Bern – Torch Song oder die schwule Suche nach Ehrerbietung und Glück im Käfigturmtheater


30 Jahre begleitet das Broadwaystück von Harvey Fierstein „Torch Song“ Arnold Beckoff in New York auf der Suche nach einem Mann fürs Leben, einem Adoptivsohn und ein Paar Hasenpantoffeln, um am Ende nach drei Stunden festzustellen, dass Ehrerbietung als Schwuler in dieser Welt wohl nie ganz glückt. Unter der Regie von Alec Broennimann und Stefan Hugi, einem fantastischen Fabian Netos-Claus als Arnold führt das Theater Central das Stück bis zum 1.November auf.

1971. Als Viele noch dachten, schwul seien gewisse Männer, weil Gott sie nicht liebt, malt sich Arnold den Lidstrich nach, um als Entertainer oder besser Dragqueen für einige Minuten auf der Bühne, dass einzufordern, was ihm im Alltag auch eine Stadt wie New York nicht gibt, Aufmerksamkeit und Respekt. Fabian Netos-Claus als Arnold Beckoff spricht mit Selbstironie über das schwule Leben direkt mit dem Publikum, das seinen Witz von der ersten Minute an zu schätzen weiss und in den nächsten drei Stunden oft darüber lacht und seine nie nachlassende Aufopferung für seine Rolle bestaunt.
In der Bar mit Darkroom lernt er Ed, den Bisexuellen kennen und lieben. Simon Schär als Ed vermag nur zu Beginn seiner Rolle gerecht werden, im Laufe der nächsten Stunden verblast seine Laienschauspielkunst zusehens und seine Sätze haben keine Gefühl mehr, werden nur aufgesagt.

Teil zwei der Triology spielt nach langer Umbauzeit im Bett zu viert. Wo die Verwirrten Arnold, Ei, seine Frau und der Stricher Alain 1975 über das Begehren und Betrügen und Versöhnen viel sprechen. Das Geplauder ist nur dank den Sprüchen erträglich. Obwohl der Autor Harvey Fierstein in der neuen Fassung, die das Theater Central nun spielt, das Stück um über eine Stunde gekürzt hat, vermögen die vielen Sitcomelemente über die Regenbogenfamilie nicht davon ablenken, dass das Stück zuviele Längen hat und den Schauspielern Nutzloses in den Mund legt.
Nach der Pause.1980, Daniel der Adoptivsohn mischt mit seinem frechen Mundwerk als ehemaliger Punk das Zusammenleben von Ed und Arnold auf  bis dessen Mutter durch die Tür kommt und der Krieg beginnt.  Carol Wiedmer als Ma schiesst einen Pfeil nach dem anderen auf ihren Sohn, der mit allen Mitteln kämpft um Ehrerbietung nicht für das, was Mutter als Stellvertreterin der konservativen Gesellschaft auf den ersten Blick in ihm sieht und ein Urteil fällt sondern für das was er ist, ein Menschen auf der Suche nach Glück und Liebe.
Eigentlich könnte der dritte Teil für sich stehen, den „Torch Song“ ist hier Drama pur und dank der Schauspielkunst von Mutter und Arnold packend und hat viel Tiefgang im Suchen nach dem was keiner kaufen kann, Liebe und Respekt. Doch nach drei Stunden Theater mit Maskenpflicht waren die Zuschauer an der nicht ausverkauften Premiere schon recht müde, so das der Schlussapplaus nur wohlwollend ausfiel. 

Nach „Vincent River, Paradise City“ ist „Torch Song “ die dritte Produktion in einem Jahr in Bern, die das schwule Leben thematisiert. Es verarbeitet viel Themen aus dem Leben eines Schwulen mit viel Text, etlichen Längen und halt auch mit Worten und Handlungen aus einer schon etliche Jahre zurückliegender Zeit. Aber das Stück steht auch für den schwierigen Weg seiner Identität Raum zu geben und das ist zeitlos.

Weitere Informationen zu Torch Song hier 

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