht und auch die Geschichten, wo die Leute büssen müssen bis sie eines Tages erlöst werden.

Zusammen mit Tony Lagger (rechts), der heute im Kanton Luzern wohnt, haben Sie diesen Sagenband geschrieben. Erzählten Ihnen als Besitzer des Hotel Glocke in Reckingen Besucher und Einheimische diese Sagen oder wie fanden Sie sie?

Im Anfangsstation der Hotel Glocke machte ich Fakelwanderungen und ein Gast bat mich dabei um eine Boozengeschichte und da erinnerte ich mich an meinen Grossvater aus Ausserberg, der ein begnadeter Geschichtenerzähler war und begann diese Sagen wieder zu sammeln und aufzuschreiben.

Im Buch wird der Gommer Dialekt auch ims Schriftdeutsche übersetzt. Wie entstanden diese Sagen?

Geschah im Sommerhalbjahr auf einer abgeschiedenen Alp etwas, das man nicht erklären konnte, versuchte man mittels einer Sage dieses sich von der Seele zu reden. Es war für die Leute einfacher mittels einer Geschichte das Unerklärliche zu verarbeiten. Beim Abendensitz wurden dann diese Sagen einander erzählt.

 


Teile der 290 Buchseiten kann man sich mittels QR Code auch vorlesen lassen, da oft Walliserdeutsch besser verstanden wird, als man es lesen kann. Wie unterscheidet sich das Walliserdeutsch der Sagen von der gesprochenen Sprache und warum lieben Sie diesen Dialekt so innig, da Sie doch durch die Gäste dauernd anderes hören?

Wenn ich eine Sage erzähle, brauche ich oft alte Worte, die man heute umgangsprachlich nicht mehr so verwendet. Der QR-Code ist ja auch eine Hilfe für „Ausserschweizer“ damit sie wenigstens den Sinn einer Sage verstehen.

Zwei Jahre haben Sie am Buch mit Ihrem Freund Tony Lagger daran gearbeitet. Sicher eine intensive Zeit für diese langjährige Freundschaft. Was haben Sie für sich persönlich aus dieser Arbeit gewonnen?

Seit 30 Jahren bin ich Gastgeber und ich schrieb immer gerne.Tony schreib die Gedichte und gab die Themen vor und ich suchte dann eine Sage, Geschichte dazu aus. Tony wohnt im Sommerhalbjahr in einem Maiensääs nah der „Glocke“  und so konnten wir uns im Gegensatz zum Winter persönlich statt mit Mails austauschen. Doch im gleichen Raum zusammen schreiben wir nie.

Welche Schauplätze  der Sagen würden Sie für Touristen, die neben dem Langlaufen noch Zeit haben, empfehlen anzuschauen?

Anfang des Blinnentals steht die Staalenkappele, die erbaut wurde um schreckliche Naturgefahren zu bannen und dort kann man sich mit einem Kopfhörer die Sage des Waldbruders anhören. Im Aegnital. wo der Hahnenritter wohnte, ist es auch interessant oder hier in Reckingen gibt es die Hexe, die den Kindern Angst vor der Rhone gemacht hat und anderes zu entdecken.

Weitere Informationen zum Buch und Bestellmöglichkeit hier 

Das Platzspitzbaby – eine Filmkritik

Sechs Jahre nach der Buchveröffentlichung ist der Film von Regisseur Pierre Monnard über Mia, Tochter einer Drogenabhängigen, einer für alle Kinder, die vergessen gingen, nachdem der Platzspitz geschlossen wurde und die Politik die Süchtigen mit Kindern in ihre Heimatorte zurückschickte. 100 Minuten Schmerz und grossartige Schauspieler im Drama über das traurigste Stück jüngsten Schweizer Geschichte lassen keinen kalt.

Den Kopf nach unten gesenkt, geht die elfjährige Mia (Luna Mwezi) über den Platz hinter dem Historischen Museum neben dem Bahnhof Zürich an Dutzenden von Drogenabhängigen, die sich Heroin spritzen. Sie hört Musik aus dem Walkman, damit sie wenigstens nicht hört, was das Auge sieht, das Elend für das Zürich die Schade Europas war in den 80/90ier Jahren. Sie ruft nach ihrer Mutter. Die streitet sich mit ihrem Mann, einem Schwarzen, der seiner Frau, einer Schweizerin, da und später nicht helfen kann aus der Abwärtsspirale, die auch weitergeht, nachdem der Platzspitz geschlossen wurde.
Mutter und Tochter leben nachdem die Ehe geschieden wurde und die Politik die Heimatorte der Drogenabhängigen dazu aufforderte, dies aufzunehmen und vom Sozialdienst betreuen zu lassen wieder in der Provinz. Mia ohne Freunde muss ansehen wie ihre Mutter weiterhin nach Zürich fährt, um Drogen zu beschaffen. Sonst schläft oder raucht die den ganzen Tag und nimmt wieder zu Männern in der örtlichen Drogenszene Kontakt auf.
Während andere in der Klasse zu dieser Zeit ihre Pubertät ausleben, verbringt Mia diese Jahre im Zusehen wie sich ihre Mutter zerstört. Trotz allen Gefahren und Demütigungen zum Trotz Mia macht das, was alle Kinder machen, sie liebt ihre Mutter ohne Ende. Erst als auch noch ihre Freundin Sandrine anfängt sich mit der Szene anzufreunden und sich die Mutter mehrmals versucht hat den goldenen Schluss zu geben und einmal dabei eine Kerze bei der schlafende Tochter vergisst, die fast  im brennenden Bett stirbt, kommt es zum Streit und Schlägen. Mia flüchtet.
Anders als „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ schildert „Platzspitzbaby“ nicht wie Kinder drogenabhängig werden, sondern wie ein Mädchen alles versucht in einem teuflischen Umfeld, dies nicht zu werden. Die Kamera bleibt stets nah dem Gesicht von Mia, die von der Zürcherin Luna Mwezi gespielt wird und wie. Nicht nur ihre verblüffende Aehnlichkeit mit Autorin Michelle Halbheer sondern auch die Eindringlichkeit mit der die 2007 geborene Doppelbürgerin UK/CH die gleichaltrige Mia spielt, fasziniert und lässt einem erschauernd. Ebenfalls alles gibt die Baslerin Sarah Spale als abgemagerte Mutter. Vielen ist die Schauspielerin ja auch dem TV -Krimi „Wilder“ bekannt und glänzt hier mit der Darstellung einer gebrochenen Frau.
Zwar hat „Platzspitzbaby“ auch leichte Szenen, wo sich Mia in Traumwelten flüchtet, damit sie die kaputten Erwachsenen aushält, doch die schonungslose Darstellung als Kind einer Drogenabhängigen und  die Milleustudie überwiegen und am Schluss sind es 100 Minuten Schmerz. Ein schwere Kost, die uns Regisseur Pierre Monnard aus Chatel -St- Denise auftischt als Versagen der Gesellschaft mit schwachen Menschen umzugehen und wegzuschauen, wenn diese Hilfe brauchen.

 


Ab 16. Januar im Kino und weitere Informationen zum Film  hier 

Die Fotos wurden zur Verfügung gestellt