Zürich – Modedesigner YORN und sein Rückblick auf das Glück im Leben

 

Obwohl der Modedesigner Yorn als junger Mann vom Fleck weg als Assistent von Christian Dior engagiert wurde, ein Modelabel an der Champs-Elysées gründete und den Pariser Chic nach Deutschland brachte, ist sein Buch „Gast im Glück“ keines über Mode sondern voll Erinnerungen an glückliche Szenen aus seinem Leben. Warum dies so ist, erklärt er im Interview.

Ihr Buch trägt den Titel Gast im Glück. Können Sie beschreiben, was Glück für Sie bedeutet?


YORN: Ein Spaziergang mit meinem Hund in den Hügeln der Provence. Eine Klettertour in den Gorges du Verdon. Ein Espresso mit Freunden im Caffè Greco in Rom. Die Kinderszenen von Robert Schumann. Das Finale aus dem Rosenkavalier mit Elisabeth Schwarzkopf, Christa Ludwig und Herbert von Karajan. Das alles ist für mich Glück auf Erden.

Wann kam Ihnen die Idee zu diesem Buch?

YORN: Es ist an der Zeit für mich, danke zu sagen. Danke für alle geschenkten Augenblicke. Danke an Paris. Danke an all die Menschen, die mir geholfen haben, dort zu sein, wo ich heute bin: Angekommen.

Gast im Glück ist keine Biographie. Kein weiteres Buch über die Mode. Diese erscheint nur schemenhaft wie eine Kulisse im Hintergrund. Es ist keine Selbstverherrlichung eines Couturiers mit seinen Highlights. Es ist vielmehr eine Rückblende ohne Pathos. Erinnerungen an glückliche Szenen aus meinem Leben.

Wann und wo schreiben Sie am liebsten?


YORN: Meine Gedanken zu diesem Buch habe ich seit langem auf fliegenden Blättern festgehalten. Sie verfolgten mich Tag und Nacht. Überall klebten die gelben Zettel. Ich fühlte mich umgeben von den Meilensteinen meines Lebens. Da ich kein Computerfan bin, habe ich das Buch von Hand geschrieben und hatte dabei selber einen Heidenspaß, die wie Skizzen hingeworfenen Notizen in passende Worte zu fassen. Ein großer Korbsessel unter der Platane in meinem Garten in der Provence war der ideale Platz, mich an all die glücklichen Momente zu erinnern. Vielleicht hat dabei auch der Rosé dazu beigetragen.
Ihr Freund Jean-Jacques Sempé hat für Gast im Glück exklusive Zeichnungen gefertigt. Wie ist es dazu gekommen?

YORN: Wir sind seit Jahren befreundet. Und als ich Jean-Jacques in der Provence vom Gast im Glück erzählte und ihm daraus einige amüsante Szenen, wie zum Beispiel meine erste Reise nach Paris in Begleitung einer Giraffe, präsentierte, schlug er mir sofort vor, den Gast im Glück zu illustrieren. Es war für mich wie ein Geschenk des Himmels, denn seine rührenden Zeichnungen sind für mich und den Leser eine Inszenierung meiner Erzählungen. Merci, Jean-Jacques!

Mode, so schreiben Sie, sei immer auch Ausdruck ihrer Zeit. Wenn Sie zurückblicken, wo liegen für Sie die größten Unterschiede zwischen der heutigen Mode und der Mode Ihrer Anfangszeit in den 50er und 60er Jahren?

YORN: Drei große Revolutionen haben die Modewelt in den letzten sechzig Jahren grundlegend verändert: Technik, Unisex, Jeans.
Die Mode ist stets ein Spiegelbild ihrer Zeit. Dank dem Fortschritt in der Technik ist es der Mode heute möglich, sich unserer chaotischen Zeit anzupassen und trotzdem attraktiv zu bleiben. Dank der Technik trotzt sie mit falschen Pelzen und Kunstleder der vehementen Kritik der Tierschutzvereine. Der übertriebene Körperkult verlangt nach modernen Textilien, die jede Figur nahtlos, wie eine zweite Haut, umhüllen. Das alles ist heute möglich.
Das Gewissen einer umweltfreundlichen Gesellschaft wird damit beruhigt, dass unter anderem das Recycling gebrauchter Plastikflaschen es ermöglicht, neue Materialien zu erfinden, die sogar in der Pariser Haute Couture als Trendsetter auf dem Laufsteg erscheinen und reißenden Absatz finden.
Überdimensionale Reißverschlüsse, Nägel, Nieten und Sicherheitsnadeln wurden in den Achtzigern unabkömmliche Merkmale einer aggressiven Unisex-Mode. ER umgibt sich gerne mit einem femininen Touch, während SIE sich im maskulinen Outfit als Powerwoman darstellt. Unisex wurde in. Besonders die Jeansmode hat hierzu einen entscheidenden Beitrag geleistet. Dieses anhaltende Phänomen einer weltweiten Uniformierung in der Mode ist einmalig und war in den sechziger Jahren vollkommen undenkbar. So wie es damals unvorstellbar war, dass heute das Wort »élégance« aus dem französischen Wortschatz so gut wie verschwunden ist.

Ganz allgemein: Worin unterscheidet sich die französische von der deutschen Mode?


YORN: Es ist schwierig, zwei starke Persönlichkeiten miteinander zu vergleichen. Die französische Mode ist Trendsetter der internationalen Mode. Sie ist wagemutig, manchmal respektlos, extravagant, voller Phantasie, kreativ, herausfordernd, sexy, schockierend, geistreich und witzig, hat Charme, aber auch eine gesunde Portion Selbstironie. Sie ist launenhaft und hat absolute Starallüren. Stets erwartet man von ihr, aufs Neue überrascht zu werden.
Die deutsche Mode erfüllt andere Voraussetzungen. Sie überrascht nicht, ist eher diskret. Auch besitzt sie weder die Aura noch die Launen eines Stars. Doch man kann sich auf sie verlassen. Dank ihrer Fähigkeit, sich mit viel Talent allem Neuen anzupassen, ist es ihr gelungen, sich einen festen Platz mit eigenem Stil in der Modewelt zu schaffen, ohne jedoch damit, wie ihre französische Schwester, internationale Trends zu diktieren. Diese Rolle bleibt weiterhin der Pariser Mode vorbehalten.

Sie waren gerade einmal 27 Jahre alt, als Sie Ihr eigenes Haute-Couture-Haus in Paris eröffneten. Ein mutiger Schritt, gerade im Hinblick auf das finanzielle Risiko, das Sie trugen. Würden Sie sich das heute noch einmal trauen? Sollten wir überhaupt mutiger sein?


YORN: Die Zeiten waren rosig. Das Motto »Alles ist möglich, du musst es nur wollen!« half uns damals, Berge zu versetzen. Der Enthusiasmus einer zielstrebigen und wagemutigen Jugend wurde kräftig unterstützt, ohne dass, wie heute, sofort eine hohe Rendite erwartet wurde. Draufgängerisch, manchmal vielleicht etwas leichtsinnig, da ich keine »Angst vor dem Morgen« kannte, blickte ich in diese rosige Zukunft und wagte den großen Sprung. Ich hatte das Glück, dass gleich mein erster Versuch erfolgreich war.
Christian Dior hatte mir den Weg gezeigt. Mein Ziel habe ich alleine gesucht und gefunden.

Neben der couture spielt auch die cuisine eine wichtige Rolle in Ihrem Leben, dem Buch sind sogar einige Ihrer Lieblingsrezepte beigefügt. Wieso ist Ihnen die Kulinarik so wichtig?

YORN: Nicht die Küche als solche ist mir wichtig, sondern vielmehr meine seit Jahren liebevoll gesammelten Rezepte, die mich an glückliche Momente in meinem Leben erinnern. Sie sind die köstlichen Zeugen meiner Vergangenheit. Denn auch Rezepte sind wie die Mode ein Ausdruck ihrer Zeit. Nur: »Die Mode vergeht – doch die Küche besteht.«
Wie andere Menschen Tagebücher über ihr Leben führen, notiere ich seit Jahren große und kleine, wichtige und unwichtige Begebenheiten anhand von Rezepten. Uralte Leitzordner mit fliegenden Seiten, Schulhefte mit Eselsohren, vergilbte Zettel unter Plastikfolien sind ein profundes Beweismaterial meines Daseins als Gast im Glück. Man kann das Glück auch schmecken.

»Die Mode vergeht – die Küche besteht« – Ähnliches sagt man auch über das Schreiben selbst (»Wer schreibt, der bleibt«). War das auch einer der Gründe für dieses Buch, wollten Sie etwas Bleibendes schaffen?


YORN: Mit diesem Buch hatte ich niemals auch nur die geringste Absicht, mir ein Denkmal zu setzen. Wenn ich etwas Bleibendes schaffen möchte, dann pflanze ich Bäume.

Sie haben einen Großteil Ihres Lebens in Paris verbracht mit seinen schicken Modehäusern und Restaurants. Trotzdem schildern Sie in Gast im Glück sehr glaubhaft Ihre Vorstellung von einem einfachen und bescheidenen Leben. Welche Rolle spielt hierbei ihre hanseatische Herkunft? Und welchen Stellenwert hat für Sie der Ruhm?


YORN: Die größte Tragik für einen erfolgreichen Couturier ist die Gefahr der Selbstverherrlichung. Viele Künstler sind inmitten ihrer Karriere an diesem Übel zerbrochen. Unterstützt von schmeichlerischen Komplimenten falscher Freunde, verliert man schnell jede natürliche Beziehung zur Realität und lebt abgeschottet in einer Scheinwelt, in der es keinen Platz mehr für ein einfaches glückliches Leben gibt. Einsam vegetiert man umgeben von einem schillernden Hof voller scheinheiliger Anbeter. Man stellt sich nicht mehr in Frage, duldet keinerlei Kritik und hat jegliche lebenswichtige Selbstironie aus seinem Leben verbannt.
Der Erfolg ist etwas Wunderbares, da man ihn mit anderen Menschen teilen kann. Im Gegensatz zum Ruhm, den man nicht teilen kann. Madame de Staël beschrieb das in ihren Memoiren: »La gloire est le deuil éclatant du bonheur« – Der Ruhm ist der Abgesang auf das Glück.
Meine hanseatische Erziehung sowie mein Freundeskreis haben mich stets davor bewahrt, auch nur den leisesten Anflug von Beweihräucherung meiner eigenen Person zu empfinden. Die Wahrsagerin in der Rue de la Paix hatte recht, als sie mir einst für ein paar Francs eine gütige Zukunft vorhersagte: »Tu sera connu!« – Du wirst bekannt sein! Damit hatte sie nicht berühmt gemeint.
Das Buch Yorn – Gast im Glück  – erschien im Diogenes Verlag
Weitere Informationen zum Buch hier
Fotos: Yorn Privatbesitz/copyright Diogenes Verlag

Aschaffenburg – Dominic Fischer will mit deutschem Pop auf eigenem Label durchstarten

Der Mann hat so Einiges im Showgeschäft gemacht und erlebt und mit dem Album „Jetzt ist die Zeit“, will er sich nicht mehr fremdbestimmen lassen sondern den Weg gehen mit seinem Popschlager, den er für den richtigen hält. Ein Bayer, der auch in der Schweiz wahrgenommen werden sollte.

 
 

Dominic Fischer, in der Schweiz kennt man Sie noch nicht, wer sind Sie?

 
Tatsächlich bin ich in der Schweiz noch ein eher unbeschriebenes Blatt und das trotz der Tatsache, das ich schon einige Auftritte dort mein Eigen nennen konnte.
Wer ich bin? Das ist eine schwierige Frage, die ich eben genau mit meinen neuen Songs versuche zu beantworten.
Nachdem ich über 40 KG Gewicht verloren habe und mit neu gewonnenem Selbstbewusstsein im Gepäck, wagte ich mich erstmals 2005 auf die Bühne, um endgültig meiner Leidenschaft nachzugehen: Musik. Mit dem Castingsieg und Eintritt bei der Boygroup SpektaCOOLAir startete ich meine Reise, die ich vor allem meinem musikalischen Vorbild und der tiefen Freundschaft zu Richy Dee verdanke. 2007 gründetete ich gemeinsam mit einem Freund die Pop-Rock-Band VERLEGEN, die über 200 Auftritte ihr Eigen nennen durfte (Beste Newcomer Band Hessens). Nach Auflösung der Band ging es weiter, über ausverkaufte Musicalvorstellungen mit KILLERQUEEN, Soloauftritten und letztlich auf neue Wege, dank der Gewinne um die Titel „Mister Bayern 2012“ & „Vize Mister Euro International“ – die mich zu der Zeit zu einem gefragten Gesicht für Fashionshows und Fotoshootings machten – doch das war absolute nicht meine Welt. So kam es zu den 1. Schauspielrollen, u. a. bei Alarm für Cobra 11, bis ich bei DSDS 2017 zu Dieters Lieblingen zählte. Diese Zeit beendet, kam ein großer Meilenstein: Die Schlager-Boygroup Zeit-Flug. Mit den chartplatzierten Songs kamen auch die ganz großen Auftritte, u. a. bei Florian Silbereisen oder in TV-Shows, wie Take me out (über 6 Mio. Zuschauer).
Doch ehrlich gesagt, fühlte ich mich in dieser Rolle nicht wohl… es war nicht echt und es war nicht ich!
Gemeinsam mit Initialgeber Marc Merscher, dem Songwriter Behnke sowie dem Erfolgsproduzenten David Joris, wurde der Traum nun aber endlich wahr: Ein Solo-Album, bestehend aus Songs und Erahrungen meines Lebens. 2020 bin ich zurück, um einmal mehr sein Talent zu zeigen und vor allem alle anzuregen, sie selbst zu sein.

 

 Vor wenigen Tagen erschien die Single “Es wird Zeit”. Um was geht es darin und war Schlager schon immer Ihr Ding?
 
Es wird Zeit ist die Erzählung meiner Reisen durch Depression, Selbstzweifel und Angst. Ich hatte es immer geträumt, aber nie wirklich gelebt, ich selbst zu sein und hörte die Sanduhr quasi laufen. Mit Es wird Zeit möchte ich es nun einmal mehr mir selbst beweisen, mich befreien und hoffe sehr, das dies auch vielen anderen Menschen eine Hilfestelltung gibt, denn wann ist der richtige Zeitpunkt, um man selbst zu sein? Immer dann, wenn das Herz es sagt.
Schlager liegt mir sehr am Herzen, vor allem nach über 400 Auftritten mit der Band Zeit-Flug, die Schlager pur zelebrierte. Doch ehrlich gesagt empfand ich es als Gefängnis, denn es war nicht echt. Lieder werden verfasst, um kommerziell zu verkaufen und oft hat man kaum Mitspracherecht über das eigene Image. Jetzt habe ich eine Musik gefunden, meine Musik, die alle Einflüsse verschmelzen lässt, die 90er, Schlager, Pop, Rock und sogar fernöstliche Elemente. Das ist was ich bin – vielseitig!
Haben Sie nicht Angst, dass das Publikum Ihre Produktion nicht kennenlernt, da ich die Livewerbung wegfällt?
 

Absolut nein. Wir leben in einer sich verändernden Zeit und genauso müssen wir uns auch verändern. Das war doch schon immer so und wird auch immer so bleiben. Selbstverständlich fehlt mir die Bühne, aber ich habe sie ja auch bewusst im letzten Jahr gemieden, um etwas zu schaffen, das Zukunft hat. Und unsere Zukunft wird sich ändern, so auch die Musik.

Sie haben beschlossen Ihre Gesangkarriere jetzt ohne grosses Label und Manager zu starten. Hatten Sie in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen gemacht?
Leider ja. Wissen Sie, es ist unfassbar schwierig Menschen im privaten Umfeld zu finden, denen man alles anvertrauen kann, denen man quasi seine Seele offenlegt. Dies wird so oft missbraucht. Und nun stellen Sie sich eine Industrie vor, die nichts anderes als falsche Hoffnungen zu verkaufen tagtäglich zelebriert. Selbstverständlich gibt es hier, wie auch bei ganz engen Freunden, auch viele gute Schafe im Stall – doch sie zu finden ist Glückssache. Ich bin kein Mensch, der sich permanent vorschreiben lassen möchte was er singt, wie er auszusehen hat und wer er ist. Ich möchte ich sein und das soll mein Publikum sehen. Geht es denn nicht darum bei Musik, die Hose runterzulassen und einfach blanke, nackte Gefühle zu zeigen. Echtheit zu leben und auch zu besingen?

2012 waren Sie Mister Bayern und ich habe ein Video gesehen, wo es um Ihre Haare ging. Aussehen ist Ihnen wichtig, wie halten Sie sich nun fit und munter in diesen Zeiten?

 
Gute Frage.Selbstverständlich ist mir meine Optik nicht egal, aber auch nicht Dreh und Wendepunkt meines Lebens. Ich bin eitel, das triffts glaube ich ganz gut, was nach meiner Vorgeschichte, die sehr SCHWER war, auch verständlich ist. Aktuell mache ich viel Ausdauertraining, bin so oft es geht draußen, zum Joggen, Inline Skaten oder um ein paar einfache Bodyweightübungen zu machen. Sogar im Tanzen per Online-Kurs habe ich mich versucht – solche Zeiten bewegen uns zu den mysteriösesten Dingen.
Bei uns herrscht quasi Hausisolation. Wohl bei Ihnen teilweise auch. Wie gehen Sie damit um?

Da ich bayerischer Bürger bin, geht es mir leider ganz genauso. Die Isolation ist unfassbar schwer für mich, da ich es liebe dem Klang von Menschen zu lauschen und auch viele zu treffen- Berufsrisiko. Ich bin ja auch Event Manager und daher schmerzt es mich gleich doppelt. Aber es gibt so viele Möglichkeiten mit wichtigen Personen in Kontakt zu bleiben, per Skype, Instagram oder anderen Plattformen. Witzig ist, das man jetzt erst richtig merkt, wer einem wirklich etwas bedeuted und wer einem etwas wert ist. Es gibt so viele Freunde, die ich zu meinem sehr sehr engen Kreis zählte. Man könnte erwarten, das diese nun die sind, die ich täglich spreche… Leider nein. Diese Krise verändert uns und unser Leben nachhaltig, doch alles hat seinen Grund und wird auch entsprechend seine Früchte tragen – die wir dann hoffentlich bald ernten!

Weitere Informationen zu Dominic Fischer hier 

Die Fotos wurden von Domic Fischer bereitgestellt

Zürich – Sänger Mark Ed zu „Hier und Jetzt“ auf der Bühne und abseits

Seit 12 Jahren lebt Mark Ed aus Stuttgart der Liebe wegen in Zürich und eigentlich hätte das Popschlageralbum „Hier und Jetzt“, das kurz vor den Bundesratsmassnahmen erschien, ein Frühlingserfolg sein sollen. Doch der Virus kam und änderte alles. Wie es Mark Ed persönlich geht und wie weiter mit seiner Karriere, verrät er im Interview.

 

 

Mark Ed Anfang März erschien das neue Album “Hier und Jetzt”. Bevor wir auf die Musik zu sprechen kommen. Wie geht es Ihnen im “Hier und Jetzt” in der “Bleib zu Hause” Zeit und wie verbringen Sie den Tag?

 

Wie die meisten von uns, sitze auch ich zu Hause und gehe nur noch vor die Türe zum Einkaufen oder um mit dem Hund zu laufen. Für mich ist diese Situation jetzt nichts komplett Neues, da ich das letzte halbe Jahr schon viel von zu Hause aus am Album gearbeitet habe. Untätig bin ich jedoch nicht und habe schon die Rohversionen von vier neuen Songs fertig, stehe in der Küche um zu kochen oder backen, den Balkon sommerfertig zu machen oder, wie heute, um Fenster zu putzen. Irgendwie hat aber auch die Ruhe seine Vorzüge, die in der Stadt momentan herrscht – oder, besser gesagt, geherrscht hat, bis das Wetter letztes Wochenende auf Frühling umgeschaltet hat.

 

 

Auf der Single “ Tu m`as promis” die auch hier in Deutschfreiburg Achtung findet, sind Sie liebenskrank. Hat der Umzug aus Deutschland nach Zürich einer Beziehung geschadet oder singen Sie auch nicht persönliche Geschichten auf dem Album?

 

Geschadet? Im Gegenteil- ich bin ja der Liebe wegen Stuttgart in die Schweiz gezogen, somit einer der schönsten Gründe, seinen Wohnsitz zu verlegen. Meine Lieder sind jetzt nicht Wort für Wort autobiographisch, jedoch kennt jeder das schlechte Gefühl, wenn eine Liebe endet. Aber ein paar andere Themen behandele ich ja zum Glück auch noch und bin , wenn es auch vielleicht manchmal anders anmutet, ein sehr positiv gestimmter Mensch.

 

 

Sie waren in einer Boyband, als erwachsener Mann sangen Sie auch Englisch und nun erstmals Deutsch. Folgen Sie einem Trend oder kam mit dem Alter, der Wunsch Gefühle wahrhafter auszudrücken?

 

Man hat als Künstler ja immer irgendwie das Gefühl, englisch singen zu müssen, um die Zielgruppe zu vergrössern. Dann ist es anfangs für mich auch einfacher gewesen, englische Texte zu schreiben, da der Wortschatz etwas einfacher zu handhaben ist. Irgendwann habe ich jedoch feststellen müssen, dass ich aber nur auf deutsch richtig authentisch sein kann. Dass es dann auch ein französischer Text geworden ist, ist meiner Liebe zu Sprachen zu verdanken und ich liebe französische und italienische Lyrics, die eine Melodie so richtig unterstreichen und klingen lassen.

 

 

Sie wurden mit der Veröffentlichung des Album kurz vor der Krise ein Opfer der Zeit. Was machen Sie, da ja die Auftritte nun wegfallen, damit das Album nicht floppt und die Produktionskosten reinkommen?

 

Die Produktionskosten reinzuspielen war nicht das Ziel- wir reden hier immerhin vom Wert eines hochpreisigen Kleinwagens, da muss viel über den Ladentisch gehen, um das zu amortisieren. Eine Releaseparty haben wir frühzeitig schon abgesagt, da es schwierig war, eine Location zu bekommen und dann auch absehbar war, dass da etwas auf uns zu kommt- hierüber bin sehr froh, denn wenn man das plant und dnan absagenmuss kurz vor dem Termin, dann tut’s richtig weh- auch im Portemonnaie. Und jetzt stelle man sich vor, man macht so eine Show und hinterher stellt sich raus, dass diese eine Herd war für Ansteckungen- ein wahres Horrorszenario! Der Shutdown in Europa hat uns zu einem Zeitpunkt eingeholt, zu dem wir dran waren, die Sommershows zu planen. Eine war schon kommuniziert, da fix, diese wurde aber schon abgesagt. Alle anderen Verhandlungen sind jetzt erst einmal auf Eis gelegt und werden wahrscheinlich auch den Sicherheitsvorkehrungen zum Opfer fallen. Absolut verständlich- Sicherheit und Gesundheit gehen vor, schade ist es natürlich dennoch aber eben auch nicht zu ändern.

 

 

Sie traten auch schon an der Gaywest in Bern auf und sind in der Gayszene als Sänger bekannt. Trotzdem finden auf dem Album auch andere Themen wie die Wahrung vor Neonazis in “maschieren”  einen Platz. Ich behaupte, Sie sind ein wachsamer Zeitgenosse und erkennen Sie Angst vor Gewalt gegen Randgruppen wie in Zürch an Silvester?

 

Da ich selbst ja Teil der Gay Community bin, ist das auch immer ein Thema, wenn es auch nicht unbedingt explizit so ‚gebrandet‘ ist. Aber ich bin schwul und somit sind meine Texte das natürlich auch. Wir leben im Jahr 2020, da sollte das auch keine Rolle mehr spielen. Die Gewalt gegen LGBTI, die wir hier in Zürich in der Vergangenheit erleben mussten, sind inakzeptabel und müssen ab sofort auch eben anständig als Gewalt gegen diese Gruppe erfasst, verfolgt und hart bestraft werden. Wir sind hier in Mitteleuropa im 21ten Jahrhundert und wem unsere Werte (auch in anderen Bereichen des Lebens) nicht passen, hat sich trotzdem anzupassen und muss diese akzeptieren und leben. Ich kann ja auch nicht auf die Strasse gehen und jemanden zusammenschlagen, weil er eine Nase hat, die mir nicht passt. Für mich selbst habe ich keine Angst, mich frei zu bewegen, bin aber, um ehrlich zu sein, auch nicht mehr im Nightlife unterwegs, das ist mir inzwischen zu anstrengend. Aber generell sind Themen wie der wieder aufkeimende Rechtspopulismus, Umwelt, Menschenrechte und auch der Tierschutz Themen, die mir am Herzen liegen und die dann eben auch einen Platz in meinen Texten finden, wenn es dann passt oder aber auch in meinen Social Media Kanälen thematisiert werden.

 

 

Damit wir Sie noch besser kennenlernen. Welche Charaktereigenschaft an sich mögen Sie und welche weniger?

 

Das Problem an diesen Eigenschaften ist, dass die für mich positiven Eigenschaften für meine Umwelt ja auch unbequem sein können. Zum Beispiel bin ich sehr ordnungsliebend und hasse Wasserflecken auf Armaturen oder im Wasch- oder Spülbecken. Für mich ist das positiv, jetzt sollten wir die Frage aber an meinen Mann weiterreichen, er ist da wohl ‚manchmal‘ etwas gestresst darüber 🙂 Weniger gut ist wohl die Tatsache, dass ich absolut ungeduldig bin und das in allen Lebenslagen, woraus auch mein Hang zur Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit resultiert, die ich nicht nur versuche, selbst einzuhalten, sondern dies auch von meiner Umwelt einforderen möchte, was man ja aber auch nicht erzwingen kann. Ich bemühe mich, dass diese Ungeduld nicht allzu häufig ‚ausbricht‘ und ich es für mich als ‚inneren Aufreger‘ behalte.

 

Weitere Informationen zu Mark Ed hier

Die Fotos wurden von Mark Ed zur Verfügung gestellt

Zürich – Peter Hossli über den Mordfall Stadelmann

„Mit der rechten Hand fasste er den Wagenheber, zog so weit aus, wie es das Autodach zuliess und versetzte Stadelmann einen zünftigen Schlag. Märki schlug so stark er konnte und hoffte, der Hiebe würde reichen, den Händler für mindestens eine Viertelstunde in Ohnmacht zu versetzen.“ Doch es kommt anders. Schriftsteller Peter Hossli beschreibt in „Revolverchuchi“ wie zwei Liebende 1957 zu Mörder werden.

 Mit “Revolverchuchi” kehrten Sie als in Zürcher lebender Aargauer wieder in die Heimat zurück. Was interessierte Sie an dieser Mordgeschichte, die Sie an Weihnachten erzählt bekamen, damit sie am Mordtag die Mordfahrt nachgefahren sind?

Ich hatte zuvor noch nie vom Mordfall Stadelmann gehört. Zuerst packte mich die aussergewöhnliche Geschichte. Sie erinnerte mich an die Filme der Coen-Brüder. Es geht um Menschen, die in Situationen geraten, die sie nicht mehr kontrollieren können. Je mehr ich erfuhr, desto bewusster wurde mir die tiefe Menschlichkeit dieser Geschichte. Es geht um wahre Liebe und um verzweifelte Versuche, aus dem ärmlichen sozialen Milieu auszubrechen. Im Zuge meiner Recherchen entdeckte ich fast alle Facetten des Menschseins. Mich interessierten zudem die fünfziger Jahre, eine Zeit mitten im Kalten Krieg, die von der Geschichtsschreibung wenig beleuchtet wird. Zuletzt hat der Fall etwas mit meiner Herkunft zu tun. Ich bin in den Ortschaften aufgewachsen, in denen sich die Geschichte zugetragen hat. Für mich war es eine Art home coming nach vielen Jahren als Korrespondent in den USA.
Nach der Niederschrift könnten Sie welche Theorie unterschreiben. Mann wird Mörder aus Angst vor dem sozialen Abstieg oder Mann wird als Mörder geboren?

Bei jedem Mord sind die Umstände anders. Max Märki und Ragnhild Flater wollten Peter Stadelmann nicht töten. Sie wollten ihn berauben. Der Plan war sehr krude, und er ging nicht auf. Deshalb musste Peter Stadelmann sterben. Zweifelsohne hatten die beiden kriminelle Energie. Zumal zumindest Max zuvor schon einen Erpressungsversuch unternommen hatte. Und offenbar waren sie in der Lage, gegen einen Menschen Gewalt anzuwenden. Max hatte eine sehr schwierige Kindheit mit viel psychischer und physischer Gewalt. Das hat ihn geprägt. Und das hat bei ihm eine gewisse Gewaltbereitschaft hinterlassen.
Für die Recherche besuchten Sie auch den Sohn des Mörders. Kann man mit einem solchen Erbe geradeauf durchs Leben gehen?

Das stimmt nicht, ich habe mit dem Bruder von Max Märki gesprochen. Er hat mir bei der Recherche geholfen, und er hat mir viel über seinen Bruder erzählt. Allerdings waren die Akten für meine Arbeit wichtiger als die persönlichen Schilderungen, da diese gefärbter und weniger objektiv sind. Zu unserer Gesellschaft und zu unserem Rechtssystem gehört die Rehabilitation. Max wie sein Bruder haben ihre Strafen verbüsst. Beide sind nach ihren Gefängnisaufenthalten aufrechte Bürger gewesen und haben etwas geleistet für die Gesellschaft.

Hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine Frau. Ich behaupte, dass dieser Mord nie ohne Ragnhild Flater stattgefunden hätte?

Das lässt sich nicht abschliessend beantworten. Was stimmt: Max hat Ragnhild sehr geliebt. Die beiden wollten zusammen in den USA ein neues Leben anfangen. Dafür brauchten sie Geld. Und dieses wollten sie sich durch einen Raub beschaffen. Die Idee kam von Max, Ragnhild schloss sich ihr an.

Wir leben in schwierigen Zeiten und einige werden auf die schiefe Bahn geraten. Spielt das Zeitgeschehen auch eine Rolle für den Mord an Peter Stadelmann?

Menschen töten sich seit es Menschen gibt. Beim Mordfall Stadelmann spielte die soziale Komponente bestimmt eine wichtige Rolle. Das Leben von Max Märki war ein Fluchtversuch. Er wollte woanders sein, und zwar beruflich, persönlich, geografisch. Er wollte soziale aufsteigen, mit Ragnhild leben, nach Amerika gehen. Er wollte das, was viele andere zu jener Zeit hatten. Er aber nahm am Wirtschaftswunder der 1950er-Jahre nicht teil.


Bleibt zu Hause – die Aufforderung der Zeit ist für Sie kein Problem nehme ich an, da Sie schreiben. Oder was macht der Peter Hossli in der Freizeit?

Für einen Reporter ist es nicht einfach, die Menschen, über die er schreibt, nicht zu treffen. Eine Begegnung am Telefon ist nicht das gleiche wie eine persönliche Begegnung. Das eigentliche Schreiben kommt ja erst am Schluss, nach der Begegnung, nach der Beobachtung, nach den Gespräch. Insofern wird meine Arbeit beeinträchtigt. Ich bewege mich gerne draussen, und mache das immer noch. Natürlich alleine und immer auf Distanz. Und ich hoffe, wir finden bald wieder zur Normalität zurück.

Weitere Informationen zum Buch Revolverchuchi hier 

Fotolegende
1, 2, 3 copyright

Ralph Diemer.