Bern – Das vielfältige Leben der Meret Oppenheim in Bern und Solothurn

Die bedeutendste Schweizer Künstlerin des 20. Jahrhundert wird diesen Herbst mit Schlüsselwerken aus fünf Jahrzehnten in Bern und mit Arbeiten auf Papier in Solothurn geehrt.  Die Retrospektive Meret Oppenheim. Mon exposition belegt, dass die Künstlerin mehr war als nur eine Vertreterin des Surrealismus. 

Ein Jahr vor ihrem Tod 1985 gab es in Bern bereits eine Ausstellung von Meret Oppenheim unter dem Titel „M.O. mon exposition“ und heute erinnert der Brunnen unweit des Kunstmuseums jeden Tag an die grosse Ausstrahlungskraft der Wahlbernerin und geborenen Berlinerin. Die 200 Werke in der jetzigen Retrospektive in Zusammenarbeit mit der Menil Collection Huston und Museum Modern Art New York sind chronologisch auf zwei Etagen ausgestellt und bereits im Alter von 17 Jahren war für die Tochter eines Arztes klar, ich werde nicht, ich bin Künstlerin. Die Ausstellung startet in den 30ier Jahren, wo Meret mit bescheidenen Mitteln auf Kleinformaten anfing, ihre weibliche und männliche Sicht auf die Welt, das Androgyne war ihr ganzes Leben wichtig, dazustellen, mit einer Mutter, die ihrem Kind, den Kopf wegdreht. Merets Kommentar zum Bild: „Ich will keine Kinder, ich bin auch so Frau.“.

Anders als bei Künstler fragt man bei weiblichen Malerinnen immer nach ihren Beziehungen zu Männern und welchen Einfluss sie im Werk hinterlassen haben. Meret hatte zahlreiche Beziehungen zu Männern, doch wie bei der ersten zu Max Ernst, musste sie sich davon immer nach kurzer Zeit lösen, um frei zu sein für die Inspiration und Entfaltung. Die fünf Jahrzehnte mit Werken aus Papier, Objekten, Skulpturen und Gemälden zeigen ein radikales offenes Kunstkonzept und ihre Verbundenheit mit den Schaffensorten Paris, Basel, Bern aber auch das Aufsaugen der jeweiligen Kunsttrends wie Pop Art, Nouveau Realisme und monochromer Malerei. 

Filz als Material war ihr Lieblingsmaterial und mit dem Aufkommen des Fernsehens, der tägliche Blick ins Weltgeschehen. So war die Mondlandung 1969 ein Ereignis, dass sie intensiv am Bildschirm verfolgte und auf  Leinwand verarbeitete. Ihre Werke haben stets einen Witz und obwohl die Kriegsjahre, in denen sie in Basel lebte, besonders schlimm waren, weil sie nicht gross ausstellen konnte, machte sie das Beste daraus, besuchte Kurse und war nachher stark verbunden mit der Basler Fasnacht. Sie gestaltete Larven und zog damit durch die Gassen. 

Meret Oppenheim kämpfte stets für einen Raum für Künstlerinnen. Die Geschlechterfrage spielt eine ebenso grosse Rolle in ihren Werk wie die Materialästhetik bis zu ihrem Tod. Gerne gestaltete sie als Besitzerin einer Brockenstube in Bern Altes, Gefundenes in ihre Malerei und sowohl die Ausstellung Bern wie Solothurn zeigen, was fernab der Schublade Surrealismus noch vieles mögliche gewesen ist, von dieser Künstlerin mit einer eigenständigen, kraftvollen Stimme. 


Weitere Informationen zur Ausstellung Bern bis 13.2.22 hier 


Weitere Informationen zur Ausstellung in Solothurn bis 27.2.22 hier 

Bildlegenden:

1

Meret Oppenheim Eine entfernte Verwandte, 1966 Plastische Masse (Rugosit) in bronziertem Eisenrahmen 27 x 33 x 16 cm Sammlung Klewan Foto: Peter Frese © 2021, ProLitteris, Zurich

2

 Margrit Baumann Meret Oppenheim in ihrem Atelier, 1982 Fotografie, Barytabzug, selengetont 18,4 x 27,7 cm Kunstmuseum Bern, Bernische Stiftung für Foto, Film und Video © Margrit Baumann

3

Meret Oppenheim Husch-husch, der schönste Vokal entleert sich, M.E. par M.O., 1934 Öl auf Leinwand 45,5 x 65 cm Sammlung Bürgi, Bern Foto: Roland Aellig, Bern © 2021, ProLitteris, Zurich

4

Meret Oppenheim Pelzhandschuhe, 1936/1984 Pelz, Holz und Nagellack 5 x 21 x 10 cm Ursula Hauser Collection, Schweiz Foto: Stefan Altenburger Photography Zürich © 2021, ProLitteris, Zurich

5

Meret Oppenheim Roter Kopf, blauer Körper, 1936 Öl auf Leinwand 80,2 x 80,3 cm The Museum of Modern Art, New York, Meret Oppenheim Bequest Foto: Jonathan Muzikar © 2021, ProLitteris, Zurich

Zürich – Fest im Sattel, die Mountainbike-Abenteuer des Gerhard Czerner

Also ein bisschen Verrücktheit gehört dazu, wenn der Deutsche Gerhard Czerner mit dem Mountainbike auf den Kilimandscharo in Tansania fährt oder vom hohen Atlas runter und das schon seit zwanzig Jahren. Das gibt eine Menge zu erzählen ab dem 14. November beim Explora-Diavortrag durch acht Schweizer Städte unter dem Titel „Sattelfest – Mountainbike Abenteuer“.

Gerhard Czerner, hier in der blauen Weste. Ab dem 14.11. heisst es für Sie als Deutscher, der in Oesterreich wohnt, unter dem Titel “Stattelfest” absteigen vom Mountainbike auf die Bühne der Exploratournee. Was kann der Zuschauer erwarten? 

Ich nehme die Zuschauer mit auf einige außergewöhnliche Mountainbikereisen rund um den Globus. Dabei geht es oft hoch hinaus, bis auf die höchsten Gipfel, zu fremden Kulturen und eindrucksvollen Landschaften. Ich nehme sie mit zum „Platz der Gehängten“ und in den Hohen Atlas in Marokko. Mt. Kenia und Kilimandscharo sind die beiden höchsten Erhebungen in Afrika, welche ich in einer großartigen Reise mit Danny MacAskill und Hans Rey befahren durfte, die aber beinahe einen tragischen Ausgang genommen hätte. In einer der trockensten Gegenden der Erde geht es zu einem heiligen, fast 7000m hohen Vulkan. Im Norden Pakistans erleben sie mit mir die majestätische Bergwelt des Karakorums, und erfahren unter anderem, warum Pakistaner manchmal die Socken über die Schuhe anziehen. Durch meine Zusammenarbeit mit renommierten Fotografen und Filmern, kann ich diese Erlebnisse mit einmaligen Bildern präsentieren.

Ihr Liebe zum Mountainbike ist gross. Ist das eine späte Rebellion, weil Sie als Kind mit den Eltern sonntags wandern mussten oder der Wunsch auf dem Kilimandscharo zu sagen, hier spüre ich das Leben nicht im Kaufhaus? 

Ich würde im Bezug auf mein Mountainbike, oder den Sport, nicht von Liebe, sondern von Begeisterung sprechen. Und tatsächlich kann ich mich auch für das Wandern begeistern. Das ist auch gut so, denn oft trage ich mein Rad auf dem Rücken, manchmal sogar länger als ich darauf sitze. Der Aufstieg auf einen hohen Berg dauert oft Tage, die Abfahrt ist in wenigen Stunden vorbei. Bis zum Gipfel bin ich daher oft Wanderer mit Rad im Gepäck. Oben erst werde ich dann zum Biker. Das Fahrrad hat mir schon als Kind die Möglichkeiten gegeben, meinen Erlebnisradius zu vergrößern. Ich habe Gegenden und Ecken meiner Umgebung entdeckt, welche ich zu Fuß nicht erreicht hätte. Das ist ein Teil, welcher bis heute geblieben ist: die Möglichkeit mit dem Rad Regionen zu entdecken, Erfahrungen zu sammeln. Lediglich der Radius hat sich etwas vergrößert: von den Wäldern, Dörfern in der Nachbarschaft hin zu verschiedenen Ländern und Kontinenten. Und nein, die Dinge, die ich sammle, gibt es nicht im Kaufhaus: Momente, Erlebnisse, Eindrücke.

Neben einem Gen für männliche Action, müssen Sie auch den Kopf einschalten und sich vorbereiten für die Berge in Pakistan oder Chile. Was und wie lange dauern die Vorbereitungen?

Es gibt ein „Gen für männliche Action“? Spannend! Wenn es dieses gibt, dann glaube ich, ist dieses bei mir nicht so stark ausgeprägt, wie es wohl den Anschein erweckt. Ich fahre ja nicht für ein bisschen „Action“ quer durch die Atacama Wüste in Chile. Das kann ich im Bikepark daheim haben. Aber das ist ein anderes Thema. Zur Frage:  Die Vorbereitungszeit ist der umfangsreichste, die Reise an sich, der kleineste Teil. Manchmal vergehen Jahre von der ersten Idee, bis zur Durchführung. Ich verbringe viel Zeit mit Recherche der Möglichkeiten vor Ort. Gibt es fahrbares Gelände? Darf ich dort überhaupt mit dem Rad unterwegs sein? Reisezeit, Ausrüstung, Dauer, Reisebegleitung, Fotograf, Filmer, Sponsoren, Logistik, Permits, physische Vorbereitung….die Liste ist lang. Da ich oft in größeren Höhen unterwegs bin, spielt die Akklimatisation eine wichtige Rolle. Wenn diese vor Ort nicht möglich ist, dann muss ich mich schon zuhause vorakklimatisieren, um den Körper an den geringeren Sauerstoffgehalt in der Höhe zu gewöhnen. Manchmal schlafe ich dafür schon wochenlang in meiner Wohnung in einem speziellen Zelt, in welches sauerstoffentsättigte Luft geblasen wird, um die Höhe zu simulieren.

Nachdem Rausch vom Berg runter, kommt die Begegnung mit anderen Zivilisationen und politischen Situationen. Gab es da Momente, die Ihnen in Erinnerung geblieben sind?

Die Begegnungen mit den Begebenheiten vor Ort passieren das erste Mal bereits bevor wir den Berg, oder die gewünschte Region überhaupt erreicht haben. Manchmal habe ich sogar das Gefühl, die An- und Abreise ist der gefährlichste Teil der Tour. Und man erlebt jede Menge skurrile Dinge dabei! Eine Anekdote aus Pakistan: Am Ende unserer Radrunde im Karakorum wurden wir von einem Jeep in Askole abgeholt. Auf der Fahrt durch die Bergwelt haben die Bremsen versagt. Für den Fahrer jedoch kein Grund zur Sorge. Nur mit Motorbremse und lautem Hupen haben wir ein kleines Restaurant erreicht. Während wir gegessen haben, hat unser Fahrer den Verlust der Bremsflüssigkeit wieder ausgeglichen. Zu unserem Erstaunen aber nicht mit der dafür vorgesehen speziellen Flüssigkeit, sondern mit Milch! Die Bremsen haben tatsächlich wieder funktioniert, leider ist uns aber wenige Kilometer weiter der Diesel ausgegangen. Doch auch das konnte uns nicht lange aufhalten. Der nächste, vorbeifahrende Wagen wurde aufgehalten, mit einem Schlauch Diesel aus dem Tank gezapft, ein Händedruck ausgetauscht und weiter ging es.

Auf dem Berg über die Steine zählt Ihr Können und das Rad. Doch ich denke, Sie reisen im Team, die die Fotos machen und Sie bei Pannen und Sorgen unterstützen oder?

Selbstverständlich sind alle Reisen von den ich erzähle, Teamleistungen. Ich bin kein Alleinreisender. Dabei stellt sich so eine Reisegruppe unterschiedlich zusammen: Meist ist ein zweiter Biker dabei, manchmal auch mehrere, und ein Fotograf. Je nach Tour sind noch Filmer, Tontechniker oder auch ein weiterer Fotograf dabei. Es gibt Regionen, da sind wir im Team auf uns gestellt, wie zum Beispiel am dritthöchsten Vulkan der Erde, dem Lllullaillaco in Chile, oder in Marokko. Bei anderen Zielen werden wir von einem Guide und einer Begleitmannschaft unterstützt. Das ist oft auch gar nicht ohne diese möglich. Am Kilimandscharo zum Beispiel, darf man ohne einheimischen Guide und Träger gar nicht zum Gipfel starten. Auch in Pakistan, auf unserem Weg zum K2, hätten wir ohne die Zusammenarbeit mit einer Agentur wohl kein Permit erhalten.

Der Exploravortrag zeigt Sie als mutiger Held. Was haben Sie nach zwanzig Jahren auf dem Mountainbike für sich gelernt und wie leben Sie fernab der Berge?

 Ich sehe mich weder als Helden noch als sonderlich mutig an. Denn was ich neben vielen Dingen auch gelernt habe auf meinen Reisen ist: Demut. Beim Anblick der endlosen Weite in der Atacama Wüste oder den mächtigen Berggestalten im Karakorum kann man sich nur winzig vorkommen. Welche Schönheit die Natur auf so unterschiedliche Art und Weise hervorgebracht hat, begeistert mich immer wieder. Auch ist mir klar geworden, wie wenig wir von der Welt wissen, oder gar verstehen, auf der wir leben. Es gibt wesentlich mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, als wir uns vorstellen können. Die Erfahrung, dass die meisten unserer Selbstverständlichkeiten wie fließendes Wasser, ein Dach über dem Kopf, soziale Absicherung, unsere Reisemöglichkeiten und vieles mehr eben nicht selbstverständlich, sondern ein großartiges Privileg sind, finde ich auch wertvoll für mein Leben daheim. Was ich auch immer wieder feststellen durfte: wir können viel mehr, als wir uns selbst zutrauen. Daher fürchten wir uns oft vor Situationen, die wir nicht kennen. Wenn wir aber erstmal drinstecken, dann sind sie oft halb so schlimm. Ein Beispiel hierzu aus meinen Erzählungen: Auf unserer Tour in Pakistan waren wir am Tag über den Gondogoro La 22 Stunden am Stück unterwegs! Ehrlich, wenn uns das vorher jemand erzählt hätte, dann hätten wir das höchstwahrscheinlich für unmöglich gehalten und wären gar nicht erst aufgebrochen – und hätten viel verpasst.

Weitere Informationen und Karten für den Exploravortrag   hier

Zürich – Pegasus ohne Stecker im Hallenstation



Im Hallenstation gehen wieder die Lichter an und die Bieler Band Pegasus musste beweisen, dass ihr Nr.1 unplugged Album auch in der grössten Halle des Landes funktioniert.

Nach 18 Monaten Pause schienen am 1.Oktober um 20.15 Uhr wieder die Lichter auf die Bühne diesmal in der Mitte des Hallenstation, wo Noah Veraguth als Kind und jeunes homme auf alten Videos in der Bielerstrasse spielte und Minuten später mit Gabriel Spahi, Stefan Brohner und Simon Spahr das zwanzigste Bandjubiläum einläutete. Doch sie waren nicht alleine. Zehn mehrheitlich aus der Klassik kommende Musiker griffen in den nächsten 75 Minuten den Poprocker unter die Arme, damit die Hits in einem anderen Gewand daherkamen als gewohnt.

Beibehalten haben die Bieler die Dauer. 3 Minuten Poprock ohne Verlängerung ergeben am Schluss nach allen Hits und einem Gastauftritt von Stress halt nur knappe 80 Minuten Spieldauer, zu wenig fanden einige Zuschauer. Auch war der Beginn etwas gar harzig, bis Noah Veraguth vom Stuhl aufstand und mit dem Publikum in breitem Berndeutsch sprach und Anekdoten aus dem Bandleben erzählte.
Zu den Höhepunkten des Abends gehörte das Medley der Anfänge in den Bielerbeizen mitten im Publikum, der Song „streets of my hometown“ als Hymne an Biel und die Neuinterpretationen der Hits.
Zu den negativen Aspekten des Abends gehörte die Bühne in der Mitte des Saals, die für die Plätze zum Eingang hin nur die Hinterseite des Musiker zeigte und die zu dunkle Lichtshow über weite Strecken des Sets. 
Trotz allem, Pegasus haben, was sie bereits auf dem letzten Album einleiteten mit dem unplugged Abend weitergeführt, weg von den massentauglichen Radiohits hin zum ausgefeilten Songwriting. Das Publikum bedankte den ersten Abends nach der Pause im Hallenstation mit standing ovation für Pegasus.