Aarau – Schweizer Skulpturen seit 1945 im Kunsthaus

Anders als beim Gemälde reagiert der ganze Körper nicht nur das Auge auf eine Skulptur. Dass sich Schweizer Bildhauer seit 1945 bis heute einen Namen gemacht haben, beweist die gross angelegte Ausstellung mit 230 Werken von 150 Kunstschaffenden bis zum 26. September.

Die beiden Kuratoren Peter Fischer und Anouchka Panchard haben sich viele Mühe gemacht und aus allen Landesteilen zusammengetragen, was sich seit 1945 mit Ausdruck, Materialien und Themen als Bildhauer beschäftigt. Neben den 150 Exponaten im Museum sind noch 24 Werke im Freien plaziert und der Besucher wird bis in den hintersten Winkel darüber informiert, welche Schaffenskunst den Bildhauer neben der Königsdisziplin Marmor und Stein sonst noch so geformt haben. Somit wird schnell klar, der Skulpturenbegriff wie er nach dem Weltkrieg definiert wurde, hat schon lange keine Gültigkeit mehr. Klar sind die Bronzefiguren von Alberto Giacometti bis heute ein Publikums- und Verkaufserfolg, doch Tinquely mit seinem Wunsch nach einer bewegten Skulptur oder Spoerri mit seinen verarbeiteten Alltagsmaterialien haben genauso Platz im Begriff Skulptur wie die aus Kunststoff gegossenen Monster von Giger zum Film „Alien“. 

Skulptur schafft nicht nur Oberfläche sondern Dimension und sie funktioniert im Innen- oder Aussenraum. Die Schwere, die oft etwas Statisches hat und auch etwas einschüchtert, ist in den 70/80ier Jahren bis heute in der Minimalart oft mit Ironie gestickt und die Haltung des Künstlers spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. Der Alltag kehrt in die Kunst ein.

Bei der heutigen Generation lassen sich neben der Schaffenslust und der Erkenntnis, dass schon alles einmal da war auch das Interesse am Material und dessen handwerkliche Bearbeitung erkennen und auch ein Beitrag in der Ergründung einer komplexen Welt, in der wir leben. 

Der Ausstellungsrundgang folgt einer losen Chronologie. Tradition, Avantgarde und Postmoderne sind mit 230 Werke derart zahlreich, dass es Zeit und Kraft braucht, die Eindrücke im Kunsthaus Aarau zu bestaunen und verarbeiten. 

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Bern – August Gaul’s moderne Tiere und die Pandemie

Als Dekoration sind Tierskulpturen beliebt, doch in der Kunst spielen sie ein zweite Rolle. Nicht so beim Bildhauer August Gaul. Seine 250 Plastiken zeigen Zoo-, Haus- und Nutztiere mit individuellem Charakter bis zum 24. Oktober im Kunstmuseum Bern.

Der zwanzigjährige August Gaul war 1988 von Frankfurt nach Berlin gezogen und gewann an der Kunstgewerbeschule, wo er sich zum Bildhauer ausbilden liess, eine Dauerkarte für den Zoo. Als gings in den Zoologischen Garten jeden Morgen und anders als bei Menschen hatte er bei den Tieren frei Hand mit der Abstraktion. Die Plastiken waren seinen Weg zur Moderne, den anstatt Jagdszenen wie auf den alten Schinken zeigte er das Tier an sich, frei von der Vereinnahmung des Menschen.

Anders als auf diesem Bild gelang Gaul sein künstlerischer Durchbruch mit der dritten Ausstellung und der Darstellung von Löwen, Straussen, Elefanten, OrangUtans, alles Kolonialraubgut, das als Geschenk in der damaligen Zeit an Zoos abgeben wurden und in Käfigen ein unwürdiges Leben fristete. Aus heutiger Sicht sind Gauls Darstellungen von exotischen Tieren eine zu zivilisiertes Gegenbild gegen das Wilde der Tiere. 

Neben seinen exotischen Tieren beschäftigte er sich auch mit dem Haustier und Nutztier. Aber so richtig Erfolg und Anerkennung erlangte er damit nicht wie seine Berliner Secession Mitglieder Max Liebermann oder Käthe Kollwitz. 
Die Ausstellung ist in sieben Kapitel gegliedert. welche verschiedene Aspekte des Mensch – Tier Verhältnis aufgreift und auch das Artensterben, Pandemie, Klimawandel berücksichtig. Sie wurde von Kuratorin Katharina Lee Chichester gestaltet. 

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