Zürich – Sänger Mark Ed zu „Hier und Jetzt“ auf der Bühne und abseits

Seit 12 Jahren lebt Mark Ed aus Stuttgart der Liebe wegen in Zürich und eigentlich hätte das Popschlageralbum „Hier und Jetzt“, das kurz vor den Bundesratsmassnahmen erschien, ein Frühlingserfolg sein sollen. Doch der Virus kam und änderte alles. Wie es Mark Ed persönlich geht und wie weiter mit seiner Karriere, verrät er im Interview.

 

 

Mark Ed Anfang März erschien das neue Album “Hier und Jetzt”. Bevor wir auf die Musik zu sprechen kommen. Wie geht es Ihnen im “Hier und Jetzt” in der “Bleib zu Hause” Zeit und wie verbringen Sie den Tag?

 

Wie die meisten von uns, sitze auch ich zu Hause und gehe nur noch vor die Türe zum Einkaufen oder um mit dem Hund zu laufen. Für mich ist diese Situation jetzt nichts komplett Neues, da ich das letzte halbe Jahr schon viel von zu Hause aus am Album gearbeitet habe. Untätig bin ich jedoch nicht und habe schon die Rohversionen von vier neuen Songs fertig, stehe in der Küche um zu kochen oder backen, den Balkon sommerfertig zu machen oder, wie heute, um Fenster zu putzen. Irgendwie hat aber auch die Ruhe seine Vorzüge, die in der Stadt momentan herrscht – oder, besser gesagt, geherrscht hat, bis das Wetter letztes Wochenende auf Frühling umgeschaltet hat.

 

 

Auf der Single “ Tu m`as promis” die auch hier in Deutschfreiburg Achtung findet, sind Sie liebenskrank. Hat der Umzug aus Deutschland nach Zürich einer Beziehung geschadet oder singen Sie auch nicht persönliche Geschichten auf dem Album?

 

Geschadet? Im Gegenteil- ich bin ja der Liebe wegen Stuttgart in die Schweiz gezogen, somit einer der schönsten Gründe, seinen Wohnsitz zu verlegen. Meine Lieder sind jetzt nicht Wort für Wort autobiographisch, jedoch kennt jeder das schlechte Gefühl, wenn eine Liebe endet. Aber ein paar andere Themen behandele ich ja zum Glück auch noch und bin , wenn es auch vielleicht manchmal anders anmutet, ein sehr positiv gestimmter Mensch.

 

 

Sie waren in einer Boyband, als erwachsener Mann sangen Sie auch Englisch und nun erstmals Deutsch. Folgen Sie einem Trend oder kam mit dem Alter, der Wunsch Gefühle wahrhafter auszudrücken?

 

Man hat als Künstler ja immer irgendwie das Gefühl, englisch singen zu müssen, um die Zielgruppe zu vergrössern. Dann ist es anfangs für mich auch einfacher gewesen, englische Texte zu schreiben, da der Wortschatz etwas einfacher zu handhaben ist. Irgendwann habe ich jedoch feststellen müssen, dass ich aber nur auf deutsch richtig authentisch sein kann. Dass es dann auch ein französischer Text geworden ist, ist meiner Liebe zu Sprachen zu verdanken und ich liebe französische und italienische Lyrics, die eine Melodie so richtig unterstreichen und klingen lassen.

 

 

Sie wurden mit der Veröffentlichung des Album kurz vor der Krise ein Opfer der Zeit. Was machen Sie, da ja die Auftritte nun wegfallen, damit das Album nicht floppt und die Produktionskosten reinkommen?

 

Die Produktionskosten reinzuspielen war nicht das Ziel- wir reden hier immerhin vom Wert eines hochpreisigen Kleinwagens, da muss viel über den Ladentisch gehen, um das zu amortisieren. Eine Releaseparty haben wir frühzeitig schon abgesagt, da es schwierig war, eine Location zu bekommen und dann auch absehbar war, dass da etwas auf uns zu kommt- hierüber bin sehr froh, denn wenn man das plant und dnan absagenmuss kurz vor dem Termin, dann tut’s richtig weh- auch im Portemonnaie. Und jetzt stelle man sich vor, man macht so eine Show und hinterher stellt sich raus, dass diese eine Herd war für Ansteckungen- ein wahres Horrorszenario! Der Shutdown in Europa hat uns zu einem Zeitpunkt eingeholt, zu dem wir dran waren, die Sommershows zu planen. Eine war schon kommuniziert, da fix, diese wurde aber schon abgesagt. Alle anderen Verhandlungen sind jetzt erst einmal auf Eis gelegt und werden wahrscheinlich auch den Sicherheitsvorkehrungen zum Opfer fallen. Absolut verständlich- Sicherheit und Gesundheit gehen vor, schade ist es natürlich dennoch aber eben auch nicht zu ändern.

 

 

Sie traten auch schon an der Gaywest in Bern auf und sind in der Gayszene als Sänger bekannt. Trotzdem finden auf dem Album auch andere Themen wie die Wahrung vor Neonazis in “maschieren”  einen Platz. Ich behaupte, Sie sind ein wachsamer Zeitgenosse und erkennen Sie Angst vor Gewalt gegen Randgruppen wie in Zürch an Silvester?

 

Da ich selbst ja Teil der Gay Community bin, ist das auch immer ein Thema, wenn es auch nicht unbedingt explizit so ‚gebrandet‘ ist. Aber ich bin schwul und somit sind meine Texte das natürlich auch. Wir leben im Jahr 2020, da sollte das auch keine Rolle mehr spielen. Die Gewalt gegen LGBTI, die wir hier in Zürich in der Vergangenheit erleben mussten, sind inakzeptabel und müssen ab sofort auch eben anständig als Gewalt gegen diese Gruppe erfasst, verfolgt und hart bestraft werden. Wir sind hier in Mitteleuropa im 21ten Jahrhundert und wem unsere Werte (auch in anderen Bereichen des Lebens) nicht passen, hat sich trotzdem anzupassen und muss diese akzeptieren und leben. Ich kann ja auch nicht auf die Strasse gehen und jemanden zusammenschlagen, weil er eine Nase hat, die mir nicht passt. Für mich selbst habe ich keine Angst, mich frei zu bewegen, bin aber, um ehrlich zu sein, auch nicht mehr im Nightlife unterwegs, das ist mir inzwischen zu anstrengend. Aber generell sind Themen wie der wieder aufkeimende Rechtspopulismus, Umwelt, Menschenrechte und auch der Tierschutz Themen, die mir am Herzen liegen und die dann eben auch einen Platz in meinen Texten finden, wenn es dann passt oder aber auch in meinen Social Media Kanälen thematisiert werden.

 

 

Damit wir Sie noch besser kennenlernen. Welche Charaktereigenschaft an sich mögen Sie und welche weniger?

 

Das Problem an diesen Eigenschaften ist, dass die für mich positiven Eigenschaften für meine Umwelt ja auch unbequem sein können. Zum Beispiel bin ich sehr ordnungsliebend und hasse Wasserflecken auf Armaturen oder im Wasch- oder Spülbecken. Für mich ist das positiv, jetzt sollten wir die Frage aber an meinen Mann weiterreichen, er ist da wohl ‚manchmal‘ etwas gestresst darüber 🙂 Weniger gut ist wohl die Tatsache, dass ich absolut ungeduldig bin und das in allen Lebenslagen, woraus auch mein Hang zur Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit resultiert, die ich nicht nur versuche, selbst einzuhalten, sondern dies auch von meiner Umwelt einforderen möchte, was man ja aber auch nicht erzwingen kann. Ich bemühe mich, dass diese Ungeduld nicht allzu häufig ‚ausbricht‘ und ich es für mich als ‚inneren Aufreger‘ behalte.

 

Weitere Informationen zu Mark Ed hier

Die Fotos wurden von Mark Ed zur Verfügung gestellt

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