Zürich – Philippe Djians neuer Roman Morgengrauen

Als Sänger Stefan Eicher bei den diesjährigen Swissmusicawards in Luzern eine Trophäe für sein Lebenswerk erhielt, würdige ihn der scheu Schriftsteller Philippe Djian und trat nach langem wieder an die Oeffentlichkeit. Vorher hatte er gerade seinen Roman „Morgengrauen“ an seinem Wohnort Lausanne abgeschlossen, der nun erschienen ist. Nun ein „Betty Blue“ ist es nicht geworden.

Philippe Dijan hat armenische Wurzeln und wuchs in Paris auf, arbeitete als Lektor und war nicht, was viele beim Lesen von seinem Kultbuch „37, 2 Grad  Betty Blue“ vermuteten ein Aussenseiter, der wie der verhinderte Schriftsteller im Buch, einer wilden jungen Frau verfällt, die verrückt wird, er damit überfordert ist, sie in eine Seelenanstalt steckt und dort aus Liebe ermordet. Doch „Morgengrauen“ greift wieder einige Themen aus dem Kultbuch auf.
Nein, Philippe Dijan ist ein Kettenraucher, der still lebt und viel schreibt. Es sei schwierig an ihn ranzukommen, heisst es, aber wer seine Freundschaft geniesst, wird reichlich beschenkt wie Stefan Eicher mit Songtexten, ohne die die Karriere des Berner Sängers nie so gross geworden wäre in Frankreich.
Seit 1981 ist fast jedes Jahr ein Buch von Dijan erschienen, von denen vier verfilmt wurden. Also ein Schriftsteller, der weis, wie es geht  schnell schreibt und  mehr oder weniger auch immer ähnliche Figuren wählt. Komische, leidenschaftliche Franzosen würde man auf den ersten Blick sagen.
In „Morgengrauen“ kümmert sich Joan um ihren Bruder Marlon, seit beider Eltern bei einem Autounfall ums Leben gekommen sind. Der junge Mann kann nicht alleine Leben, zu sehr treibt ihn die Angst um – vor der Dunkelheit, vor dem Bösen. Joan verdient sich ihr Geld in einem zweifelhaften Etablissement und ist eigentlich absolut kein Familienmensch, doch liebt sie ihren Bruder über alles. Als Marlon unter wiederholten Panikattacken leidet, muss sie einsehen, dass es ihre Kräfte übersteigt, allein für ihren Bruder verantwortlich zu sein. Sie bittet ihre sechzigjährige Freundin Ann- Margaret um Hilfe. Doch tritt sie damit eine weitere Katastrophe los.

Zu Beginn seiner Karriere schrieben manche Kritiker, dass ein Satz von Dijan ein Angstzittern hervorrufe, doch davon ist über viele Seiten zu Beginn in „Morgengrauen“ nichts zu spüren. Ist das neueste Werk nun ein Alterswerk ohne Pfiff?
Nein, es dauert einfach bis der alte Djian wieder auftaucht, der krass, tabulos schreibt und die Gewalt, Korruption in einem scheinbar unscheinbaren Leben an einem unscheinbaren braven Ort, wo Menschen, plötzlich ihr Gesicht ändern und pervers werden, zu einem echten Djian verknüpft.

Weitere Informationen und Leseprobe vom Roman Morgengrauen,

 der Diogenes Verlag erschien,  hier 

Fotos:
 Autorenfoto Philippe Djian, copyright Editions Gallimard.
Buchcover copyright Diogenes Verlag

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