Bern – Kunstmuseum zeigt die Nabis rund um Bonnard und Vallotton


Um 1888 gründete sich in Paris die Nabis-künstlergemeinschaft und schuf mit ihren Werken den Anfang der modernen Kunst. Doch was heisst das genau? Dieser Frage geht das Kunstmuseum Bern bis zum 16. Oktober nach.

Bevor die Werke der Sammlung Hahnloser/Jäggli im 2024 in einem Haus in Winterthur dauerhaft ihren Platz finden, hat das Kunstmuseum Bern die Möglichkeit die Nabis in einer Ausstellung zu zeigen. Unter der Leitung von Kuratorin Marta Dziewanska hat die 1888 gegründete Gruppe Nabis, was aus dem Hebräsischen auf deutsch Prophet heisst, versucht den Zerfall des Impressionismus durch eine neue Bewegung, die die einzelne Teile eines Ganzen stark heranzoomt oder das soziale Leben zu Hause und in den Strassen von Paris abzubilden.

„Vivre norte temps“ nennt sich die Ausstellung der Nabis um Pierre Bonnard, Maurice Denis, Felix Valloton und Edouard Vuillard. Die reisten nicht viel in der Welt umher und malten, nein, sie fanden ihre Sujets im privaten, intimen Rahmen. Sie malten eigentlich nie direkt vor Ort, vieles was so inszeniert daherkommt, malten sie aus dem Gedächtnis. Vielleicht so ist zu erklären, dass es selten Grossformate zu sehen gibt, eher nimmt sich der Maler einen Gegenstand oder besonders der weibliche Körper heraus und malt ihn, den Rest, was hinter oder neben diesem „Ding“ ist, lässt er ganz weg. 

Die Nabis waren hin- und hergerissen zwischen Altem und Neuem und fühlten vor allem, dass nicht nur in der Malerei sondern auch im alltäglichen Leben eine neue Zeit anbrach, alles wurde durch die Maschinen schneller. Auch wollten die Nabis aufzeigen, dass Malerei eigentlich nicht primär das Abbilden ist sondern der Kampf des Künstler mit der Farbe und dem richtigen Moment. 

Mit der aufkommenden Fotografie war sie auch eine Inspirationsquelle aber auch das Uebernehmen vom Zoom auf den Augenblick. Das soziale Leben in Paris war da ein wichtiger Ort schnell ein paar Skizzen und Eindrücke aus Blatt zu bringen. Die Nabis waren auch gerne in der Nähe von anderen Kunstarten, sie wollten das ihre und die Kunst im allgemeinen stets präsent ist im Alltag. 

So ist „vivre norte temps“ eine Ausstellung, die aus heutiger Sicht viele schöne, ruhige Bilder hat, die immer etwas verschleiern, verwischen und geheimnisvoll erscheinen.

Weitere Informationen zur Ausstellung hier 

Bildlegenden

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02 Félix Vallotton Femme nue couchée dormant, 1913 Öl auf Leinwand 96 x 130 cm Dauerleihgabe an die Hahnloser/Jaeggli Stiftung Villa Flora, Winterthur

2

Pierre Bonnard Dans un jardin méridional (La Sieste), um 1914 Öl auf Leinwand 84 x 113 cm Kunstmuseum Bern Schenkung des Staates Bern, 1935

3

Félix Vallotton La charrette, 1911 Öl auf Leinwand 101 x 74 cm Kunstmuseum Bern Dauerleihgabe Hahnloser/Jaeggli Stiftung

Zürich – Men`s World oder die Inspiration für Mann und Sein

Nach zwei Jahren fand neu in der Halle 550 in Zürich-Oerlikon zum sechsten Mal die „Men`s World“ mit 120 Herstellern rund um die Bedürfnisse für den Mann statt. Auch wenn es im Alltag nicht so ist, hier hatte der Mann von heute das Sagen und die lockere Atmosphäre war auch ein Ort der Begegnungen. 

Hier vier Beispiele.

Nur fünf Fotografien hängen an dem kleinen Stand von Michel Zumbrunn aus Aarau. Doch kommt man mit dem Besitzer von Foto Zumbrunn ins Gespräch wird sofort klar, die Leidenschaft dieses Fotografen sind die sportlichen Autos meist noch vor dem zweiten Weltkrieg. Ob im Studio oder bei den Reichen in der Garage Michel Zumbrunn reist bis nach Kalifornien für diesen, wie er sagt, Teil unserer Kultur, zu fotografieren.

 Doch halt, da ist doch eines auf den ausgestellten Bildern, das ganz rostig ist. Und schon erzählt er die Geschichte, die in Paris mit dem Rennfahrer Rene Dreyfuss beginnt, der seine Spielschulden mit einem Bugatti-Brescia bei einem Schweizer begleicht und der dann im Luganersee versenkt wird, weil der Schweizer die Importsteuer nicht bezahlen kann. 2009 wurde das Wrack gehoben und 2010 versteigert. Der Erlös gelangte in die „Stiftung Damiani Tamagni“,  die gegründet wurde nachdem Damian an der Fasnacht 2008 erschlagen worden war.

Uhren werden bei uns in Neuenburg oder dem Jura hergestellt, denkt man, doch Client Advisor von der Boutique in Zürich korrigiert, den was er verkauft, stammt aus Schaffhausen. Der Uhrenhersteller IWC wurde 1868 gegründet und fertig seine Uhren von A bis Z in der Schweiz an. Beim Sortiment von sportlich bis klassisch fällt sofort das Zifferblatt auf. Es ist ziemlich gross und sechs verschiedene Gehäuse von Chrom bis Stahl fassen es ein. Auch für Frauen gibt es Uhren und die 150 Jahre alte Firma fertigt die zeitlosen Uhren ab einem Preis von 4700 Franken in Schaffhausen an.

Die Herrenhandtasche ist definitiv aus der Mode, doch wo soll der Herr sein Geld verstauen? Dazu hat „Mens World“ Thomas Dörken aus dem deutschen Worms und sein Team eingeladen. Die Agentur Sichtbar zeigte in der Halle 550 den I-Clip. Ob aus Leder mit Aufdruck oder Carbon unter dem Etui ist ein Stahlhalter ähnlich einer Kammer. Bis zu 12 Kreditkarten, Pass, SBB-Abo hält diese Klammer zusammen und auf der Rückseite kann man jede einzelne Karte rausnehmen, die anderen werden blockiert. Auch Geldscheine klemmt der I-Clip ein , aber keine Münzen. So oder so, Platz ist allemal gespart.

Bereits zum sechsten Mal an der Ausstellung ist die Goldschmiede Obession mit Niederlassungen in Wetzikon und Zürich. Seit 23 Jahren verzieren sie nicht nur Frauenhände sondern eben wie die grosse Auswahl zeigte, Männerfinger oder -arme.  Im Gespräch zeigte sich, dass nicht unbedingt das Gold den Männern gefällt sondern eher Silber oder noch was mit Leder. Zwar ist das Sortiment schon gross, doch die Goldschmiede wäre keine, wenn sie nicht die Wünsche des Herrn erfüllen könnte. Die Angestellte verriet, dass etliche Männer schon mit einer Zeichung des Rings ins Geschäft kämen oder zumindest mit der Idee, dann wird das Schmuckstück einzeln angefertigt.

Neben der Fülle an Herstellern, die auch über die Homepage noch nach der Ausstellung kontaktiert werden können, ist die „Men`s World“ auch ein Spielplatz und Ideengeber für das Leben als Mann, der mit graden Rücken die Ausstellung verlässt, bis ihn der Alltag wieder vereinnahmt, wo es eher sächlich zu- und hergeht.

Weitere Informationen zu „Men`s World“ hier 

Liebistorf – „Sensler Todesengel“ oder wenn ein Franziskanermönch ermittelt im Kanton Freiburg


“ Doch als er unter einem Baum einen blutüberströmten weiss-schwarz Habit sah, war im sofort klar, dass dies einer seiner Ordensbrüder sein musste.“ Der seit fünf Jahren Frieden und Gott suchende Franziskaner Bruder Marius wird als ehemaliger Kantonspolizist ins Zisterzienserkloster St. Ulrich in Giffers gerufen für die Ermittlungen rund um den „Sensler Todesengel“. Politiker, Lehrer und Journalist Jean-Claude Goldschmid hat seinen ersten Krimi geschrieben und gibt im Interview über seine Beweggründe Auskunft und machte die Fotos an den Schauplätzen gleich selber.

Jean-Claude Goldschmid, Sie sind politisch aktiv, unterrichten am Gymnasium, schreiben für die Freiburger Nachrichten, also ein Mann mit Sendebewusstsein. Ist der erste Krimi” Sensler Todesengel” ein weitere Mittel, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen oder was hat Sie bewegt einen Krimi zu schreiben?

Der Wunsch, auch selber literarisch tätig zu sein, ist bereits in den 1990-er Jahren entstanden, als ich (unter anderem) Literatur studierte und mich mit literarischen Werken aus verschiedenen Jahrhunderten auseinandersetzte. Damals habe ich aber vor allem Gedichte und Songs geschrieben, da das Schreiben eines längeren Textes viel Musse und Ruhe voraussetzt. Dieser Krimi ist ursprünglich eine Auftragsarbeit gewesen, dessen Entstehungsgeschichte bis 2013 zurückreicht – denn als ich meine Dissertation 2013 beim Freiburger Paulusverlag herausbrachte, äusserte man dort den Wunsch nach einem Freiburger Krimi. Da der Verlag inzwischen seine (belletristische) Tätigkeit aufgab, nur noch theologische Fachliteratur herausgibt und sich ganz aus Freiburg zurückzog, ist mir nichts anderes übrig geblieben als mir einen neuen Verlag zu suchen. Was die Aufmerksamkeit betrifft, so ist es tatsächlich so, dass sich natürlich jeder Künstler ein Publikum wünscht, und tatsächlich ist es ein schöner Gedanke, etwas Bleibendes zu schaffen, an dem die Menschen noch Freude haben werden, wenn ich einmal nicht mehr da bin; im Übrigen halte ich es aber mit dem von mir hochgeschätzen Mark Mothersbaugh der US-New-Wave-Band „Devo“, der einmal gesagt haben soll, dass die wahren Künstler diejenigen seien, die nicht um des Publikums oder des Ruhmes wegen schreiben, sondern dies aus einem sehr dringenden inneren Bedürfnis heraus tun.

Nachdem Studium der Germanistik, Geschichte und Philosophie befassten Sie sich mit den Benediktinerinnen. Nun ist Bruder Marius als ehemaliger Kantonspolizist ein Franziskanermönch, der hilft ermitteln. Wollten Sie mit dieser Wahl von Marius die Ambivalenz des Menschen zwischen Gut und Böse und Selbstbestimmung aufzeigen?

Genau. Wie dies Marius auch in einem Schlüsselgespräch mit seiner Vertrauten, der Witwe Aeby, darlegt, ist kein Mensch einfach nur gut oder nur böse; vielmehr stecken wir alle in dieser Ambivalenz drin. Und auch, was Marius‘ Persönlichkeit betrifft, ist ein grösserer Unterschied als derjenige zwischen einem Dasein als Polizist und einer Existenz als Mönch ja kaum denkbar. Letztlich wurde Marius aber auch wegen einer Lebenskrise Mönch, und somit kann man seinen Eintritt ins Kloster tatsächlich als einen Akt der Selbstbestimmung deuten. Die beiden Pole seiner Existenz entstammen – interpretiert man das Ganze autobiographisch – aber auch zwei zentralen Interessensfeldern meines eigenen Lebens, nämlich der Religion, die für mein Leben absolut entscheidend ist, sowie der Kriminologie, die mich ebenfalls schon immer interessierte.

Neben dem Beschrieb Deutschfreiburgs und seinen Besonderheiten im Sense- und Sanebezirk simmert auch „der Name der Rose“ als Inspiration durch. Wie kamen Sie zum Stoff, welche Vorbilder haben Sie, ist es ein Auftakt zu einer Serie?

Das Buch war wie gesagt ursprünglich eine Auftragsarbeit. Und da die christliche, klösterliche Tradition in Freiburg sehr dominierend ist, war für mich bald einmal klar, dass die Hauptfigur ein Mönch sein sollte. Umberto Ecos „Name der Rose“ war im Übrigen tatsächlich eine grosse Inspiration für dieses Buch. Was die Figur des kettenrauchenden, verfressenen Inspektor Schneuwlys betrifft, so war ich wiederum von Dürrenmatts Krimis – wo auch die ganze Zeit gegessen wird –, aber auch sehr von Glausers Wachtmeister Studer inspiriert. Einer meiner Lieblingsautoren ist im Übrigen der Amerikaner H.P. Lovecraft; für diesen Krimi stand er allerdings als Inspirationsquelle eher im Hintergrund, da er ja mehr dem Genre Horror zuzurechnen ist. Und ja, der „Sensler Todesengel“ ist tatsächlich der Auftakt zu einer Serie, dessen Konzept mit dem Gmeiner Verlag bereits abgestimmt ist.

Weniger gelungen sind ihnen die Dialoge, die wirken etwas gar brav für einen Krimi, wo oft der Strassenslang wichtig ist. Mit welchen Schwierigkeiten mussten Sie sich beim Schreiben auseinandersetzen?

Das ist ein sehr guter Einwand, den Sie da äussern. Stimmige Dialoge zu schreiben, ist tatsächlich etwas vom Schwierigsten. Es sind natürlich fast ausschliesslich Geistliche, die sich hier äussern, und die reden natürlich etwas braver als Menschen, die im Strassenslang sprechen. Eine grosse Schwierigkeit, mit der wohl vor allem Schweizer Autoren konfrontiert sind, ist im Übrigen, dass wir Schweizer ja in einer anderen Sprache sprechen – nämlich im Dialekt – als wir schreiben. Überträgt man Dialoge in die Schriftsprache, so verfälscht und stilisiert man sie unweigerlich, da man sie nämlich eigentlich in ein anderes Idiom übersetzt. Das ist übrigens auch eine Problematik, mit der ich als Journalist seit jeher konfrontiert war. Die Alternative wäre, das ganze Buch im Dialekt zu schreiben, wie dies etwa mein überaus geschätzter Autorenkollege Christian Schmutz tut. Damit schränkt man meines Erachtens aber den Wirkungskreis eines Buches stark ein, vor allem mit dem für aussenstehende Ohren oft schwer verständlichen – und daher auch schwer lesbaren – Sensler Dialekt, den ich übrigens gar nicht beherrsche, da ich nämlich selbst im Kanton Zürich aufgewachsen bin.

Manche Autoren finden neue Aspekte ihrer selbst beim Schreiben. Ob man dies bei einem Krimi kann, frage ich mich, da er doch das analytische Schreiben verlangt? Was hat der “Sensler Todesengel” bei Ihnen ausgelöst?

Eine gute Frage. Einerseits das Verständnis dafür, wie schwierig und komplex es überhaupt ist, einen Roman zu schreiben. Denn während es möglich ist, ein gutes Gedicht oder einen Song in einem Abend oder einem Wochenende zu schreiben, so braucht ein Roman Monate oder Jahre. Es ist ein sehr langer Weg von der Inspiration bis zum fertigen Produkt. Andererseits die Sensibilisierung dafür, meine Umwelt genau zu beobachten und diese Beobachtungen auch in adäquate Worte zu fassen. Und schliesslich natürlich den Wunsch, noch mehr zu schrieben. Ich freue mich daher sehr auf die Umsetzung meiner nächsten literarischen Projekte.

Sie wohnen im letzten Dorf Freiburgs zum Kanton Bern. Was macht der Jean-Claude Goldschmid in Liebistorf in seiner Freizeit?

Ich musiziere sehr gerne, ich spiele Klavier und Gitarre. Ich fotografiere und reise sehr gerne, wobei das Reisen in den letzten zwei Jahren coronabedingt natürlich stark eingeschränkt war. Ansonsten verbringe ich so viel Zeit wie möglich mit meiner Familie und meinen Freunden, und im Winter fahre ich sehr gerne Ski. Ausserdem schreibe ich natürlich so oft wie möglich. Ein Kinderbuch, „Hein und Heidi“, ist bereits fertig und erscheint diesen Herbst im deutschen Lexikus-Verlag. Seither schreibe ich an einem Science-Fiction-Roman.


Weitere Informationen zum Buch „Sensler Todesengel“, 

der im Gmeinerverlag erschien  hier 

Basel – Heiweh-Fernweh – Musical oder Karaokeabend?

Zwar hat der ehemalige Unterhaltungschef des Schweizer Fernsehens und Regisseur vom Musical „Heiweh-Fernweh“ die Grundidee Geschichte und Hits von „Ewigi Liebi“ übernommen, doch an der Premiere wurde trotz standing ovation am Schluss klar, die Geschichte ist dünn.

Eigentlich war es ja nur eine Wiederaufnahme nach 2019 in Luzern und keine Premiere wie die Aufführung am Musical Theater Basel angekündigt wurde und nicht ausverkauft war, doch mit Darstellern wie dem Aargauer Benjamin Fröhlich, der in London Musicalerfolge feiert und der ehemaligen „Unter uns“ Darstellerin Isabel Florido hatte die grosse Schauspielertruppe, die fast nur aus Schweizer Darstellern besteht, einige bekannte Namen.

Frank (Benjamin Fröhlich) und seine Frau Julia (Isabel Florido) und deren Kinder ( unteranderem Jesse Rich) haben einen Problem. Trotz Seeanhang läuft der Strandclub Lido nicht und der Polizist bringt auch noch eine Zahlungsaufforderung von 10000 Franken. Es müssen Leben und Einnahmen in die Bude, da sind sich alle einig. Also wird in der Not eine Hippie-Truppe mit dem Hippiebus, die aus Santo Domingo ausgewiesen wurde, engagiert und das Chaos und Liebeleien beginnen. 

Wie bei „Ewigi Liebi“ folgen Text und Schweizer Hits aus der Hitparade dieses Mal aus den 90ier und 00 Jahren für ein Publikum, das in dieser Zeit seine Jugend verbracht hatte. In dieser Zeit als der Mundartrock in der Hitparade eine Hauptrolle spielte, waren es vor allem die Berner Band erfolgreich wie Plüsch, Gölä, George, Henry Amman, Natacha, die Gefühle in Musik verpackten. 

Jesse Rich, bekannte als Teilnehmer neben Luca Hänni an der TV-Show DSDS und wenig erfolgreicher Solosänger gibt hier sein Musicaldebut und macht eine gute Figur. 

Interessant ist, dass die Schauspieler die Hits im Originaldialekt singen und dann beim Sprechen wieder in ihren eigenen Dialekt wechseln. Ist beim Ostschweizer, der Berndeutsch singt, gewöhnungsbedürftig.

Das Publikum war von dieser Mischung aus Musik und Handlung begeistert, merkte aber auch gegen Schluss wie dünn doch die Geschichte dieses Musical ist und noch dünner wird nach der Pause.

Im zweiten Teil wird, weil es fast nichts mehr zu erzählen gibt, über eine Stunde fast nur gesungen. Das ist dann Karaoke auf einem hohen Niveau und die Hits werden dann mit Loco Escritos „Punto“ oder Luca Hännis Eurovisionstitel „She got me“ neueren Datums.  

Auch wird viel getanzt bis am Schluss das Happy End verkündet wird, man hat die 10000 Franken beisammen, das Lido bleibt bestehen, die Hippies haben wieder Heimweh und bleiben in der Schweiz. 

„Heiweh-Fernweh“ ist seichte Unterhaltung für die es standing ovation sogar von den geladenen Gästen wie Bo Katzman oder Caroline Rasser gab. 

Noch bis zum 30.4. spielt das Musical in Basel, dann bis 27.5. in Bern und bis 11.6. in Zürich.

Weitere Informationen hier 

Zermatt – Aloe Blacc `s Party und Ellie Gouldings Popklassik unter dem Matterhorn

Nach zwei Jahren Pause ist die 13. Ausgabe zwar ein Programm ohne grosse Namen, doch wie immer beim Zermatt unplugged Festival zählt nicht der Hype der Stunde sondern Können und davon kann der Amerikaner Aloe Blacc mit seinem Soul, Funk, Rap einiges wie auch die Perfektionistin Ellie Goulding mit ihrem fehlerlosen Popklassikset.

Zwei Jahre machte der Virus den Hotels in Zermatt mit der verlängerten Hochsaisonswoche, wie sie das unplugged Festival nennen eine Strich durch die Rechnung und dieses Jahr auch dem Veranstalter am zweiten Abend. Da fiel der Hauptact James Bay, der ja für die abgesagten Snow Patrol eingesprungen war, zwei Stunden vor Konzertbeginn aus.

Hatte am ersten Abend Nena ein solides Konzert ohne Impfgegnerparolen gegeben, mussten die Zermatter bis 23 Uhr warten bis im ausverkauften Lokal Alex der Mann mit Hut und dem Hit „i need a dollar“, den er als zweiten Song sang, die Bühne betrat und von Anfang an die Ansage machte: Ich mache kein Konzert, ich will mit euch eine Party feiern. 

Zwar könne er keine guten Liebeslieder schreiben, wie er bei zahlreichen Intros erzählt, aber er und seine vier Mitmusiker spielten neben den sieben eigenen Songs so viele Klassiker aus der Soul-, Funksparte, das die Texthänger und mangelnde Inspiration Hits zu schreiben, bald vergessen war. Auch nach fast zwanzig Jahren ist die Stimme des Afroamerikaners immer noch toll und mit seinem weissen Rollkragenpulli machte er auch eine gute Figur. Den hat er wohl getragen, weil er weiss nach zwei Auftritten über die Jahre am unplugged wie kalt es in Zermatt abends ist. Aber im ALEX war eher die schlechte Lüftung das Problem, den die Stimmung war heiss, das Publikum mittleren Alters tanzte um Mitternacht und dann kam um zehn Minuten danach der Hit auf den alle Walliser gewartet hatten. „Wake me up“ mit dem verstorbenen DJ Avinci aufgenommen war natürlich der Garant für eine Zusage, wo Aloe Blacc nochmals den vollen Saal zum tanzen animierte und die Leute später noch in den Strassen weiterrumhüpften.

Wäre 2015 der Softporno „Fifty Shades of grey“ und der Titelsong „Love me like you do“ nicht gewesen, die englische Singer/Songwriter Ellie Goulding hätten die Schweizer trotz grosser Erfolg seit ihrem 21 Lebensjahr auf der Insel, glatt verpasst. So war ihr Auftritt nach der Babypause, wo sie einen Sohn gebar, in Zermatt auch ein Treffen von vielen Engländern aus der Umgebung, die durch den starken Schneefall angereist waren.

 In grauen Hosen und grauschwarzem Oberteil ging sie etwas unsicher ans Mikrofon, wo zuvor sage und schreibe sechs Backgroundsängerinnen, vier Streicher, ein Pianist und ein Gitarrist Platz genommen hatten. Ohne lange ein Wort ans Publikum zu richten, sang sie sich mit dem Stimmumfang einer Sopranistin durch die 15 Jahre dauernde Karriere und die verbreitet Schwermut und Romantik. Die unplugged Versionen ihres Pops erinnerte mehr an Klassik oder Gospel als Pop, war aber über 90 Minuten derart fehlerlos vorgetragen, das fiel dem älteren Publikum in der ausverkauften Zeltbühne sofort auf und dem entsprechend gab es immer viel Applaus und am Schluss standing ovation. Das perfekte Set war aber auch ein Manifest einer Musikerin, die zwar 36 Million Platten verkauft hat, aber wohl nie aus dem Schatten von Adele treten wird, weil sie eigentlich nur ein Song in x Varianten stets wiederholt. 

Dem Publikum hat die Engländerin mit der Wales-Sprachfäbung sehr gefallen, weil ihr Klassik-Romantik-Set Balsam war für die Schmerzen der letzten zwei Jahre und die Trauer über das Jetzt.

Weitere Informationen zum Unplugged Festival hier 

grosses Foto Aloe Blacc copyright Florian Aeby                                           

 Foto Ellie Glouding copyright Julius Hatt

Grindelwald – Büne Huber schlägt Samu Haber


Mit Sulz unter den Füssen und in T-Shirts fanden sich am Samstag 11000 Zuschauer am neuen Austragungsort Grindelwald Terminal zum Neustart des SnowpenAir ein und Patent Ochsner gewann deren Herzen gegenüber Sunrise Avenue.

Als sich nach den Lokalmatadoren Crazy Mofos und der Walliserin Stefanie Heizmann gegen halb zwei Uhr das Gelände hinter dem Bahnhof Grindelwald Terminal füllte, war der Grundtenor gleich. Das neue Gelände ist praktischer zu erreichen, aber die 11000 Zuschauer waren sehr zusammengepfercht und die Sanitärenanlagen für diese hohe Besucherzahl im oberen Teil liessen zu wünschen übrig, auch ist die Sicht, die nun nicht von oben herab wie auf der kleinen Scheidegg auf die Bühne sondern vom Feld auf die Bühne ist, lässt weniger Sicht zu.

Es ist ihr Jahr. Nach 30 Jahren gabs vor einem Monat den Ritterschlag mit der ersten Schweizer Band bei MTV unplugged, ein Nr. 1 Hitparadenalbum und der heutige Triumph.

Im ausverkauften SnowpenAir war das Publikum bei Patent Ochsner im ersten Drittel verhalten. Zwar zeigte die Band wie raffiniert sie mit Wortspielen umgehen und Kleinode komponieren kann, doch die vielen Bläser wirken eher nervig und noch hielt sich das Publikum mittleren Alters zurück. 

Doch dann kam „Elisabeth und Fischer und Belpmoos und Venus vo Bümpliz und Scharlachrot“. Die Hits und Büne Hubers ruhige Art und immer noch kräftige Stimme packten auch den Hintersten auf dem Sulz stehenden Zuschauer. Alle sangen mit und die Frauen tanzten. Mit mehreren Zugaben und einer tiefen Verbeugung und nicht ohne Worte “ auch wenn der Typ im Osten momentan spinnt, lasst euch nie verbiegen oder etwas sagen“ verabschiedete sich Büne Huber und seine Männer.

Bevor zwanzig Minuten später die Finnen rockten, war es so heiss auf dem Gelände wie im Sommer. Einige liefen schon mit Sonnenbrand umher und auch die Sanität musste einige, die zu wenig getrunken hatten, mit Schneepackung von dem Schwindel und Uebelkeit runterkühlen.

Ohne Begrüssung mit einem blau unterlaufenen linken Auge war Samu Haber plötzlich am Mikrofon. Er und seine Mannen waren ja schon Tage vor dem Konzert abgereist und fuhren auf dem wenigen Kunstschnee ins Tal Ski oder feierten lange. Jedenfalls wirkte der Finne müde. Sunset Avenue sind auf Abschiedstournee. Die 2002 gegründete Band löst sich Ende Jahr auf. Waren es Samus Drogenprobleme, das Alter, die mangelnde Inspiration oder die Mündigkeit, die zum Aus der Band führten? Alles möglich, den auch wenn der Gig solide war, die Stimmung nur im vordersten Drittel des Publikums gut und das Publikum von Beginn animiert wurde, war es keinen Höhepunkt. Der Poprock hat viel vom Glanz verloren, ein „Hollywood Hills“ gabs nur einmal und Samu Haber zwar erfreut, dass er nach zwei Jahren wieder spielen konnte, aber Freude ein Rockstar zu sein, sieht anders aus. Er hat sich ja eine Insel nahe Helsinki gekauft, machte bei „the Voice of Germany“ mit, schrieb seine Autobiografie und schien beim Blick auf den Eiger, sich zu fragen, wie sein Leben nun weitergehen soll. Für eine grosse Solokarriere fehlt ihm die Kraft. 

Weitere Informationen zum SnowpenAir hier 

Zürich – Das Buch zur aktuellen Lage – die Seuchengeschichte der Schweiz


Im Buch “ Vor Pest, Hunger und Krieg bewahre uns , o Herr “ zeigt der Historiker Daniel Furrer, dass Corona, Aids nur die neusten Bedrohungen für unsere Gesundheit und unser Land waren, viele gingen denen voraus. In der ersten Gesamtdarstellung der Seuchengeschichte der Schweiz stellt der Autor die aktuelle Lage in einen grösseren historischen Zusammenhang.

Dank Corona gibt es nun Ihr Buch über die Geschichte der Seuchen in der Schweiz. Was hat Sie an diesem Thema interessiert?

„Geisseln der Menschheit“, so heisst ein bekanntes Buch zur Geschichte der Infektionskrankheiten. Corona hat mir einmal mehr vor Augen geführt, dass der Blick in die Vergangenheit nicht gemacht wird und ein grosses Unwissen zur Rolle der Infektionskrankheiten besteht. Mit meinem Buch suche ich die Rolle der Seuchen für die Schweizer Geschichte darzustellen. Dabei richtet sich dieses Buch nicht an ein Fachpublikum, sondern an Menschen, die eine Pandemie wie Corona in einen grösseren Zusammenhang setzen wollen.

Ich behaupte: Seuchen entstehen durch Dreck und seit die Menschen von der Schifffahrt bis heute international unterwegs sind. Könnten Sie dies unterstreichen?

In früheren Zeiten hat man „schlechter Luft“ die Schuld für Infektionskrankheiten gegeben. Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts konnte die Wissenschaft die genauen Zusammenhänge erklären. So gelang es dem deutschen Mediziner Robert Koch den Erreger von Cholera zu finden. Es handelt sich dabei um ein Bakterium. Robert Koch erhielt 1905 den Nobelpreis in Medizin. Robert Koch wurde mit seinem Kollegen Louis Pasteur in Paris zum Begründer der modernen Bakteriologie. Nicht „schlechte Luft“, nicht „Dreck“ sind für Infektionskrankheiten verantwortlich, sondern Mikroben – mikroskopisch kleine Lebewesen.

Mobilität spielt eine bedeutende Rolle für die Ausbreitung von Infektionskrankheiten. Doch sind die Zusammenhänge komplex. Es war zunächst nicht die Mobilität, sondern die Sesshaftigkeit, die zur Ausbreitung von Infektionskrankheit führte. Mit den ersten städtischen Siedlungen konnten sich z.B. Krankheiten ausbreiten, die durch verschmutztes Trinkwasser verbreitet werden. Andererseits konnte sich die Cholera im 19. Jahrhundert viel rascher ausbreiten, weil der Personen- und Warentransport global war. Die Cholera in Asien erreichte deshalb innert Wochen auch Europa.

Meine Grosseltern erzählten noch von der schlimmen Folgen der spanischen Grippe. Mir kommen Aids und Corona als Seuchen in den Sinn. Waren diese Seuchen die schlimmsten für die Schweiz oder gab es noch andere?

Wer die Frage stellt „Was war die schlimmste Seuche für die Schweiz?“ geht davon aus, dass wir zuverlässige Statistiken besitzen. Die schlimmste Seuche wäre dann die Seuche mit den meisten Opfern. Diesbezüglich müsste man die Spanische Grippe nennen. Man geht davon aus, dass 1918 rund 25 000 Menschen in der Schweiz daran starben und wohl jeder zweite damit angesteckt war.

Schlimm kann aber auch auf anderen Ebenen verstanden werden. Im Mittelalter sperrte man Menschen mit Lepra weg. Sie mussten in Siechenhäuser leben; sie wurden praktisch zu „lebenden Toten mit denen Gesunde keine Kontakte haben wollten. Als schlimm kann auch eine Seuche wie die Pocken bezeichnet werden: Vor allem Kinder waren ihre Opfer, aber von grosser Tragik konnte es für jemand auch sein, wenn er die Pocken überstand: Eine hübsche junge Frau, welche die Pockennarben im Gesicht trug, war für ein Leben entstellt.

 Jeder wird froh sein, wenn Corona vorbei sein wird. Hat die Schweiz überhaupt je in der Seuchengeschichte was daraus gelernt oder einfach dank der Pharmaindustrie damit gelernt zu leben und ist zur Tagesordnung übergegangen?

Kann man aus der Vergangenheit – kann man aus der Seuchengeschichte lernen? Gehen wir ins Jahr 1819: Ein Vater, ein ausgebildeter Arzt, muss miterleben wie seine achtjährige Tochter an Scharlach erkrankt. Er kann nichts tun und muss miterleben wie seine Tochter stirbt. Kurzum, Eltern mussten damit rechnen, dass sie Kinder wegen Infektionskrankheiten verloren. Der Tod hat eine ganz andere Realität als heute.

Geht eine Gesellschaft eigentlich gestärkt aus einer Seuche hervor oder macht jede Seuche neue Verlierer und Gewinner?

Eine einfache auf diese Frage gibt es nicht. Für die Pest im Mittelalter können Historiker aufzeigen, dass die Löhne anstiegen, weil so viele Menschen gestorben waren. Wer noch arbeiten konnte, konnte mehr Lohn fordern. Corona wiederum hat gezeigt, dass selbst Produzenten von Toilettenpapier gute Geschäfte machen konnten. Auf einer ganz anderen Ebene steht jedoch die Einschränkung von Grundrechten oder der persönlichen Mobilität.

Jede Infektionskrankheit hatte so ihre Besonderheit und erst in der Vielfalt wird erkennbar, wie die heutige Pandemie zu platzieren ist. Davon berichtet meine „Seuchengeschichte“

Das Buch „Vor Pest, Hunger und Krieg bewahre uns, o Herr“ erschien bei NZZ Libro.

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Vevey – Charlie Chaplins Lebensspiegel und der Film „The Kid“

Chaplin`s World zeigt 101 Jahre nach dem Erscheinen des Films „The Kid“ in einer Ausstellung bis zum 25. September die Parallelen zwischen Film und Leben des Komikers und was aus dem Filmkind Jackie Coogan wurde.

Im Wohnhaus in Crosier sur Vevey unter dem Dach, dort wo die Kinderzimmer waren, zeigen die Infowände mit Fotos und Charlies eigenen Worten, wie 1921 sein erster Spielfilm „The Kid“ entstand, der eigentlich bereits mit der Geburt und Kindheit Charlies in einem armen Wohnquartier Londons begann und den Filmstoff lieferte.

Schwierig war der Drehbeginn für den Komiker auch, weil er erst kurz vorher sein erstes Kind nach drei Tagen verloren hatte.

Bevors zum Film geht. wird mit Fotos und Zitaten aufgezeigt wie Charlie aufwuchs und das Bild seiner Kindheitswohnung mit einem Tisch, altem Brot und sonst fast nichts, geht unter die Haut, zumal man sich fragt, wie den dieser Junge später trotzdem die Kraft fand, Weltstar zu werden, da er zuvor in seiner Jugend mit zwölf Jahren den oft abwesenden Vater verlor. Dem gleicht er übrigens sehr. doch geprägt hat ihn in seiner Kunst die Mutter, die später geisteskrank wurde. Als Charlie wegen den miserablen Wohnverhältnissen oft krank war, ging die Mutter zum Fenster und parodierte die Leute von der Strasse, damit wieder ein Lächeln auf sein Gesicht kam. Auch der allererste Auftritt hatte Charlie bei Mutter, die Schauspielerin war, als die einen Schwächeanfall auf der Bühne hatte und der Sohn kurzfristig einsprang.  Von da an, war es klar, er wollte Schauspieler werden. 

Noch in Trauer über den Verlust seines Kindes traf Charlie auf der Suche nach einem Kind für den Film „The Kid“ durch Zufall bei einer Veranstaltung Jackie Coogan und es war Liebe auf den ersten Blick, vielleicht auch weil dieser Junge bei Drehbeginn genauso alt war wie der Komiker als er im Elendsviertel lebte und Jackie von Charlie sagte, der benimmt sich wie ein Kind. Jedenfalls zeigen der Making off Film wie viel Spass die beiden Männer mit einander hatten, obwohl Chaplin den Ruf hatte, ein sehr strenger Regisseur zu sein. Jackie Coogan verdiente als Kinderstar 4 Million, die seine Mutter stahl und er später als Schauspieler nur noch vereinzelt auftrat. 

Die Ausstellung ist sowohl für Kinder wie für Erwachsene konzipiert und bedient sich vor allem der Autobiografie Charlies sowie Recherchematerial und ist bis zum 25.9 offen.

Hinweis: Der Bus zum Museum fährt in Vevey gegenüber dem Manor bei der Post ab und nicht vor dem Bahnhof. 


Weitere Informationen zur Ausstellung hier 

Bern – Kandinskys Freundin Gabriele Münter kennenlernen

Die erste Schweizer Ausstellung im Zentrum Paul Klee von Gabriele Münter zeigt die Lebensgefährtin von Kandinsky. die zu Lebzeiten ein Problem hatte. Sie lebte zur falschen Zeit im Schatten von Männern. Nicht destotrotz ist ihr Werke als Mitglied des Blauen Reiters ein vielfältiges. Die Ausstellung dauert bis zum 8.5.

Bereits mit dem Einstieg in die Berufswelt hatte die 1877 geborene Gabriele Münter ein Problem. Sie wurde als Frau nicht an der Kunstakademie angenommen , besuchte stattdessen eine Privatzeichenschule. Ihre Eltern starben früh und nach deren Tod unternahm sie eine Reise nach Amerika mit 21 Jahren und nahm die kurz vorher erworbene Kamera mit. Mit ihr fotografierte, was sie später malte und sowohl Kamera wie Gemälde zeigen ein Sinn für Komposition.
Mit der Liebesbeziehung zu Kandinsky änderte auch ihre Wiedergabe im Laufe der Zeit. Weg vom Naturalismus zum Expressionsmus. Die Reise nach Tunesien war wie später das Leben ausserhalb Paris prägend und eine neue Leidenschaft begann, der Linolschnitt. Oel sollte dazukommen . 
Mit dem Ausbruch des ersten Weltkrieges lebte sie in Skandinavien. Hier wurden die Frauenporträts mit Akzenten selbstbewusster, dem Spachtel bei der Farbauftragung folgte der Pinsel. 
Der blaue Reiter ist ja eigentlich ein Buch und keine Formation. Zusammen mit Kandinsky war sie für diese Buch zuständig, wird aber im Impressum nirgends erwähnt. Wiederum steht sie im Schatten der Männer. Sie lernt Paul Klee kennen, der nur ein paar Häuser weg in der gleichen Strasse wohnt. 
In Murnau lebte sie bis zu ihrem Tod. Diese Stadt ist die Hochburg der Nationalsozialisten und wiederum sind es Männer, die einen negativen Einfluss auf ihre Kunst haben. Um zu überleben wird ihre Bildsprache kontrollierter gemäss den Anforderungen der Nazis. 

Somit ist die Ausstellung Gabriele Münter im Kleemuseum eine Retrospektive eines weiblichen Opfers der Zeit, das trotz Widerständig mit seinem Werk bis heute überlebt hat.

Weitere Informationen zur Ausstellung hier 

Fotolegenden

101 Gabriele Münter Olga von Hartmann, ca. 1910 Öl auf Leinwand 60,3 x 45 cm Gabriele Münter- und Johannes Eichner-Stiftung, München © 2021, ProLitteris, Zürich

203 Gabriele Münter Die blaue Bluse (Frau Oscar Olson), 1917 Öl auf Leinwand 40,3 x 54,9 cm Gabriele Münter- und Johannes Eichner-Stiftung, München © 2021, ProLitteris, Zürich

307 Gabriele Münter Der blaue Bagger (Baustelle an der Olympiastrasse nach Garmisch), 1935 1937 Öl auf Leinwand 60,5 x 92,5 cm Gabriele Münter- und Johannes Eichner-Stiftung, München © 2021, ProLitteris, Zürich

Schaffhausen – Hornist Felix Klieser spielt Richard Strauss mit dem Fuss


Am 27. Januar heisst es in der Kirche St. Johann Brahms: Das Herz geht einem dabei auf. Schaffhausen Klassik empfängt die Württembergische Philharmonie Reutlingen und den aussergewöhnlichen Künstler Felix Klieser. Der Echopreisträger gilt als einer der besten Hornisten der Welt. Im Interview verrät er, wie er zu seinem Instrument kam und was ihm am Schaffhauser Konzert gereizt hat. 

Trotz der Omikronwelle findet das Brahmskonzert statt. Was hat Sie als Hornist an diesem Projekt gereizt?

Naja, es ist ja in dem Sinne kein Projekt, sondern ein Konzert auf das ich mich wahnsinnig freue. Das 1. Hornkonzert von Richard Strauss gehört zu meinen absoluten Lieblingskonzerten. Und natürlich freue ich mich auch schon auf das Schaffhausener Publikum, von dem ich schon viel Positives gehört habe. Ich bin mir sicher, wir werden zusammen einen tollen Konzertabend haben.

Mendelssohn, Strauss, Brahms. Grosse Namen. Interessiert es Sie an diesem Projekt eigentlich nur die Noten oder ist auch das Nachforschen nach der Entstehung der Stücke sowie Biografie von Interesse?

Ich selbst spiele ja nur den Strauss. Die anderen Stücke spielt das Orchester ohne mich. Natürlich kennt man die Biografie und die Geschichte hinter den Stücken. Doch für viel wichtiger halte ich es, was jeder einzelne von uns empfindet wenn er die Musik hört. Das ist etwas sehr Persönliches, bei dem es kein Richtig oder Falsch gibt. Und genau das macht Musik für mich so spannend.

Ihre Besonderheit ist ja, dass Sie mit dem Fuss das Horn spielen. Können Sie sich noch an den Moment erinnern, wo Sie die Entscheidung getroffen haben, dies ist mein Instrument, mein Leben?

Ich war drei Jahre alt als ich den Wunsch hatte Horn zu spielen. Allerdings hatte damals niemanden in meiner Familie, der etwas mit Hörnern oder Musik zu tun. Es gab auch kein Konzert, wo ich das Horn vielleicht gesehen haben könnte. Daher ist es bis heute ein kleines Rätsel, wie ich genau auf dieses Instrument gekommen bin. Ich kann mich aber noch daran erinnern, dass es das Horn und kein anderes Instrument sein sollte.

Als Klassiker sind Sie im Gegensatz zu vielen Ihrer Kollegen auch auf den sozialen Medien aktiv und zeigen viel aus dem Leben.  Wählten Sie diese Medien als Kontakt zum normalen Volk oder um ein Star zum Anfassen zu sein?

Ich würde mich jetzt eigentlich auch zum normalen Volk dazu zählen. Daher eigentlich nein. Ich mag generell Menschen. Das ist auch der Grund weshalb ich Musiker geworden bin. Ich mache Musik nie für mich selbst. Sondern für andere. Wenn Leute in meine Konzerte kommen, sollen sie eine schöne Zeit haben und sie genießen. Das ist mir wichtig. Wenn ich bei einem Konzert das Gefühl habe, die Leute haben Freude, dann bin ich auch glücklich.

Das Jahr 2022 ist noch jung. Was hat der Felix Klieser sich vorgenommen privat und beruflich?

Ich hoffe, dass dieses Jahr besser wird als die letzten beiden. Corona hat uns alle betroffen und unser Leben kräftig durcheinander gewirbelt.

Und dann freue ich mich auf mein neues Album mit Stücken von Mozart und Haydn, welches in diesem Frühjahr erscheinen wird. Zusammen mit dem Zemlinsky Quartett habe ich, neben den beiden Hornkonzerten von Haydn und dem Hornquintett von Mozart, einige Arien von Mozart in einer Version für Horn und Streichquartett aufgenommen. Das wird sicher spannend


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