Filmkritik – Micha Lewinskys Moskau einfach oder Liebe ist stärker als die Fiche

Welches Stilmittel kann dem grössten Skandal der Schweizer Nachkriegsgeschichte, die Fichenaffäre, gerecht werden? Regisseur Micha Lewsinksy , selber fichiert worden, wählte die Komödie mit Mike Müller und Philippe Graber in den Hauptrollen. „Moskau einfach“ ist ab dem 13. Februar im Kino zu sehen.

Früher, also vor 30 Jahren, als sie als Leser noch das Telefon benutzten, um Leute mit linker Haltung zu treffen, wurden sie überwacht. Heute werden sie es im Internet dauernd, nur haben diese Spione kein Gesicht, wie damals. Einer dieser Spione von 900000 Verdächtigen ist Viktor Schuler (Philippe Graber), Zürcher Polizist, der dokumentiert alles was links, unkonventionell und unschweizerisch ist und seine Opfer glaubt er wie sein Boss (Mike Müller) am Zürcher Schauspielhaus zu finden. Plant da die Schauspielerin und Tochter Odila (Miriam Stein) vom Polizeivorsteher einen undemokratischen Akt mit den Russen?
Mike Müller weiss, wie man dies herausfinden kann. Er beurlaubt Viktor und schleust Walo Hubacher, ehemaliger Matrose, als Statist in die Shakespeare Inszenierung von „Was ihr wollt“.
In Jeans und Lederjacke geht Viktor, nein Walo, zur Leseprobe und hält die Ohren offen für Informationen, die er fortan auf seiner Schreibmaschine zu Hause als Fiche anlegt.
Aber statt einer politischen Verschwörung findet er die Liebe. Odila Julia und er kommen sich näher, werden fast ein Paar als die Berliner Mauer fällt und die Schweiz über die Abschaffung des Miliärs abstimmt, doch eben nur fast, den die Schauspielerin entdeckt in der Wohnung von Walo, die Beschattungsfotos, die Viktor geschossen hat.
Micha Lewinsky ist wie sein Vater Charles ein begabter Schreiber nur eben nicht für die Belletristik sondern für den Film, für seine Filme wie „der Freund, die Standesbeamtin“. Auch dieses Mal nach einem etwas harzigen Start überzeugt das Drehbuch den schwierigen Stoff der Fichenaffäre eine leichte Note hinzuzufügen mit einer Komödie. So ist für die junge Internetgeneration der Zugang zum grössten Staatsskandal der Nachkriegsgeschichte der Schweiz leichter. „Moskau einfach“ ist aber auch ein Film über die Idenität von Erwachsenen. Haben sie neben der Rolle im Beruf überhaupt noch eine Persönlichkeit und kommt diese erst in der Liebe zum Vorschein, da Liebe bekanntlich die Kraft hat Mauern niederzureissen und Masken abzulegen.
„Moskau einfach“ ist nach „Platzspitzbabdy“ bereist der zweite Film in diesem Jahr, der sich der jüngeren Geschichte der Schweiz annimmt, aber mit vielen Momenten, wo man lacht und schmunzelt bevor wieder ein Stück Tatsache kommt, die eindeutig leichtere Kost.

Weitere Informationen zum Film hier 

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