Bern – Das Spätwerk des Joan Miro 


Obwohl Joan Miro von Paul Klee sagte, er sei die entscheidende Begegnung in seinem Leben gewesen, trafen sich der Spanier und der Berner nie persönlich. Erst viele Jahre nach deren Toden kommt es nach der Kleeausstellung in Barcelona zur Revanche in Bern bis zum 7. Mai mit dem wenig bekannten Spätwerk Joan Miros unter dem Titel “ Neue Horizonte“ im Klee Museum.

Spanien war und ist zum Teil eine konservative Gegend. Besonders während der Francodikatur und vorher im spanischen Bürgerkrieg war es für Künstler auf der iberischen Halbinsel schwer sich aus den Konventionen des Lebens zu befreien und einen eigenen Weg zu gehen und eine eigene Sichtweise zu entfalten, 

Joan Miro muss unbewusst gewusst haben, dass er farbige surrealistische Traumwelten erschaffen kann, aber auch das sein malerisches Können begrenzt war. Deshalb war seine Begegnung mit Klee so entscheidend für sein Leben. Als er Kleeswerk sah, wurde ihm klar, dass ein Fleck, eine Spirale, ein Punkt ebenso Gegenstand der Malerei sein kann wie ein Gesicht, eine Landschaft oder ein Denkmal. 

Die Reduktion bei beiden Malern war fortan ihr Markenzeichen. Damit hatte Miro sich von der klassischen Malerei losgesagt wie Klee und beiden konnten mit den reduzierten Zeichen das grosse Publikum erreichen. Bei Miro kam zum ständigen Suchen nach Ausdruck auch der Einfluss seiner Reisen in die USA und Japan hinzu. In einem sehr konzentrierten Tagesablauf mit Schlafen, Schaffen, Essen und sonst nichts, starrte er oft stundenlang auf eine bemalte Leinwand und entfernte das Zuviel, versuchte die Reduktion als Leere auszuhalten. 

Die Ausstellung umfasst 73 Werke zwischen späten 1960er bis frühen 1980er Jahren. Sie entstanden in seinem Atelier in Palma, wo er bis zu seinem Tod am 25.12.83 lebte. Hier sichtete er sein Gesamtwerk und unterzog es einer kritischen Revision. Weg von der Staffelei und dem Suchen nach neuen Ausdrucksformen wie Feuer, Schere, nassen Besen prägen diese Zeit. Er erweitert seine Technik um Tapisserien, Collagen, Textilien. Kreise, Sternen, Mondsicheln sind einfache Zeichen seiner damaligen Poesie. Und nicht zu vergessen die Keramik. 

Auch wenn die Ausstellung ein Mako hat, die recht dürftige Werkbeschreibung an den Wänden, so lohnt es sich Miros Spätwerk in Bern kombiniert mit einer Rahmenveranstaltung anzusehen bis zum 7. Mai 2023.

Weitere Informationen zur Ausstellung hier

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Murten – Geht dem Lichterfestival das Licht aus? 


Knapp einen Monat nach der reduzierten Weihnachtsbeleuchtung hat auch die siebte Ausgabe des Lichterfestival Murten die Beleuchtung um bis zu 40% gesenkt. Das hat Auswirkungen auf die Installationen bis zum 29. Januar, die dieses Jahr mehr auf animierte Kurzfilme und weniger Arteplages setzen. Trotz 20 Künstler aus sieben Länder bleibt die Poesie vielerorts auf der Strecke.

Die Poesie des Winters ist tags mit dem Schnee gegeben und weil der Mensch gerne Licht hat, geht der Freiburger und andere gerne abends ans Lichterfestival, um sich verzaubern zu lassen. Das hat selbst während der Pandemie funktioniert, doch nun haben die Veranstalter zu schnell gehandelt. Als alle im Herbst von der Stromkrise sprachen wegen dem Ukrainekrieg und seinen Auswirkungen, war der Druck wohl zu gross und das Komitee des Lichterfestivals setzte den Rotstift an. 

Nun die Lichter gehen uns dieses Jahr nicht aus, wohl erst nächstes. Aber die Stromsparmassnahmen beim Lichterfestival sind markant. Zwar beginnt der Rundgang beim alten Schulhaus mit einer Mischung aus Filmanimation und Schauspiel um den Linienfabrikanten mit Grösse und tollen Bilder, aber die sind halt auch schon gerade der Höhepunkt des Festivals. Den schon ein Gang durch das Berntor und die Hauptstrasse ist ausser mit dem leuchtenden Insekt, das aus dem „Avatar“ Film entflohen scheint und etwas Kleinem voller Fressbuden, die allgemein mehr vorhanden sind als Installationen.

Die Installationen in der hinteren deutschen Kirchgasse sowie der Polizeiposten mögen nicht zu berühren, wie die Dutzenden von Zetteln und die Stimmen in der Nacht bei blauem Licht, die die Wünsche der Kleinen an die Welt enthalten auf dem Aussichtsplatz vor dem Gefängnis. Ein weiterer Höhepunkt.

Auch die sehr dem kleinen Prinz angehauchte Animation beim Museum ist sehr poetisch bevor der Flop des Rundganges kommt am See.

Billige Lichterketten weisen den Weg zu den wenigen Seelaternen und weiter oben vor dem Hotel Schiff leuchten Dutzende von Kerzen, eine Installation hats auch noch, doch die geht verloren, den der See und der Mont Vully bei Abend sind schöner. 

Da sich die Besucherzahlen sowohl bei der Eröffnung wie auch am zweiten Abend weit unter den erhofften 1200 ja nicht mal 500 hielt, dürfte es dieses Jahr mit den Erwartungen von 50 000 Leuten sehr schwierig werden. 

Die Veranstalter müssen nach dem Ende über die Bücher und die Fragen beantworten: Ist ein Lichterfestival in der momentanen Situation überhaupt sinnvoll und wäre ein Zweijahresrhythmus nicht besser, den viele Murtner fordern, da die Lärm- und Lichtbelastung eines solchen Festivals nicht allen gefällt und es scheint als ginge dem Festival die Ideen aus.

Weitere Informationen zum Lichterfestival hier 

Zürich – Wenn die Gymotion die WM in Katar schlägt

Dank der zweijährigen Pause war die  Gymotion unter dem Motto“ Feel the rhythm“ im fünften Jahr mit über 10 000 Besuchern ausverkauft. 24 Vereine 150 Athleten des Schweizerischen Turnverbandes turnten zum fetten Sound in einer Show mit Neoeffekten, die machen Hallenstationact verblasen liessen, auch wenn die Namen der Vereine nur Nebensache waren.

Der SRF-Moderator Sascha Rufer brachte es in der Pause auf den Punkt, indem er sagte, das was er vor Wochen in Katar gesehen habe, sei gekauft gewesen, aber hier sei alles echt. Und damit meinte er die Leidenschaft, mit dem die Vereine aus allen Landesteilen und das von Anfang an klatschwillige Publikum voll bei der Sache waren bei einer Präsentation von Gemeinschaftssport. Visuelle Aspekte und sehr laute Musik waren der rote Faden der zweieinhalbstündigen Show, die keine Minute Langeweile zuliess.

Doch das rasante Tempo forderte auch einen Tribut. Es gab zwischen den Darbietungen keine Ansage, welcher Verein nun auftrat. Nur am Rand wurde eine Anzeige eingeblendet, die nicht alle lesen konnten und schnell zugunsten der aufdringlichen Werbung wieder verschwand. Dabei sind doch die Vereine ins Hallenstation gekommen, um für den Turnsport und ihren Verein neue Mitglieder anzulocken. 

Auch die Sänger wie Jesse Rich, Michael Lukas oder DSDS-Gewinnerin Edita Adieski wurden nicht extra begrüsst, mussten sofort die Karaoke-Hits wie „Eye of the tiger“ abliefern. 

Die Turner von denen die Welschen und der BTV Bern/STV Möriken-Wildegg besonders auffielen, hatten nach der Coronapause Tatendrang und waren nach stundenlangem Proben zu Hause in der Provinz  im Hallenstation voll bei der Sache, gaben Vollgas. Das Lichtdesign Neon verlieh dem ganzen einen modernen Touch, so dass die aufblasbaren Hände der Zuschauer stets im Einsatz waren. 

Mit dem Mitwirken vom TV Hünenberg öffnete sich der Schweizer Turnverein Richtung Deutschland und die „Flying Drummer“ Trommler an Seilen als Showact war die diesjährige Gymotion ein Augen- und Ohrenschmaus, wo man sich fragt: Wie kann das das nächste Jahr noch gesteigert werden?

Mehr zum Schweizerischen Turnverband hier 

Cinous-chel – Ueber die Liebe des Engadiners Romedi Arquint zur Literatur und einer Dänin

 Anders als in der Erzählung „Eiszeit, Auszeit“, wo Doktor Clagüra aus Dänemark in seine alte Heimat um Cinous-chel gereist ist, um sich eine Auszeit zu gönnen und eine Nachricht vom Tod eines Bekannten ihn durcheinanderbringt, ist sein  80-jähriger Autor Romedi Arquint beim Zwischenhalt in Bern frisch verliebt und auf dem Weg in den Norden. 

Aus dem tiefverschneiten Engadin kommend, treffen wir uns im Bern, wo Sie als wissenschaftlicher Adjunkt beim Bundesamt für Kultur gearbeitet haben. Ist das Buch „Eiszeit, Auszeit“ eine verstecktes Tagebuch?

Es ist ein Rückblick von einem pensionierten Gymi-Lehrer auf seine Kindheit, Jugend und eine amouröse Todessünde. Ich verstecke mich bei der Hauptsache des Buches dahinter und der Rest wurde bei grossem Schnee innerhalb einer Woche geschrieben.

Ihre Heimat ist das Engadin um Zuoz, aber Sie haben auch eine enge Beziehung zu Dänemark, warum?

Weil mich eine Dänin in Zürich, wo ich Theologie studiert habe, aus meiner sexuellen Tabuisierung befreit habt. Ich heiratete sie und leider ist sie vor sieben Jahren verstorben. Wir hatten und haben ein Haus am Meer in Dänemark, wo ich jetzt hinfahre mit meiner Tochter. Ich habe mich dort neu in eine Dänin meines Alters verliebt. (Wir lachen)

Der Schweizer Buchpreis ist an „Blutbuch“ von Kim de l`Horizon verliehen worden. Interessiert Sie dieses aktuelles Buch oder haben Sie Ihre Klassiker?

Ich bin eine Leseratte und sehr inspiriert von den nordischen Schriftstellern. Mich interessieren nicht die Krimis sondern die autofiktionalen Romane von dort. Sie haben oft wie ich meine Einstellungen, Beobachtungen, das Zurückschauen und das Leben laufen lassen, so langweilig es manchmal auch sein kann. Bei den Schweizern sind der Dürrenmatt, Bichsel meine Vorbilder.

Erstaunlich und ich dachte bei den Vorbildern, ist es Adalbert Stifter mit seinen Naturbeobachtungen?

Er macht etwas, was mir nicht passt, er romantisiert. Ich schreibe eher nüchtern. Ich bin ein protestantischer Mensch, der seine Gefühle verlernt hat ernst zu nehmen. Ich bin über der Gefühlswert, der diese nur in der Nebenzeile beschreibt.

Wie würden Sie Ihren Charakter beschreiben als 80-jähriger Mann?

Ich sehe mich als einer, der seine Sturm und Drang Phase abgelegt hat. Ich habe bis 70 Jahren politisiert und mich sehr gegen den Zweitwohnungsbau eingesetzt. Ich war in Bundesbern und war nie Mitglied des Schriftstellerverbandes Graubündens. Mit 70 Jahren begann ich zuerst auf Deutsch, dann auf Rätoromanisch zu schreiben. Ich schreibe und lebe, ich geniesse das Meer und das enge Engadin, wo jeder dem anderen auf die Finger schaut.

Was macht der Romedi Arquint ausser dem Schreiben und die Liebe zu geniessen in seiner Freizeit?

Im Frühling, Herbst ist E-Bike angesagt. Im Sommer bin ich jeden Tag im Meer. Lese viel und verliebe mich, wie sie nun wissen, immer noch. An Weihnachten gibt es Gans und Milchreis als Dessert und ich kann mein Dänisch wieder gebrauchen. Ein Wanderer bin ich nicht, da wurde mir als Bueb, der jeden Sonntag auf die Berge steigen musste, die Freude daran genommen. 

Das Buch Romedi Arquint „Eiszeit, Auszeit“ ist im Antium Verlag erschienen.

Weitere Informationen zum Buch Romedi Arquint  hier 

Zürich – Philipp Keel liebt die Kamera und die Nacht 

Trotz seiner Tätigkeit als Verleger von Diogenes findet Philipp Keel noch Zeit Künstler ohne Worte zu sein. „In other Words“ so der Titel der Fotoausstellung in der Bildhalle Zürich bis zum 25. Februar zeigt der Mann mit Sinn für das Ästhetische, Kleinode und seine Liebe nach dem Sonnenuntergang unterwegs zu sein mit der Kamera.

Als wäre die Tagesbeschäftigung bei Diogenes mit den Zahlen, Buchstaben aus Schwarz auf weissem Blatt nicht schon von der Farbe her dunkel genug, beschreibt Philipp Keel auf einem Beiblatt an seiner Ausstellung in der Bildhalle einen Aspekt seiner Persönlichkeit, den niemand bisher kannte. Obwohl er durchaus für einen Abendhimmel in warmem Rosa was übrig habe, steht da, beschäftigte ihn doch die Nacht mehr. Es gehöre zu seinen Lieblingsbeschäftigungen irgendeinen Ort auf der Welt in der Dunkelheit zu erkunden. 

Bekanntlich wechseln wir ja in der Nacht unser Gesicht und so wird es auch dem 1968 geborenen Zürcher gehen. Das Unbewusste werde zur Königin, bringe ihn in Gefahr und dann spaziere er an der Schönheit von Dingen vorbei, heisst es auf diesem Beiblatt.

Das Stichwort Schönheit der Dinge ist der rote Faden in der Ausstellung. Sowohl bei den Naturfotografien wie den arrangierten Stillleben ist alles bis ins letzte Detail stimmig, fehlerlos, dekorativ. Bei den Kleinoden noch stärker als auf dem  Grossformatigen überlässt er nichts dem Zufall. Wirkt zwar auf den ersten Blick sauber, ästhetisch, aber auch nach gepflegter Langweile. Ob ein Bild von Philipp Keel einem jeden Tag an der Wand von Neuem überrascht, muss jeden für sich entscheiden? Die Fotos sind wie ihr Schöpfer träumerisch. Könnten gut einen Buchdeckel oder Wände von Banken, Wartehallen, Leseräume schmücken, aber es fehlt ihnen am zweiten Blick, am Witz, der Neues entdeckt.

Weitere Informationen zur Ausstellung Philipp Keel – in other Words  hier 

Biel – Warum ein Tessiner an der Christmas Session besser war als Milow 


Obwohl Milow während der Pandemie aus Langeweile 823 Songs schrieb, ist sein diesjähriges Album der grösste Flop sowohl in Belgien wie hier in seiner Karriere. Doch ein Konzert lebt von den Hits und dem Ruf und da war er wieder der Alte in Biel, wäre da nicht die Entdeckung des Abends gewesen Jack Savoretti, der ihn übertrumpfte.

In der Tagespresse macht die Absage ihrer Tourneen zahlreicher Sänger/innen wegen schlechter Konzertkartenverkäufe die Runde. Davon ist der 1981 in Antwerpen geborene Milow auf seiner diesjährigen Tournee verschont geblieben, aber nicht vor der Tatsache, dass das aktuelle Album „Nice to meet you“ mit seinen persönlichen Texten aber Mainstreammusik floppte. Und so erstaunte es den nicht, dass zu Beginn des Konzertes an der Christmas Session mit neuen Liedern im ausverkauften Saal die Begeisterung des Publikums ausblieb.  Erst mit „Lay your worry down“ erstrahlte das glatzköpfige Gesicht Milows, als einige mitsangen. Der Belgier gab der Band viel Raum und sowohl sein Gitarrist wie die Backgroundsängerin hatten Soloauftritte. Stimmlich übertrafen die Beiden den zweifach Vater, der halt immer gleich singt. Mit der atmosphärischen Version seines grössten Hits von 2008 „Ayo Technology“ gelang es Milow die Bieler zum Tanzen zu animieren und als er sein Weihnachtslied und eine zweite Zugabe unplugged im Publikum sang, gabs zum Schluss standing ovation.

Gibt es sowas wie die perfekten Gene der Eltern, um ein erfolgreicher Musiker zu werden?

Wenn ja, dann hatte Jack Savoretti mit einem italienischen-deutschen Vater und einer polnischen Mutter Glück. Auch weil er als Sohn in der ganzen Welt wohnte und in Lugano die amerikanische Schule besuchte und so seine Jugend in der Schweiz verbracht hat. 

Mit dem Aussehen eines Italieners und viel Temperament hat er seit 2006 Erfolg und kam mit fast jeden Album an die Spitze der englischen Hitparade.

Hier ist er noch ein Geheimtipp obwohl er regelmässig im Tessin auftritt, doch das dürfte sich nach dem Auftritt in Biel ändern.

Während fünf Musiker die Bühne betraten, spielte im Hintergrund eine Spielorgel, das Licht war düster, doch schon der erste Ton des schlecht gekleideten Jack Savoretti liess die Zuschauer erstarren. Sein Organ übertraf das von Milow um Weiten und das Set war zwar zu laut für das Kongresshaus aber druckvoll und der Halbtessiner steigerte sich mit jedem Song aus seiner 2006 begonnenen Karriere. Der Auftritt war derart makellos im ersten Drittel und gross wie in einem Stadion. Der Engländer erinnerte an Leo Sayer mit seinem Krausehaar und schnell wurde klar, dieser Mann kennt alle Tricks, um einen Song mit Pfeifen, Schmalz, Geige, Refrains eingängig zu machen. Ja, die Violine als Teil seines Pops ist sehr ungewöhnlich und sie begleitete ihn auch im mittleren Teil als Jack Savoretti solo an der Gitarre politische Töne anschlug und gleichzeitig mit seinem Talent für guten Pop für Gänsehautmomente sorgte, die das Publikum von Anfang bis zum Schluss seines Auftrittes mit viel Applaus belohnte. 

Biel – Christmas Session – Was geschieht bevor Milow, Texas, Jack Savoretti dort auftreten? 

Die 12. Ausgabe der Christmas Session vom 24. – 27. November im Kongresshaus Biel feiert die Musik von internationalen Stars. Doch was geschieht in den Monaten vor ihrem Auftritt im Büro von Direktor Enrico Brogini. Wie er Künstler findet und welche ihm Magenschmerzen verursacht haben, verrät er ihm Interview.

Es ist Freitagmorgen und Sie flogen gerade aus Asien ein. Finden Sie Ihre Stars für die Christmas Session als Besucher eines Konzertes oder spielt das Geld vor dem eigenen Geschmack eine grössere Rolle?

Nicht ich alleine bestimme, was das Programm beinhaltet. Ein Gemium von Leute zwischen 20 – 50 Jahren versucht eine gute Mischung zu finden. Wir beginnen wie bei Milow schon ein Jahr vor dem Auftritt mit ihm in Kontakt zu treten. Natürlich geht alles über den Tourmanager, den wir schauen schon, dass der Künstler auf Tournee ist, damit er einen Abstecher nach Biel machen kann. So ist er auch weniger teuer als wenn wir ihn einfliegen müssen.

Wir begannen ja als Retrofestival, aber mittlerweile versuchen wir auch junge Künstler oder die die momentan topaktuell sind wie Jack Savoretti (Bild) einzuplanen.

Der ging im Tessin in die Schule und ist in England ein Star…..

Ja und hat eine aktuelle LP draussen, das ist auch ein Kriterium. 

Dann machen wir dem Künstler nach Gesprächen mit dem Tourmanager ein Angebot, indem auch das Hotel bestimmt wird, ob er ein Abendessen will etc. und setzten dem Ganzen eine Deadline, damit er sich entscheiden kann. Uebrigens von der Stadt Biel erhalten wir extrem wenig Geld für das Festival.

Gab es den auch Stars, die schwierig tun?

Die Italiener Al Bano und Romina Power. Die sprechen ja ein älteres Publikum bei uns an, nicht in Italien, verlangten ein analoges Soundsystem und Romina hatte Angst vor Corona, wollte nur hinter einer Plexiglaswand und Masken im Publikum auftreten. Haben wir zähneknirschend angenommen und dann das. 

Ich sprach Al Bano, als er hier war , auf das System an und er sagte, ihn sei das egal, er möge auch das digitale System. Auch Romina erschien am Tag vor dem Konzert beim Auftritt von Joss Stone ohne Maske und was freundlich. Also hat uns der Tourmanager Nerven geraubt.

Gibt es einen Star, den Sie gerade mal hätten?

Eric Clapton. Wir hatten ihn schon aber dann kam Corona und er wollte nicht auftreten.

Weitere Infos zur Christmas Session Biel hier 

Murten – Ein Wochenende mit den Edelsteinen des Bodens den Trüffeln 

Während der Kürbis als Herbstgemüse für jedermann erschwinglich ist, gehört der Trüffel zu den teuersten Lebensmittel überhaupt. Gut, dass es vom 19.- 20. November in Murten FR die 7. Ausgabe des Trüffelmarktes im Städtli gibt, wo an 20 Ständen Häppchen abgeben werden und der Feinschmecker beim  Trüffelfondue oder der Samstagsgala diesen Edelstein des Bodens geniessen kann.

Michel Hojac, Koch und Gastgeber der La Pinte de Vieux Manoir hat flinke Hände, eine gute Nase und Ideen. Die braucht er auch, wenn sein Restaurant hinter dem Schwimmbad die Trüffelwoche eröffnet und er über das Wochenende für viele Gäste zusammen mit anderen Köchen das Gala Menu kocht. 

Er hat Knollen aus dem Piemont, Alba und auch einige aus Ins, die ihm eine Frau gegeben hat. Das freut ihn, den auch die anderen Zutaten kommen aus der Region. Für den Trüffel, der oft mit dem Hund gefunden wird im Wald, manchmal auch dem Schwein, doch das fresst ihn gerne selbst, zahlt der Einkäufer pro Kilo gerne mal 6000 Franken. Dieses Jahr sei der Sommer für den Trüffel in ganz Europa viel zu trocken gewesen, weshalb es nur sehr wenige Trüffel gibt, sagt der Koch und Einkäufer. Ein Trüffel braucht Feuchtigkeit und scheinbar haben die Australier auf ihrem Kontinent ein Flecken, das ihnen den kommerziellen Anbau und auch den Geschmack garantiert. Die Europäer haben da weniger Glück und müssen nehmen was die Natur gibt.

Nachdem er die gekochten Randen in Stücke geschnitten, den Lachs mit dem Bunsenbrenner bearbeitet hat, nimmt der Star Koch Michel Hojac das Reibeisen und den Trüffel und reibt ihn in dünne Streifen übers Gemüse. Mal keine Pasta, den zwischen die Randen kommen noch Randenchips und im Mund wechseln sich dann Geschmäcker und Erlebnisse ab. Daran hat der Koch den ganzen Sommer über geprobt. 

Wer sich nicht von Michel Hojac und seinem 5 Gang Menu verwöhnen lassen kann oder will, dem sei der Markt, wo neben Trüffel noch andere Produkte verkauft werden, empfohlen.

 Er hat am Samstag 9-17 Uhr und am Sonntag 10-16 Uhr offen. 

Weitere Informationen hier 

Biel – Christmas Session – Was geschieht bevor Milow, Texas, Jack Savoretti dort auftreten? 

Die 12. Ausgabe der Christmas Session vom 24. – 27. November im Kongresshaus Biel feiert die Musik von internationalen Stars. Doch was geschieht in den Monaten vor ihrem Auftritt im Büro von Direktor Enrico Brogini. Wie er Künstler findet und welche ihm Magenschmerzen verursacht haben, verrät er ihm Interview.

Es ist Freitagmorgen und Sie flogen gerade aus Asien ein. Finden Sie ihre Stars für die Christmas Session als Besucher eines Konzertes oder spielt das Geld vor dem eigenen Geschmack eine grössere Rolle?

Nicht ich alleine bestimme, was das Programm beinhaltet. Ein Gemium von Leute zwischen 20 – 50 Jahren versucht eine gute Mischung zu finden. Wir beginnen wie bei Milow schon ein Jahr vor dem Auftritt mit ihm in Kontakt zu treten. Natürlich geht alles über den Tourmanager, den wir schauen schon, dass der Künstler auf Tournee ist, damit er einen Abstecher nach Biel machen kann. So ist er auch weniger teuer als wenn wir ihn einfliegen müssen.

Wir begannen ja als Retrofestival, aber mittlerweile versuchen wir auch junge Künstler oder die die momentan topaktuell sind wie Jack Savoretti (Bild) einzuplanen.

Der ging im Tessin in die Schule und ist in England ein Star…..

Ja und hat eine aktuelle LP draussen, das ist auch ein Kriterium. 

 Dann machen wir dem Künstler nach Gesprächen mit dem Tourmanager ein Angebot, indem auch das Hotel bestimmt wird, ob er ein Abendessen will etc. und setzten dem Ganzen eine Deadline, damit er sich entscheiden kann. 

Gab es den auch Stars, die schwierig tun?

Die Italiener Al Bano und Romina Power. Die sprechen ja ein älteres Publikum bei uns an, nicht in Italien, verlangten ein analoges Soundsystem und Romina hatte Angst vor Corona, wollte nur hinter einer Plexiglaswand und Masken im Publikum auftreten. Haben wir zähneknirschend angenommen und dann das. 

Ich sprach Al Bano, als er hier war , auf das System an und er sagte, ihn sei das egal, er möge auch das digitale System. Auch Romina erschien am Tag vor dem Konzert beim Auftritt von Joss Stone ohne Maske und was freundlich. Also hat uns der Tourmanager Nerven geraubt.

Gibt es einen Star, den Sie gerade mal hätten?

Eric Clapton. Wir hatten ihn schon aber dann kam Corona und er wollte nicht auftreten.

Weitere Infos zur Christmas Session Biel hier 

Basel – Oldschoolparty mit Frankie goes to Hollywood und Morcheeba


Zum Abschluss der diesjährigen Baloise session gab es zwei britische Stars aus zwei Dekanden für das Publikum ab 45plus. Aus den 90ier die Trip-Hop Band Morcheeba und aus den 80ier High Energy Sound mit Holly Johnson of Frankie goes to Hollywood. 

Nach einem Spaziergang und vor dem Soundcheck nähte Sängerin Skye Edwards in ihrem Hotelzimmer noch an ihrem Fransenkleid. Die bunten Streifen zusammen mit einer gekonnten Lasershow waren für das Publikum im gesetzten Alter im ausverkauften Saal und die Zuschauer auf Arte-TV der Hingucker, während im Hintergrund die vier Musiker von Morcheeba atmosphärische Klänge zauberten, die noch heute als Hintergrundmusik in Lounges gespielt werden und ausser „Rome wasn’t built in a day“ nicht mehr im Radio laufen.

Gleich zu Beginn erhielt Skye Edwards Pralinen von einem Schweizer Fan, die auch im Eingangsbereich zum Naschen bereitstanden. Der Sängerin mit ihrer herzliche Art im Sinne einer Primarlehrerin wusste wie mit dem Publikum umzugehen ist und ihre schmeichelnde Stimme stets in der gleichen Tonart machte das 125 minütige Set erträglich. Während die ersten Stücke aus den 90ier Jahren noch nach Trip Hop tönten, ist die Klangwelt der neusten Stücke Pink Floyd ähnlich. 

Die gepflegte Langweile der Musik ist nur bedingt konzerttauglich. In der Pause sagten einige Zuschauer, sie seinen zwischendurch auch eingenickt obwohl der Sound stets zu laut gegenüber der Sängerin eingestellt war. Da hat wohl der hypnotisierende Blick der Sängerin unter dem Hut auch nichts genützt. Doch als gegen Schluss der erwähnte Hit kam, war das Publikum wieder voll da und es gab nach einer Zugabe reichlich Applaus.

Das Wort „Hype“ könnte man im Deutschen mit gemachte Aufmerksamkeit übersetzten, wenn am an 1983 denkt, als ein Produzent namens Trevor Horn, der zuerst an einem neuen bombastischen Sound mit markanten Basslinien, provokanten Texten, Sexualität bastelte und später Schockvideos machte. Gemacht auch deshalb weil Frankie goes to Hollywood ihren High Energy Sound gar nicht selber spielten sondern im Studio vom Produzenten selber. Also eine Art Boney M von Frank Farian nur britisch. FGTH wäre ohne die Vorreiter Culture Club mit Sänger Boy George nicht denkbar gewesen, den der Liverpooler Sänger Holly Johnson bekannte sich stets zu seiner Homosexualität und im Video zur „Relax“ vernaschen sich die Präsidenten Gorbatschow und Bush im Ring. Der Song landete weltweit auf dem ersten Platz der Hitparade, wurde aber in England lange zensiert.

Mit einer Viertelstunde Verspätung traten die 8 neuen Musiker von Frankie goes to Hollywood auf die Bühne und nach einen Bombast-intro erschien der 62jährige, sichtlich gealterte Sänger Holly Johnson mit gefärbten blonden Haaren und einer Nebelmaschine in der Hand am Mikrofon. Wars die Nervosität oder der Mangel an Uebung? Holly Johnsons, der nur noch wenige Konzerte gibt, tönte bei „War/Warrios“ überhaupt nicht mehr wie früher. Hat ihm die Aidstherapie die Stimme geraubt, fragte eine Zuschauerin? Nein, „Welcome to the pleasure Dome, Americano etc. “ tönten wieder nach alter Klasse. Schlecht war, dass sowohl Holly Johnson wie seine Background Sängerin Kelly Barnes, die auch für Heaven 17 singt, die Texte der Songs ablesen mussten. Der auch als Maler Aktive sprach wenig mit dem Publikum ausser, dass er am Morgen am Rhein entlang gelaufen sei, Schwimmer beobachtet habe und Basel als sehr schön empfände, deshalb richte er „Heaven is here“ an diese Stadt. 

Das waren wie alle Solosongs belangloser Pop, weshalb Klassiker wie „Do you wanna funk“ von Sylvester die Leute bei Laune halten mussten bis kurz vor 22.50 Uhr „Relax“ kam und der Saal bebte, alle von den Stühlen riss und getanzt oder mit „the Power of Love“ die Weihnachtszeit eingeläutet wurde, während vor den Toren am Messeplatz noch die Herbstmesse gefeiert wurde. 

Holly Johnson hat dank Trevor Horn Musikgeschichte in den 80ier Jahren geschrieben. 40 Jahre danach ist er nur dank einer ausgezeichneten Band Garant für eine Oldschoollparty.

Weitere Informationen zur Baloise session hier 

Fotos Dominik Plüss