Rapperswil-Jona – Wo Frédéric Zwicker Radost schrieb und wie er da lebt

Der 1983 geborene Frédéric Zwicker ist Frontmann der Band Knuts Koffer und Autor des Buches „Radost“, indem der Lokaljournalist Fabian auf Sanisbar Max kennenlernt, drei Jahre später wieder trifft und von dessen seelischer Krankheit erfährt. Max hat Erinnerungslücken beim Verfassen seiner Biografie, also radelt Fabian für ihn nochmals nach Zagreb und weiter, ein Roadtrip beginnt.

Frédéric Zwicker, auf dem Freitagsmarkt treffen wir Freundinnen von Ihnen, die Mütter sind. Ihre Mutter kommt aus Schmitten, Deutschfreiburg, Sie wuchsen in Lausanne auf und leben nun in Rapperswil. Hat Ihre Lebensgeschichte Sie für Sprache sensibel gemacht oder eher die Musik?

Also in Lausanne wurde ich nur geboren und zog kurze Zeit später nach Jona. Was mich sicher empfänglich für Sprache gemacht hat, war die Sprachsensibilität der Eltern, wo beide verschiedene Sprache gesprochen haben. Die Musik hat sicher einen grossen Einfluss darauf wie ich Sprache empfinde und benutze.

Auf dem Lindenhügel mit See und Kloster im Hintergrund soll es, sobald die Touristen weg, abends still sein zum schreiben. Ihr Debut 2016 über Demenz im Altersheim entstand nach dem Sie den Zivildienst in bei den Alten gemacht hatten, im neuen Buch Radost geht es um Max aus Lachen, der in der Psychiatrie landet. Schreiben Sie über Randfiguren der Gesellschaft, weil Sie als Autor auch eher als Randfigur betrachtet werden?

Das wäre ein unbewusstes Motiv. Ich empfinde mich bedingt als Randfigur. Klar machen meinen Beruf nur wenige Prozent der Bevölkerung. Ich interessiere mich für Themen, die nicht so offensichtlich sind und wo ich finde, es wäre wichtig das Augenmerk der Leser darauf zu richten. Ich muss auch über Themen schreiben, wo ich genug darüber verstehe. Für Radost sprach ich mit Betroffenen seelischer Krankheiten, Psychologen, Psychiater und sandte anschliessend Ausschnitte aus dem Text zur Begutachtung an sie.

Vor dem Cafe INÄ ein Austausch mit Ihrem Freund seit Schultagen. Radost als die Geschichte eines Mannes zu lesen mit seelischer Zerbrechlichkeit ist zu wenig, warum?

Mir geht es im Buch schon stark um die Freundschaft von Fabian und Max und wie diese einen Einfluss auf beider Leben hat und wie sich das Leben von Max im Leben von Fabian anfängt zu spiegeln. Anderseits ist auch wichtig, was ich über Ex-Jugoslawien speziell Kroatien und Ostafrika schreibe. Einige Leser sagten mir, sie wollten nach der Lektüre des Buches eine Reise dorthin machen. Das finde ich schön, da doch das Bild der Jugos in meine Jugend durch den Krieg schlecht war. Auch Sansibar und Afrika wo heute die Flüchtlingsströme herkommen, steckt in meinem Buch.

Bei stürmischem Wetter gabs vor dem Esperantokleiderladen die Buchvernissage, heute eine neue Mütze. Sie unterrichten noch in Basel, lieben das Reisen nach Ostafrika, haben eine Band etc. Ist der Zwicker in Rastloser, der schreibt, um für sich etwas festzuhalten?

(lange Pause) Rastlos, leider ja. Wenn etwas beendet ist, mache ich sofort wieder mit was Neuem weiter und vieles mache ich auch parallel. Ja, auf der einen Seite schreibe ich, um etwas festzuhalten, aber auf der anderen Seite auch, um etwas zu verändern. Ich habe auch immer einen aufklärerischen Aufsatz, dass ich einen Einblick gewähren will und den Leuten Denkanstösse geben möchte. Es geht in meiner Arbeit darum, etwas zu bewegen.

Auf der anderen Seite des Hafens werden Sie mir gleich Ihr Ruderboot zeigen, wo Sie drin stundenlang auf dem See lesen. In der jetzigen und kommenden Situation fallen Lesungen weg, gab es Diskussionen mit dem Verlag, das Buch zu verschieben und warum haben Sie den Verlag gewechselt zu Zytglogge?

Weggegangen von Nagel und Kimche bin ich, weil es Turbulenzen beim Verlag gegeben hatte nach dem Verkauf. Ich habe eine Agentur, die mich auch beraten tut und nach der Suche nach einem neuen Verlag wurde ich begeistert von Zytglogge aufgenommen, auch weil sie vieles im Buch Radost sahen, was ich auch sah, das war für mich sehr motivierend. Wie sich die momentane Situation auf die Lesungen auswirkt, werden wir sehen, eine Verschiebung des Buches stand nie zur Diskussion.

Bei Ihnen zu Hause sitzt ein grosser Bär von einem Bandmitglied am Küchentisch und  stehen Instrumente rum. Was hat der Zwicker für Hobbies oder machen Sie alle Hobbies zum Beruf?

Das von Hobbies zum Beruf machen,  hat schon was. Einerseits bin ich Autor, anderseits Musiker und beides sind brotlose Künste, aber ich lebe davon. Ansonsten treibe ich gerne Sport. (….. er joggt über den Berg nach Einsiedeln… wir lachen). Ich treffen mich gerne mit Freunden, bin viel in der Natur, im Wald, fahre Ski oder Snowboard und mein Ehrgeiz ist alles zu perfektionieren. Ich habe verschieden Jobs ausprobiert, wurde aber nicht glücklich. Es fehlt mir einfach etwas, wenn ich meine Umwelt, so wie ich sie wahrnehme, nicht mit diesen Mittel, die mir nahestehen, verarbeite und das sind Schreiben und Musik. Das ist in mir drin und muss raus, da habe ich die nötige Konzentration und kann es stundenlang tun.

Weitere Informationen zu F. Zwickers Buch Radost hier 

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