Bern – Kunstmuseum zeigt die Nabis rund um Bonnard und Vallotton


Um 1888 gründete sich in Paris die Nabis-künstlergemeinschaft und schuf mit ihren Werken den Anfang der modernen Kunst. Doch was heisst das genau? Dieser Frage geht das Kunstmuseum Bern bis zum 16. Oktober nach.

Bevor die Werke der Sammlung Hahnloser/Jäggli im 2024 in einem Haus in Winterthur dauerhaft ihren Platz finden, hat das Kunstmuseum Bern die Möglichkeit die Nabis in einer Ausstellung zu zeigen. Unter der Leitung von Kuratorin Marta Dziewanska hat die 1888 gegründete Gruppe Nabis, was aus dem Hebräsischen auf deutsch Prophet heisst, versucht den Zerfall des Impressionismus durch eine neue Bewegung, die die einzelne Teile eines Ganzen stark heranzoomt oder das soziale Leben zu Hause und in den Strassen von Paris abzubilden.

„Vivre norte temps“ nennt sich die Ausstellung der Nabis um Pierre Bonnard, Maurice Denis, Felix Valloton und Edouard Vuillard. Die reisten nicht viel in der Welt umher und malten, nein, sie fanden ihre Sujets im privaten, intimen Rahmen. Sie malten eigentlich nie direkt vor Ort, vieles was so inszeniert daherkommt, malten sie aus dem Gedächtnis. Vielleicht so ist zu erklären, dass es selten Grossformate zu sehen gibt, eher nimmt sich der Maler einen Gegenstand oder besonders der weibliche Körper heraus und malt ihn, den Rest, was hinter oder neben diesem „Ding“ ist, lässt er ganz weg. 

Die Nabis waren hin- und hergerissen zwischen Altem und Neuem und fühlten vor allem, dass nicht nur in der Malerei sondern auch im alltäglichen Leben eine neue Zeit anbrach, alles wurde durch die Maschinen schneller. Auch wollten die Nabis aufzeigen, dass Malerei eigentlich nicht primär das Abbilden ist sondern der Kampf des Künstler mit der Farbe und dem richtigen Moment. 

Mit der aufkommenden Fotografie war sie auch eine Inspirationsquelle aber auch das Uebernehmen vom Zoom auf den Augenblick. Das soziale Leben in Paris war da ein wichtiger Ort schnell ein paar Skizzen und Eindrücke aus Blatt zu bringen. Die Nabis waren auch gerne in der Nähe von anderen Kunstarten, sie wollten das ihre und die Kunst im allgemeinen stets präsent ist im Alltag. 

So ist „vivre norte temps“ eine Ausstellung, die aus heutiger Sicht viele schöne, ruhige Bilder hat, die immer etwas verschleiern, verwischen und geheimnisvoll erscheinen.

Weitere Informationen zur Ausstellung hier 

Bildlegenden

1

02 Félix Vallotton Femme nue couchée dormant, 1913 Öl auf Leinwand 96 x 130 cm Dauerleihgabe an die Hahnloser/Jaeggli Stiftung Villa Flora, Winterthur

2

Pierre Bonnard Dans un jardin méridional (La Sieste), um 1914 Öl auf Leinwand 84 x 113 cm Kunstmuseum Bern Schenkung des Staates Bern, 1935

3

Félix Vallotton La charrette, 1911 Öl auf Leinwand 101 x 74 cm Kunstmuseum Bern Dauerleihgabe Hahnloser/Jaeggli Stiftung

Zürich – Men`s World oder die Inspiration für Mann und Sein

Nach zwei Jahren fand neu in der Halle 550 in Zürich-Oerlikon zum sechsten Mal die „Men`s World“ mit 120 Herstellern rund um die Bedürfnisse für den Mann statt. Auch wenn es im Alltag nicht so ist, hier hatte der Mann von heute das Sagen und die lockere Atmosphäre war auch ein Ort der Begegnungen. 

Hier vier Beispiele.

Nur fünf Fotografien hängen an dem kleinen Stand von Michel Zumbrunn aus Aarau. Doch kommt man mit dem Besitzer von Foto Zumbrunn ins Gespräch wird sofort klar, die Leidenschaft dieses Fotografen sind die sportlichen Autos meist noch vor dem zweiten Weltkrieg. Ob im Studio oder bei den Reichen in der Garage Michel Zumbrunn reist bis nach Kalifornien für diesen, wie er sagt, Teil unserer Kultur, zu fotografieren.

 Doch halt, da ist doch eines auf den ausgestellten Bildern, das ganz rostig ist. Und schon erzählt er die Geschichte, die in Paris mit dem Rennfahrer Rene Dreyfuss beginnt, der seine Spielschulden mit einem Bugatti-Brescia bei einem Schweizer begleicht und der dann im Luganersee versenkt wird, weil der Schweizer die Importsteuer nicht bezahlen kann. 2009 wurde das Wrack gehoben und 2010 versteigert. Der Erlös gelangte in die „Stiftung Damiani Tamagni“,  die gegründet wurde nachdem Damian an der Fasnacht 2008 erschlagen worden war.

Uhren werden bei uns in Neuenburg oder dem Jura hergestellt, denkt man, doch Client Advisor von der Boutique in Zürich korrigiert, den was er verkauft, stammt aus Schaffhausen. Der Uhrenhersteller IWC wurde 1868 gegründet und fertig seine Uhren von A bis Z in der Schweiz an. Beim Sortiment von sportlich bis klassisch fällt sofort das Zifferblatt auf. Es ist ziemlich gross und sechs verschiedene Gehäuse von Chrom bis Stahl fassen es ein. Auch für Frauen gibt es Uhren und die 150 Jahre alte Firma fertigt die zeitlosen Uhren ab einem Preis von 4700 Franken in Schaffhausen an.

Die Herrenhandtasche ist definitiv aus der Mode, doch wo soll der Herr sein Geld verstauen? Dazu hat „Mens World“ Thomas Dörken aus dem deutschen Worms und sein Team eingeladen. Die Agentur Sichtbar zeigte in der Halle 550 den I-Clip. Ob aus Leder mit Aufdruck oder Carbon unter dem Etui ist ein Stahlhalter ähnlich einer Kammer. Bis zu 12 Kreditkarten, Pass, SBB-Abo hält diese Klammer zusammen und auf der Rückseite kann man jede einzelne Karte rausnehmen, die anderen werden blockiert. Auch Geldscheine klemmt der I-Clip ein , aber keine Münzen. So oder so, Platz ist allemal gespart.

Bereits zum sechsten Mal an der Ausstellung ist die Goldschmiede Obession mit Niederlassungen in Wetzikon und Zürich. Seit 23 Jahren verzieren sie nicht nur Frauenhände sondern eben wie die grosse Auswahl zeigte, Männerfinger oder -arme.  Im Gespräch zeigte sich, dass nicht unbedingt das Gold den Männern gefällt sondern eher Silber oder noch was mit Leder. Zwar ist das Sortiment schon gross, doch die Goldschmiede wäre keine, wenn sie nicht die Wünsche des Herrn erfüllen könnte. Die Angestellte verriet, dass etliche Männer schon mit einer Zeichung des Rings ins Geschäft kämen oder zumindest mit der Idee, dann wird das Schmuckstück einzeln angefertigt.

Neben der Fülle an Herstellern, die auch über die Homepage noch nach der Ausstellung kontaktiert werden können, ist die „Men`s World“ auch ein Spielplatz und Ideengeber für das Leben als Mann, der mit graden Rücken die Ausstellung verlässt, bis ihn der Alltag wieder vereinnahmt, wo es eher sächlich zu- und hergeht.

Weitere Informationen zu „Men`s World“ hier 

Liebistorf – „Sensler Todesengel“ oder wenn ein Franziskanermönch ermittelt im Kanton Freiburg


“ Doch als er unter einem Baum einen blutüberströmten weiss-schwarz Habit sah, war im sofort klar, dass dies einer seiner Ordensbrüder sein musste.“ Der seit fünf Jahren Frieden und Gott suchende Franziskaner Bruder Marius wird als ehemaliger Kantonspolizist ins Zisterzienserkloster St. Ulrich in Giffers gerufen für die Ermittlungen rund um den „Sensler Todesengel“. Politiker, Lehrer und Journalist Jean-Claude Goldschmid hat seinen ersten Krimi geschrieben und gibt im Interview über seine Beweggründe Auskunft und machte die Fotos an den Schauplätzen gleich selber.

Jean-Claude Goldschmid, Sie sind politisch aktiv, unterrichten am Gymnasium, schreiben für die Freiburger Nachrichten, also ein Mann mit Sendebewusstsein. Ist der erste Krimi” Sensler Todesengel” ein weitere Mittel, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen oder was hat Sie bewegt einen Krimi zu schreiben?

Der Wunsch, auch selber literarisch tätig zu sein, ist bereits in den 1990-er Jahren entstanden, als ich (unter anderem) Literatur studierte und mich mit literarischen Werken aus verschiedenen Jahrhunderten auseinandersetzte. Damals habe ich aber vor allem Gedichte und Songs geschrieben, da das Schreiben eines längeren Textes viel Musse und Ruhe voraussetzt. Dieser Krimi ist ursprünglich eine Auftragsarbeit gewesen, dessen Entstehungsgeschichte bis 2013 zurückreicht – denn als ich meine Dissertation 2013 beim Freiburger Paulusverlag herausbrachte, äusserte man dort den Wunsch nach einem Freiburger Krimi. Da der Verlag inzwischen seine (belletristische) Tätigkeit aufgab, nur noch theologische Fachliteratur herausgibt und sich ganz aus Freiburg zurückzog, ist mir nichts anderes übrig geblieben als mir einen neuen Verlag zu suchen. Was die Aufmerksamkeit betrifft, so ist es tatsächlich so, dass sich natürlich jeder Künstler ein Publikum wünscht, und tatsächlich ist es ein schöner Gedanke, etwas Bleibendes zu schaffen, an dem die Menschen noch Freude haben werden, wenn ich einmal nicht mehr da bin; im Übrigen halte ich es aber mit dem von mir hochgeschätzen Mark Mothersbaugh der US-New-Wave-Band „Devo“, der einmal gesagt haben soll, dass die wahren Künstler diejenigen seien, die nicht um des Publikums oder des Ruhmes wegen schreiben, sondern dies aus einem sehr dringenden inneren Bedürfnis heraus tun.

Nachdem Studium der Germanistik, Geschichte und Philosophie befassten Sie sich mit den Benediktinerinnen. Nun ist Bruder Marius als ehemaliger Kantonspolizist ein Franziskanermönch, der hilft ermitteln. Wollten Sie mit dieser Wahl von Marius die Ambivalenz des Menschen zwischen Gut und Böse und Selbstbestimmung aufzeigen?

Genau. Wie dies Marius auch in einem Schlüsselgespräch mit seiner Vertrauten, der Witwe Aeby, darlegt, ist kein Mensch einfach nur gut oder nur böse; vielmehr stecken wir alle in dieser Ambivalenz drin. Und auch, was Marius‘ Persönlichkeit betrifft, ist ein grösserer Unterschied als derjenige zwischen einem Dasein als Polizist und einer Existenz als Mönch ja kaum denkbar. Letztlich wurde Marius aber auch wegen einer Lebenskrise Mönch, und somit kann man seinen Eintritt ins Kloster tatsächlich als einen Akt der Selbstbestimmung deuten. Die beiden Pole seiner Existenz entstammen – interpretiert man das Ganze autobiographisch – aber auch zwei zentralen Interessensfeldern meines eigenen Lebens, nämlich der Religion, die für mein Leben absolut entscheidend ist, sowie der Kriminologie, die mich ebenfalls schon immer interessierte.

Neben dem Beschrieb Deutschfreiburgs und seinen Besonderheiten im Sense- und Sanebezirk simmert auch „der Name der Rose“ als Inspiration durch. Wie kamen Sie zum Stoff, welche Vorbilder haben Sie, ist es ein Auftakt zu einer Serie?

Das Buch war wie gesagt ursprünglich eine Auftragsarbeit. Und da die christliche, klösterliche Tradition in Freiburg sehr dominierend ist, war für mich bald einmal klar, dass die Hauptfigur ein Mönch sein sollte. Umberto Ecos „Name der Rose“ war im Übrigen tatsächlich eine grosse Inspiration für dieses Buch. Was die Figur des kettenrauchenden, verfressenen Inspektor Schneuwlys betrifft, so war ich wiederum von Dürrenmatts Krimis – wo auch die ganze Zeit gegessen wird –, aber auch sehr von Glausers Wachtmeister Studer inspiriert. Einer meiner Lieblingsautoren ist im Übrigen der Amerikaner H.P. Lovecraft; für diesen Krimi stand er allerdings als Inspirationsquelle eher im Hintergrund, da er ja mehr dem Genre Horror zuzurechnen ist. Und ja, der „Sensler Todesengel“ ist tatsächlich der Auftakt zu einer Serie, dessen Konzept mit dem Gmeiner Verlag bereits abgestimmt ist.

Weniger gelungen sind ihnen die Dialoge, die wirken etwas gar brav für einen Krimi, wo oft der Strassenslang wichtig ist. Mit welchen Schwierigkeiten mussten Sie sich beim Schreiben auseinandersetzen?

Das ist ein sehr guter Einwand, den Sie da äussern. Stimmige Dialoge zu schreiben, ist tatsächlich etwas vom Schwierigsten. Es sind natürlich fast ausschliesslich Geistliche, die sich hier äussern, und die reden natürlich etwas braver als Menschen, die im Strassenslang sprechen. Eine grosse Schwierigkeit, mit der wohl vor allem Schweizer Autoren konfrontiert sind, ist im Übrigen, dass wir Schweizer ja in einer anderen Sprache sprechen – nämlich im Dialekt – als wir schreiben. Überträgt man Dialoge in die Schriftsprache, so verfälscht und stilisiert man sie unweigerlich, da man sie nämlich eigentlich in ein anderes Idiom übersetzt. Das ist übrigens auch eine Problematik, mit der ich als Journalist seit jeher konfrontiert war. Die Alternative wäre, das ganze Buch im Dialekt zu schreiben, wie dies etwa mein überaus geschätzter Autorenkollege Christian Schmutz tut. Damit schränkt man meines Erachtens aber den Wirkungskreis eines Buches stark ein, vor allem mit dem für aussenstehende Ohren oft schwer verständlichen – und daher auch schwer lesbaren – Sensler Dialekt, den ich übrigens gar nicht beherrsche, da ich nämlich selbst im Kanton Zürich aufgewachsen bin.

Manche Autoren finden neue Aspekte ihrer selbst beim Schreiben. Ob man dies bei einem Krimi kann, frage ich mich, da er doch das analytische Schreiben verlangt? Was hat der “Sensler Todesengel” bei Ihnen ausgelöst?

Eine gute Frage. Einerseits das Verständnis dafür, wie schwierig und komplex es überhaupt ist, einen Roman zu schreiben. Denn während es möglich ist, ein gutes Gedicht oder einen Song in einem Abend oder einem Wochenende zu schreiben, so braucht ein Roman Monate oder Jahre. Es ist ein sehr langer Weg von der Inspiration bis zum fertigen Produkt. Andererseits die Sensibilisierung dafür, meine Umwelt genau zu beobachten und diese Beobachtungen auch in adäquate Worte zu fassen. Und schliesslich natürlich den Wunsch, noch mehr zu schrieben. Ich freue mich daher sehr auf die Umsetzung meiner nächsten literarischen Projekte.

Sie wohnen im letzten Dorf Freiburgs zum Kanton Bern. Was macht der Jean-Claude Goldschmid in Liebistorf in seiner Freizeit?

Ich musiziere sehr gerne, ich spiele Klavier und Gitarre. Ich fotografiere und reise sehr gerne, wobei das Reisen in den letzten zwei Jahren coronabedingt natürlich stark eingeschränkt war. Ansonsten verbringe ich so viel Zeit wie möglich mit meiner Familie und meinen Freunden, und im Winter fahre ich sehr gerne Ski. Ausserdem schreibe ich natürlich so oft wie möglich. Ein Kinderbuch, „Hein und Heidi“, ist bereits fertig und erscheint diesen Herbst im deutschen Lexikus-Verlag. Seither schreibe ich an einem Science-Fiction-Roman.


Weitere Informationen zum Buch „Sensler Todesengel“, 

der im Gmeinerverlag erschien  hier