Riehen – Rodin und Arp im Vergleich in der Fondation Beyeler


Ausser einer kurzen Begegnung im Pariser Atelier pflegten Rodin und Arp in der Stadt keinen Kontakt, doch beide haben die moderne Bildhauerei geprägt und die Fondation Beyeler stellt nun die beiden Künstler im Dialog zwischen figürlicher und abstrakter Bildhauerei in der Ausstellung bis zum 16. Mai gegenüber.

„Rodin/Arp“ – der Titel der neuen Ausstellung ist kein Zufall, spielen doch beide Namen im Leben von Direktor Sam Keller eine wichtige Rolle. Als Jugendlicher spielte er in Riehen Fussball und schlich sich nachts über den Zaun eines Parks, wo Rodin gezeigt und er zum ersten Mal von Kunst berührt wurde und später studierte. Als er vom Gründer der Fondation Ernst Beyeler gefragt wurde vor 15 Jahren, ob er das Museum übernehmen würde, geschah dies vor einer Collage von Arp. 

Nun hängen 106 Leihgaben trotz schwierigem Umfeld der Beschaffung in den Fondation und Rafael Bouvier ist der Kurator der Ausstellung, die eines zeigt, auch Fan sein, kann einen Künstler weit bringen. 

Dann ausser einer nicht dokumentierten Begegnung im Pariser Atelier von Rodin war ihm der 1886 in Strasburg geborene und 1966 in Basel gestorbene Hans Peter Wilhelm Arp egal. Aber nicht umgekehrt. Dazu war der Franzose  Francoise August Rodin einfach zu genial als Vertreter der Moderne, der mit seiner etwas machohaften Art wie sein Vater als Polizist, Figuren in Stein und Marmor haute, die monumental und sinnlich zugleich waren. 

Rodin versuchte das Leben von Innen nach aussen dazustellen, er setzt vieles zufällig zusammen, arbeitet mit dem Model, verlangte von diesem extrem Situationen ab, verrenkte den  Körper. Arp hat dies bei seinen Collagen auch gemacht, aber er holt die Figuren vom Sockel. Seine Skulpturen wachsen aus dem Boden, er sieht eine Verbindung Mensch-Pflanze und die Veränderung im Laufe eines Menschenlebens ist auch ein Thema. Auch gelingt es Arp eine Skulptur so zu schaffen, dass, wenn man uns sie geht, sie auf allen Seiten ein anderes Bild von sich gibt.
Der Dialog, den Kurator Rafael Bouvier durch alle Räume schafft, fragt: Was verbindet, was unterscheidet diese beiden Männer und ihre Arbeiten? Und dies nicht nur im bildhauerischen sondern auch im grafischen Schaffen. 

Beide Künstler haben eine Hingabe zum Torso. Trotz fehlendem Kopf oder Rumpf ist dieser Körperteil bei beiden das Objekt der Begierde, wobei sicher Rodin mehr Sinn für Erotik hatte und sein Privatsekretär Rainer Maria Rilke zu Gedichten inspirierte und noch heute sind Figuren wie „Der Denker“ oder „der Kuss“ Meilensteine bildender Kunst.

Zwar ist die Ausstellung etwas gar schwer vom teilweise dunklen Material her in diesen Zeiten, aber auch der Park des Museums wird mit einbezogen sowie Zeichnungen und Collagen beider Künstler, so dass der Stein als Ausdrucksform nicht alleine im Raum steht.

Weitere Informationen zur Ausstellung hier 

Fotonachweis

1  

AUGUSTE RODIN, DER KUSS, GROSSE FASSUNG, 1889–1898

Bronze (Coubertin, 2008), 181,5 x 112,3 x 117 cm
Sammlung Fondation Pierre Gianadda, Martigny
Foto: Michel Darbellay – Fondation Pierre Gianadda

HANS ARP, MENSCHLICH MONDHAFT GEISTERHAFT, 1950

Gips, 83 x 65 x 50 cm
Musée national d’art moderne, Centre Georges Pompidou, Paris, Saisie de l’Administration des Douanes en 1996
Depositum in der Fondation Arp, Frankreich
© 2020, ProLitteris, Zürich
Foto: © Centre Pompidou, MNAM-CCI/Adam

AUGUSTE RODIN INMITTEN SEINER SKULPTUREN IM PAVILLON DE L’ALMA, MEUDON, UM 1902

Foto: Eugène Druet
© Musée Rodin

4

HANS ARP IN SEINEM ATELIER INMITTEN SEINER SKULPTUREN, CLAMART, 1954

Foto: Denise Colomb
© Ministère de la Culture – Médiathèque de l’architecture et du patrimoine, Dist. RMN-Grand Palais/Denise Colomb © RMN-Grand Palais

AUGUSTE RODIN, DER DENKER, ORIGINALGRÖSSE, 1880/1882

Bronze (Auguste Griffoul, 1896), 72 x 34 x 53 cm
MAH Musée d’art et d’histoire, Genf
Foto: © MAH, Genève, Photo Flora Bevilacqua

HANS ARP, AUTOMATISCHE SKULPTUR (RODIN GEWIDMET), 1938

Granit, 26 x 22 x 11,5 cm
Privatsammlung, London
© 2020, ProLitteris, Zürich
Foto: Heini Schneebeli

7

AUGUSTE RODIN, TORSO DER ADÈLE, 1882

Gips, Probeguss, 13,3 x 44,6 x 18,9 cm
Musée Rodin, Paris, Inv. S.01223
Foto: © musée Rodin (photo Christian Baraja)

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