Bern – Lee Krasner gelebte Farben im Paul Klee Museum

Die wichtigste amerikanische Nachkriegsmalerin Lee Krasner sagte, dass sie keine weibliche Malerin, kein amerikanische Malerin sei sondern einfach ein Maler. Das heisst, sie wollte wie ihre männlichen Kollegen und somit auch ihren Ehemann Jackson Pollak wahrgenommen werden. Zurecht wie die erste Schweizerretospektive unter dem Titel „Living Colour“ im Zentrum Paul Klee bis zum 10.5.2020 zeigt.

Wenige Monate nachdem ihre Eltern aus Russland geflohen waren, wurde Lee Krasner in Brooklyn 1908 geboren und sagte bereits in der Pubertät, dass sie Maler werden wolle und nichts anders. Zwar liessen die Eltern das junge Mädchen gewähren, aber es durfte nichts kosten und so verdiente sie ihre Zeichenschule mit Nebenjobs und später mit Schaufenstergestaltung, wo sie als Chefin auch ihren späteren Mann Jackson Pollack unter sich hatte. Doch bevor dieser eigensinnige und später alkohlkranke Mann sie verführte, war es der Deutsche Hans Hofmann, der sie in der Entwicklung weiterbrachte.
Hofmann unterichte sie nachdem Lee an den amerikanischen Kunstschule das tradionelle Werkzeug gelernt hatte, mit den aktuellen Trend in Europa und der hiess Anfang 20. Jahrhundert Kubismus. Zum ersten Mal erfand sie sich neu in ihrer Malerei und machte dies bis zu ihrem Tod 1984 immer wieder wie die Ausstellung im Paul Klee Zentrum zeigt.
Nachdem Pollak ihr Mann wurde und oft zuviel trank, beschloss sie zwar weiterhin ihn zu vermarkten und seinen Erfolg mitzutragen, aber sie zogen aufs Land, wo der Alkohol nicht so leicht zu beschaffen war. Hier zeriss sie ihre und teilweise auch Pollaks Entwürfe und klebte sie zu Mosaiken und mit Farbe zu neuen Kompositionen zusammen. Als sie zu ersten Europareise nach Paris aufbrach, raste ihr Ehemann in den Tod und neben der Verwaltung seines Nachlasses litt sie nach der Rückkehr an Schlaflosigkeit, malte nur noch in Erdtönen.
Aber als Pionierin des Abstrakten Expressionsmus kehrt sie in den 60ier Jahren wieder zur Farbe zurück und wählte das Grossformat. Aber sie stieg auf keinen Stuhl um die Ecken zu fühlen sondern sprang vor der Riesenleinwand auf und ab. Doch wie ein Film eines Fotografen in der Ausstellung beweist, verlor sie bei dieser gestischen Malerei nie die Kontrolle und behielt den Ueberblick.
In den 70ier Jahren wurden die Formen der Natur wichtiger und sie kehrte wieder zur Collage zurück.
Die Ausstellung Lee Krasner – Living Coleur im Zentrum Paul Klee beinhaltet 60 Arbeiten. Der Aufwand der Beschaffung war während der dreijährigen Vorbereitungszeit enorm, da sogar auch Australien Werke zu sehen sind und auch eines, da bereits verkauft ist und zum letzten Mal zu sehen ist. Die Retrospektive belegt auch die Aussage Lee Krasners, dass jede Malerei biografisch sei und man so jeden Künstler lesen könne. Und am Ende der Ausstellung kommt rüber, wofür Lee Krasner gelebt hat, die Freude an den Farben ohne politische oder feministische Botschaft.

Weitere Informationen zur Ausstellung hier 

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