Freiburg – Internationaler Soundtüftler Feldermelder zeigt sein Studio und sein Leben in der Stadt

Als Kind vom Land hörte er Pink Floyd und brasilianische Musik, heute experimentiert er jeden Tag an Sounds auf dem ehemaligen Cardinalareal. Zeit für frische Luft und einen Rundgang durch Freiburg, das er als internationaler Musiker mit Konzerten zwischen New York und Peking in der Krise neu entdeckt hat. 

Wir sind vor der Uni Freiburg, wo Sie Philosophie und Geschichte studierten, aber viel lieber im Park davor waren. Wenn Leute sagen, dass was Sie machen, sei Lärmantworten Sie ihnen„last Christmas“ sei Schrott oder wie halten Sie den Pop aus?

Als ich das Programm des Kulturlokals Fri-Son machte, hatte ich noch mit Pop zu tun. Heute höre ich kein Radio, wenig TV. Die Hitparade ist mir egal. Online bestimme ich, was ich höre und da verfolge ich schon den US-Pop und Rapsachen. Beyoncé ist ein Original und das ist interessant wie bei anderen Stilen nicht die Nachahmer.


Hier hinter dem College St. Michel hat es einen Park, den Sie gerne besuchen. Sie wuchsen in Heitenried, einem
 kleinen Dorf im Sensebezirk auf. Welche Freude war grösser, einen Walkman mit Kassette oder Platz für Soundexperimente zu haben?

Ich hatte einen Walkman, den ich immer umgebaut habe, der am Schluss ein Tapedelay war mit vielen Funktionen. Ein Platz für Musik zu machen, hatte ich lange Zeit nicht, ich wurde von allen Orten, wo ich wohnte, rausgeworfen, weil es wohl zu komisch aus der Wohnung tönte. Heute ist natürlich das Studio mein ein und alles.

Die steile Stufentreppe zur Altstadt zu Ihrer ehemaligen Wohnung über einer Auberge sind wir gegangen. „For future Holographic Suns“ Ihre aktuelle Produktion erscheint nur auf Kassette obwohl alle heute digital Musik kaufen. Haben Sie im Lotto gewonnen oder war von Anfang Ihrer mittlerweile zwanzigjährigen Musikerkarriere klar, ich mache nur, was mir gefällt?

Im Lotto habe ich nicht gewonnen, lebe aber gut, wo meiner Musik. Mittlerweile kann man diese Produktion für ein Berliner Label auch digital kaufen. Eigentlich gefällt mir der Gedanke, dass das Tape nicht alle haben. Ich mag obskure Sachen. Ich bin noch gerne exklusiv, wie Sie sagen. Exklusiv ist ein nettes Wort für meine Arbeit, die wenig Leute hören oder halt nicht die breite Masse. (wir lachen). In den letzten Jahren hatte ich Spass an der Musik, die ich an Konzerten machte, einmal und dann war sie wieder weg. Viele Fans schätzen das an meinen Konzerten. Ich produziere auch für andere Musiker, habe einiges veröffentlicht, aber so an ein Festival zu gehen und zu spielen vor 1000 Leuten ist schon geil.

An der Saane hat es Sitzgelegenheiten und sie lieben dies sehr. Färbt die Virussituation auf  Ihre Musik ab?

Eine gute Frage. Bei mir bin ich nicht sicher. Für die Kassettenproduktion verwendete ich nur Instrumente, die ich immer alle selber spiele, die zwischen jetzt und den 70ier Jahren entstanden sind, um es komplett zeitlos zu machen. Beim Label, dass ich mache, merke ich, die Leute schicken ruhigere  Musik. Es gibt keinen Sinn momentan Dancetracks zu machen, weil alles zu ist. Seit ich 15 Jahre alt war, war ich nie mehr soviel im Studio wie jetzt, wo ich Zeit habe.

Auch auf dem Cardinalgelände gibt es eine Lagerhalle Kulturfactory smem mit tausenden Synthesier, alten Kassettengeräten, Computern, die Jugendliche aus ärmeren Quartieren wie Schönberg ausleihen oder ihr Laptop im Raum nebenan anschliessen und expterimentieren können. Hier züchten Sie quasi Ihren Nachwuchs ran. Sie sind 41 Jahre alt, können durch die Strassen Freiburgs gehen ohne erkannt zu werden als Manuel Oberholzer. Vermissen Sie nie den Kontakt zu Fans als introvertierter Musiker ?

Also so unerkannt kann ich nicht durch die Strassen gehen, schliesslich kennen mich auch noch Leute ausserhalb der Musikszene. Ich habe auch in der jetzigen Krise Kontakt zu Fans via mail aus der ganzen Welt. Ich schätze es sehr auf der ganzen Welt gehört zu werden. Freiburg ist ja ein Dorf, ist Heitenried mit einer grösseren Bushaltestelle. (wir lachen).

Im Studio Blue Factory haben Sie sich eingerichtet und siehe da, neben der Elektronik hat es auch eine Zitter oder afrikanische Instrumente. Kennt der Soundtüftler Manuel Oberholzer Freizeit?

Ich kenne Freizeit nicht wirklich. Ich unterscheide auch nicht zwischen Arbeit und Freizeit. In den Ferien nehme ich dort wo ich bin Sounds auf. Ich arbeite jeden Tag 10 bis 14 Stunden. Ich liebe meine Arbeit. Ab und zu gehe ich an einen HC Gottéron Hockeymatch oder schaue Konzerte an. Ich gehe nie in Bars, höchstens etwas essen, sonst mache ich immer Musik.

Weitere Informationen zum Musiker Feldermelder hier 

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