Zürich – Smalltalk zwischen Suter und Stuckrad – Barre

Hilft der Schweizer Bestsellerautor Martin Suter dem deutschen Literaten Benjamin von Stuckrad-Barre, der in seiner 22-jährigen Karriere nur zwei gute Bücher schrieb, mit „Alle sind so ernst geworden“ zu Aufmerksamkeit oder verhält es sich ganz anders?

Als das jüngste von vier Pastorenkinder aus Rotenburg nach journalistischen Anfängen für das Musikmagazin Rolling Stone, FAZ, Stern, 1998 mit „Soloalbum“ sein literarisches Debut gab, glaubten viele Schreiberlinge, das sei der kommende Star am deutschen Literaturhimmel. Sein Debut war wie er frech, schlau und voller Lebenshunger. Doch der Benjamin wurde Kokain und Alkoholsüchtig, lebte jahrelang in zwei Welten, der des Literatur- und Kulturbetriebes und der des Junkies bis er in eine Klinik eingewiesen wurde, aber zäh wie er ist, immer wieder aufstand und im Medienzirkus weiter Aufträge und Sendeplätze bekam. Erst 2016 mit „Panikherz“ über seine Liebe zu Udo Lindenberg gelang es ihm, sich wieder an die Spitze der Bestellerliste zu setzen, doch seither ist wieder Sendepause.

Im August an der Ostsee begegnen sich Martin Suter und Stuckrad Barre in einem Hotel. Suter trägt eine orangene Badehose und ist sich nicht schade auf ein oberflächliches Gespräch einzulassen, bei dem er mit scharfen Beobachtungen aus dem Alltag dem Benjamin, der etliche Jahre jünger ist, oft den Wind aus dem Segeln nimmt. Wie so oft, wenn zwei Männer sich mit oder ohne Badehose treffen , geht das Gespräch in eine Richtung Arbeit, Frauen, Musik, Mode , 256 Seiten lang. 

„Alle sind so ernst geworden“, klar der Titel passt in dieses sehr ernste Coronajahr und für einmal wagt Diogenes ein ungewöhnliches Experiment. Zwei kluge Köpfe einfach loslabern zu lassen und das auch noch drucken. 

Der Bestellerautor Suter gewinnt damit vielleicht jüngere Fans und ist nahbarer als man es sonst mit seiner Gentlemenart sonst gewohnt ist, aber er verhilft vor allem Benjamin von Stuckrad-Barre wieder zu Aufmerksamkeit und einen Platz neben dem Literaturstar, den er sonst nicht bekommen hätte. 

Das Buch ist sehr leichte Kost, zuerst unterhaltsam, dann aber auch geschwätzig und ohne wirklichen Tiefgang. Warum sich Diogenes auf so etwas wie diesen Small talk eingelassen hat, ist mir ein Rätsel. 

Weitere Informationen zu Alle sind so ernst geworden von Diogenes hier 

Fotos Suter von Urs Jaudas copyright Diogenes

         Stuckrad-Barre von Maurice Haas copyright Diogenes

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