Das Platzspitzbaby – eine Filmkritik

Sechs Jahre nach der Buchveröffentlichung ist der Film von Regisseur Pierre Monnard über Mia, Tochter einer Drogenabhängigen, einer für alle Kinder, die vergessen gingen, nachdem der Platzspitz geschlossen wurde und die Politik die Süchtigen mit Kindern in ihre Heimatorte zurückschickte. 100 Minuten Schmerz und grossartige Schauspieler im Drama über das traurigste Stück jüngsten Schweizer Geschichte lassen keinen kalt.

Den Kopf nach unten gesenkt, geht die elfjährige Mia (Luna Mwezi) über den Platz hinter dem Historischen Museum neben dem Bahnhof Zürich an Dutzenden von Drogenabhängigen, die sich Heroin spritzen. Sie hört Musik aus dem Walkman, damit sie wenigstens nicht hört, was das Auge sieht, das Elend für das Zürich die Schade Europas war in den 80/90ier Jahren. Sie ruft nach ihrer Mutter. Die streitet sich mit ihrem Mann, einem Schwarzen, der seiner Frau, einer Schweizerin, da und später nicht helfen kann aus der Abwärtsspirale, die auch weitergeht, nachdem der Platzspitz geschlossen wurde.
Mutter und Tochter leben nachdem die Ehe geschieden wurde und die Politik die Heimatorte der Drogenabhängigen dazu aufforderte, dies aufzunehmen und vom Sozialdienst betreuen zu lassen wieder in der Provinz. Mia ohne Freunde muss ansehen wie ihre Mutter weiterhin nach Zürich fährt, um Drogen zu beschaffen. Sonst schläft oder raucht die den ganzen Tag und nimmt wieder zu Männern in der örtlichen Drogenszene Kontakt auf.
Während andere in der Klasse zu dieser Zeit ihre Pubertät ausleben, verbringt Mia diese Jahre im Zusehen wie sich ihre Mutter zerstört. Trotz allen Gefahren und Demütigungen zum Trotz Mia macht das, was alle Kinder machen, sie liebt ihre Mutter ohne Ende. Erst als auch noch ihre Freundin Sandrine anfängt sich mit der Szene anzufreunden und sich die Mutter mehrmals versucht hat den goldenen Schluss zu geben und einmal dabei eine Kerze bei der schlafende Tochter vergisst, die fast  im brennenden Bett stirbt, kommt es zum Streit und Schlägen. Mia flüchtet.
Anders als „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ schildert „Platzspitzbaby“ nicht wie Kinder drogenabhängig werden, sondern wie ein Mädchen alles versucht in einem teuflischen Umfeld, dies nicht zu werden. Die Kamera bleibt stets nah dem Gesicht von Mia, die von der Zürcherin Luna Mwezi gespielt wird und wie. Nicht nur ihre verblüffende Aehnlichkeit mit Autorin Michelle Halbheer sondern auch die Eindringlichkeit mit der die 2007 geborene Doppelbürgerin UK/CH die gleichaltrige Mia spielt, fasziniert und lässt einem erschauernd. Ebenfalls alles gibt die Baslerin Sarah Spale als abgemagerte Mutter. Vielen ist die Schauspielerin ja auch dem TV -Krimi „Wilder“ bekannt und glänzt hier mit der Darstellung einer gebrochenen Frau.
Zwar hat „Platzspitzbaby“ auch leichte Szenen, wo sich Mia in Traumwelten flüchtet, damit sie die kaputten Erwachsenen aushält, doch die schonungslose Darstellung als Kind einer Drogenabhängigen und  die Milleustudie überwiegen und am Schluss sind es 100 Minuten Schmerz. Ein schwere Kost, die uns Regisseur Pierre Monnard aus Chatel -St- Denise auftischt als Versagen der Gesellschaft mit schwachen Menschen umzugehen und wegzuschauen, wenn diese Hilfe brauchen.

 


Ab 16. Januar im Kino und weitere Informationen zum Film  hier 

Die Fotos wurden zur Verfügung gestellt

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s